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Montessori:10 Grundsätze des Erziehens lang

Montessori:10 Grundsätze des Erziehens lang

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Maria Montessori "Zehn Grundsätze des Erziehens"

Becker-Textor, Ingeborg (2007, 2008): Maria Montessori. Zehn Grundsätze des Erziehens. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH.

Vorwort

  • Maria Montessori fordert die neue Lehrerin:  Der Begriff Lehrerin kann gleichgesetzt werden mit Erzieherin, Mutter, Vater – Menschen, die im Alltag mit Kindern zu tun haben und nicht unbedingt professionelle Pädagogen sein müssen
  • Die Erziehungsgedanken Montessoris lassen sich auch ohne Einsatz des nach ihr benannten Materials umsetzen
  • Eine optimale Ergänzung sind natürlich die Montessori - Materialien, weil sie auf den Grundprinzipien wie Freiheit, Selbsttätigkeit aufbauen und Lernprozesse wesentlich positiv beeinflussen
  • Einsatz des Materials nützt nichts, wenn die Haltung gegenüber dem Kind autoritär, bestimmend oder fordern ist
  • Das Kind steht neben dem Erwachsenen, ist quasi gleichberechtigt
  • Das Kind fordert "Hilf mir, es selbst zu tun."
  • Das Kind sagt ganz deutlich, dass es keine Einmischung oder aktive Hilfe will
  • Es will nur, dass der Erwachsene ihm Hilfestellung gibt, Brücken baut, damit es eine Aufgabe und letztlich sein Leben selbst bewältigen und meistern kann
  • Das Kind ist Baumeister seiner selbst
  • Viele Kräfte schlummern in ihm, die es zu entdecken bereit ist
  • Verstehen wir den Erwachsenen und sein Handeln als das Zündholz und beobachten dann, wie sich das Kind entwickelt in seiner Umgebung, die durch uns Erwachsene vorbereitet wird
  • Wir werden zu Lebensbegleitern für das Kind
  • Montessoris Ziel für das frühe Kindesalter: "Unser erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben."

Maria Montessori - ihre Methode

  • Früher war das ausschließliche Ziel der Erziehung, auf das alle ihre Anstrengungen gerichtet waren, das Kind für das soziale Leben, das es einmal zu führen hätte, vorzubereiten. Deshalb war man vor allem darauf bedachte, dass es die Erwachsenen nachahme, man zwang es, die schöpferischen Kräfte seines Geistes unter dem Nachahmungstrieb zu ersticken, man lehrte es vorzugsweise, was zu wissen für unentbehrlich gehalten wurde, um in der zivilisierten Welt zu leben.
  • Die völlige Angleichung an eine Form des sozialen Lebens, das nicht das natürliche Leben der Kinder ist und welches erst dann das ihre ist, wenn sie erwachsen sind, führte dazu, dass das Kind in der alten Schule und in der alten Form der Familienerziehung nicht nach seinem wahren Wesen eingeschätzt wurde
  • Das Kind war nur eine "Zukunft", es stellte nur ein "Werden" dar, deshalb zählte es nicht, bis es ein Erwachsener geworden war
  • Kind ist eine freie Persönlichkeit
  • Seine Seele bedarf unserer Fürsorge
  • Materielle Dinge können den Menschen in jedem Lebensalter verderben
  • Die soziale Umgebung, die wir uns geschaffen haben, passt nicht für das Kind, es versteht sie nicht
  • Kind kann sich der Gesellschaft nicht anpassen, von der es ausgeschlossen wird
  • Kind wird der Schule anvertraut, die oft zu einem Gefängnis wird
    • Verhängnisvolle Wirkung der Schule, in der mit alten Methoden unterrichtet wird
    • Kinder leiden darunter nicht nur körperlich, sondern auch moralisch
  • Auch in der Familie herrscht der gleiche Grundirrtum: Man denkt ausschließlich an die Zukunft des Kindes, seine zukünftige Existenz. Man achtet fast niemals auf die Gegenwart, das heißt, auf die Dinge, deren es bedarf, um in seiner Altersstufe zu leben.
  • Unter allen Bedürfnissen des Kindes vernachlässigt man das menschlichste: die Ansprüche seines Geistes, seiner Seele. Der Mensch im Kinde bleibt uns verborgen.
  • Wenn wir die Mühe, die wir auf das Kind verwenden, um ihm eine Welt, eine geeignete Umgebung zu schaffen, als unbedingte und dringende Notwendigkeit betrachten, dann vollenden wir ein großes Werk zum Nutzen der Menschheit
  • Das Kind kann in der komplizierten Welt des Erwachsenen kein ihm gemäßes Leben führen
  • Mit den Beaufsichtigungen, den Ermahnungen, den Beleherungen und den Befehlen stört und hindert der Erwachsene die Entwicklung des Kindes
  • Alle aufkeimenden guten Kräfte werden erstickt, nur eines bleibt dem Kind: der heftige Wunsch, sich möglichst von allem und von allen zu befreien
  • Die Freiheit des Kindes kann nicht darin bestehen, dass wir es "sich selbst überlassen" oder es vernachlässigen
  • Wenn wir die Umgebung des Kindes sorgfältig vorbereiten, so ist dies schon eine große Aufgabe, da es sich darum handelt, eine neue Welt zu schaffen: Die Welt der Kinder
  • Kaum sind die kleinen Gegenstände , die die Kinder wirklich gebrauchen können vorbereitet, so ordnet sich ihre Tätigkeit in verblüffender Weise
  • Ihre Willenskraft leitet ihre Bewegung, sie können ohne Gefahr auf sich selbst gestellt sein, da sie wissen, was sie wollen
  • Im Kinde lebt ein Bedürfnis, sich zu betätigen
  • Kind hat instinktiven Drang nach einer Tätigkeit, die alle seine Kräfte in Anspruch nimmt, denn nur so kann es seine Fähigkeiten vervollkommnen
  • Haus der Kinder
    • Einfache und praktische Gegenstände, deren Zweck es ist, der geistigen Entfaltung des Kindes zu dienen
    • Kleine, hübsche und leichte Möbel in lebhaften Farben
    • Fallen um, wenn sie angestoßen werden und sind leicht zu verrücken
    • edes Kind kann seinen Platz wählen und sich alles so zurechtrücken, wie es ihm gefällt
    • Da Möbel leicht sind, verraten sie jede ungeschickte Bewegung durch ein Geräusch
      • So lernt das Kind auf Bewegungen seines Körpers zu achten
    • Gegenstände aus Glas und Porzellan
      • Nach dem solche Gegenstände fallen gelassen und zerbrochen sind achtet das Kind auf die Bewegung seines Körpers
    • Die Umgebung selbst hilft ihm, sich ständig zu verbessern und wenn kleine Fehler passieren, dann greift die Lehrerin nicht ein, sie bleibt Zuschauerin
    • Nach und nach wird es dem Kinde so vorkommen, als höre es die Stimmen der Gegenstände, die in ihrer stummen Sprache reden und auf die kleinen Fehlleistungen hinweisen
    • Auch in der Schönheit der Gegenstände und der Umgebung liegt ein steter Ansporn für das Kind, tätig zu sein und seine Bemühungen zu verdoppeln
    • Alle Gegenstände sollen anziehend sein
      • die Staubtücher, Besen sollen bunt sein
      • kleine Bürsten
      • kleine runde oder rechteckige Seifenstücke
    • die Schönheit der Gegenstände zieht das Kind überall an und dringt in die Tiefe seines Gefühls ein
    • die menschliche Würde entspringt dem Gefühl der eigenen Unabhängigkeit
    • die Freude, die die Kleinen beim Arbeiten empfinden, lässt sie alles mit fast übermäßiger Begeisterung vollbringen
    • das was sie anspornt, ist die Verwertung latenter Energien und diese bestimmen auch die Dauer ihrer Tätigkeit
  • Betrachtung des Kindes als vollkommenes Wesen, als eigenständige und freie Persönlichkeit
  • Erwachsene haben die Pflicht, die Umgebung der Kinder vorzubereiten
  • Erwachsene müssen für das Kind Sorge tragen

1. Freiheit

  • Bedeutet nach Montessori: unabhängig, unbelastet, nicht beengt, nicht gebunden
  •  Wie sieht es aus, wenn wir Disziplin und Freiheit in Bezug setzen?
    • Aktive Disziplin: Ein Mensch ist diszipliniert, wenn er Herr seiner selbst ist und folglich über sich selbst gebieten kann, wo es gilt, eine Lebensregel zu beachten
    • Die Lehrerin muss eine besondere Technik anwenden, um das Kind auf einen solchen  Weg der Disziplin zu führen, den es dann sein ganzes Leben lang weitergehen soll, unaufhörlich der Vollkommenheit entgegen schreitend
    • Disziplin des Menschen ist nicht nur auf die Schule begrenzt, sonder gilt auch in der Gesellschaft
    • Dem Kind muss verboten werden, was andere Kinder kränkt, ihnen schaden kann oder was als unschicklich oder unfreundliche Handlung gilt
    • Doch alles andere, jede Äußerung, die einen nützlichen Zweck, ganz gleich in welcher Art und Form verfolgt, soll ihm nicht nur erlaubt, sondern soll auch vom Lehrer beobachtet werden
    • Lehrer muss viel Geduld als Aktivität mitbringen
    • Lehrer muss seine Stellung als Beobachter verstehen und empfinden
    • Eine erzieherische Maßnahme ist nur dann wirksam, wenn sie der vollen Entfaltung des Lebens Hilfe leistet
    • Verhinderungen von spontanen Bewegungen und das Aufzwingen von Handlungen sind zu vermeiden, es sei denn es handle sich um unnütze oder schädliche Handlungen, die unterdrückt und ausgerottet werden müssen
    • Kind ist im Zeichen der Ohnmacht, in der es geboren wird, als soziales Individuum von Bindungen umgeben, die seine Aktivität einschränken
    • Eine auf Freiheit gegründete Erziehungsmethode muss darauf abgestellt sein, dem Kind zu helfen, eben diese Freiheit zu erobern, und muss die Loslösung des Kindes von den Bindungen bezwecken, die seine spontanen Äußerungen einschränken
    • Die erste Form des erzieherischen Eingreifens sollte darauf gerichtet sein, das Kind auf dem Weg zur Unabhängigkeit zu führen
    • Man kann nicht frei sein, wenn man nicht unabhängig ist
    • Wer bedient wird, statt dass man ihm hilft, nimmt im gewissen Sinne an seiner Unabhängigkeit Schaden
  • Im Sinne Montessoris ist die Notwendigkeit einer gewissen Disziplin somit die Chance, Freiheit zu erreichen und zu leben
  • Es ist nicht von grenzenloser Freiheit die Rede, die Grenze ist bei der Gefährdung des Gemeinwohls
  • Was wäre Freiheit ohne Grenzen?
    • Um Freiheit wirklich ausleben zu können, müssen Kinder wissen, wie weit sie gehen können, was sie sich zumuten können
    • Freiheit bezieht sich auf das Denken und Handeln des Kindes
    • Durch das Aktivsein kann es Freiheit ausleben und irgendwann auch an seine Grenzen kommen
    • Ohne Grenzen wäre Freiheit langweilig, würde zerfließen, wäre nicht fassbar
  • Kind kann durch diese freie Aktivität einen Menschen aufbauen
  • Die Folge seiner freien Aktivität ist das rechte Wachstum, besonders in psychischer Hinsicht
  • Speziellen Aktivitäten (die Aktivzyklen genannt werden) werden großer Bedeutung zugemessen
  • Psychische Phänomene (Repressionen), rühren von Mangel an diesen Aktivitäten
  • Repressionen nicht so sehr dadurch, dass eine Strenge Person ein Kind veranlasst, still zu sein, nicht zu sehr durch direkte Handlung eines Erwachsenen, sonder weil ein Mangel an Aktivität die Entwicklung angehalten hat
  • Das Schreckliche ist, dass diese Kinder nicht entwickelt sind
    • Es ist ihnen nicht möglich gewesen, den natürlichen Grenzen entsprechend aufzuwachsen
    • Wenn einem Kind psychische Nahrung fehlt, wenn es in seiner Umgebung an psychischen Anreizen mangelt, wird sein normales Wachstum beschränkt und angehalten werden
    • Der Mensch der werden soll, wird nicht nur weniger gut entwickelt sein, er wird deformiert sein, er wird einen deutlichen Defekt haben
  • Es ist Menschrecht, dass das Kind in der rechten Weise aufwächst, denn der Mensch muss in wenigen Jahren aus dem Kind hervorgehen
  • Dieser Mensch muss die Rechte jeden Bürgers haben, das Recht, seine Kräfte regulär zu entwickeln, ein starker und normaler Mensch zu werden
  • Die Erwachsenen müssen die Kinder verteidigen
  • Die Erwachsenen müssen die wahre Menschheit in diesen Kindern sehen
  • Die nächste Generation muss stärker sein als wir es sind
  • Die Kinder von heute werden die Entdeckungen von morgen machen
  • Alle Errungenschaften der Menschheit werden ihnen bekannt sein, sie werden das Erreichte verbessern und neue Entdeckungen machen
  • Die Pflicht der Eltern ist es, die Kinder zu verteidigen und für sie zu sorgen, die schwach scheinen, obwohl sie in Wirklichkeit stark sind, die sich nicht selbst schützen können
  • Das Alter von zwei bis drei Jahren ist das wichtigste Lebensalter
    • Alle psychischen Organe der Persönlichkeit werden während dieser Zeit gebildet, der ganze Mensch, der die Möglichkeit hat zu sein (Periode der Schöpfung)
  • Wenn die Kinder etwas freiwillig tun, also in Freiheit aktiv werden und handeln, dann sind sie ausgeglichen und zufrieden
  • Sie öffnen sich für neue Lernerfahrungen und wollen immer weiter vorankommen
  • Das Kind muss ein Umfeld haben, in dem es Eindrücke sammeln kann, denn über diese baut es seine Intelligenz auf und wird dabei durch die sensitiven Kräfte gestützt
    • Erwachsener wartet, dass sich die Vernunft des Kindes mit der Zeit entwickle
    • Der von der Seele beherrschte Bewegungsapparat stellt das Werkzeug dar, mit dessen Hilfe der Mensch auf eine äußere Umwelt einzuwirken, seine Persönlichkeit auszudrücken und seine Mission zu erfüllen vermag
    • Bewegung ist nicht nur Ausdruck des Ichs, sondern ein unerlässlicher Faktor für den Aufbau des Bewusstseins
    • Bewegung bildet das einzige greifbare Mittel zur Herstellung klar bestimmter Beziehungen zwischen Ich und äußerer Realität
    • Bewegung ist wesentlicher Faktor zum Aufbau der Intelligenz
    • Die Wirklichkeit kann nur durch Bewegung aufgenommen werden
    • Direkte Verbindung zwischen den Bewegungsfunktionen und dem Willen
  • Bei dem Kinde, dass ein freies Leben führen darf, beobachten wir Handlungen, aus denen nicht nur das Bestreben spricht, Außeneindrücke in sich aufzunehmen, sondern auch die Liebe zur Genauigkeit in der Auffassung seiner Handlungen
  • Kinder können sich viel besser entwickeln und entfalten, wenn dies in Freiheit möglich ist
  • Freiheit fordert von den Erwachsenen Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis
  • In Freiheit können Kinder auch selbst entdecken
  • Sie können ihren Forscherdrang ausleben und können Erkenntnisse gewinnen, die ihrem Entwicklungsgrad und ihrer Intelligenz entsprechen
  • Nicht der Erwachsene lehrt sie etwas, sondern sie lehren sich selbst etwas, und nicht selten können wir Erwachsenen sehr viel von den Beobachtungen der Kinder profitieren
  • Einschränkungen, die Erwachsene aussprechen, dienen nicht der Entwicklung der Kinder
  • Kinder wollen Materialien oder Aufgaben nicht vorgegeben bekommen, sondern sie möchten selbst entscheiden
  • In der Familie, im Kindergarten und auch in der Schule bestimmen nicht die Kinder über die Benutzung eines Materials, sonder häufig die Erwachsenen
  • Dadurch werden die Kinder eingeschränkt und reagieren mit Unkonzentriertheit oder Lustlosigkeit
  • Kinder möchte frei wählen können
  • Das Kind möchte seine Lernschritte selbstbestimmt gehen und frei entscheiden
  • Nur in Freiheit kann das Kind sich entwickeln und seine Fähigkeiten offenbaren
  • Wahre Freiheit hat aber auch Grenzen und somit bewegt sich das Kind in seiner Entwicklung in einem Raum, der es schützt, aber auch Freiheit lässt

2. Die vorbereitete Umgebung

  • Große Bedeutung der Umgebung für die Lebewesen ist von der Biologie mehr und mehr erkannt worden
  • Ein Lebewesen kann nur dann gut erkannt werden, wenn es in seiner natürlichen Umgebung beobachtet wird
  • Wenn wir den Menschen beobachten, so sehen wir, dass er eher versucht, sich die ihm gemäßeste Umgebung zu schaffen, als sich seiner Umwelt anzupassen. Der Mensch lebt in einer sozialen Umgebung, in welcher bestimmte geistige Kräfte tätig sind: Die Beziehungen des Menschen zu seinesgleichen. Sie bilden das soziale Leben. Wenn ein Mensch nicht in einer geeigneten Umgebung lebt, dann kann er nicht alle seine Fähigkeiten normal entwickeln, und er kann nicht auf dem Grund seiner eigenen Seele forschen und lernen, sich selbst zu erkennen.
  • Kind hat keine ihm angemessene Umgebung- es lebt ja in der Welt des Erwachsenen
    • Kind braucht Umgebung, die der Größe, den Kräften und den psychischen Fähigkeiten der Kinder entspräche und wenn wir das Kind dort frei leben ließen, dann hätten wir bereits einen großen Schritt hin zur Lösung des Erziehungsproblems ganz allgemein getan; denn dadurch gäben wir dem Kind seine Umgebung.
  • Laut Montessori - wie Möbel für Kinder sein sollten, wie Räume ausgestattet werden müssten:
    • Möbel müssen leicht sein und so aufgestellt, dass das Kind sie bequem umhertragen kann, die Bilder müssen so niedrig hängen, dass das Kind sie mühelos betrachten kann; das Kind muss im Stande sein, alles zu benützen, dessen es für die Ordnung des Hauses bedarf, und es muss alle Arbeiten des täglichen Lebens ausführen können; es muss fegen, die Teppiche kehren, sich waschen, sich anziehen usw.
    • Außerdem sollen die Gegenstände gediegen (gehaltvoll, rein und gut) und anziehend sein.
    • Kinderhaus soll in den kleinsten Einzelheiten schön und gefällig sein, denn Schönheit ermuntert zur Tätigkeit, zur Arbeit (Kind wird viel lieber mit einem schönen Besen kehren, als mit einem hässlichen.)
    • Möbel im Kinderhaus sollen abwaschbar sein
      • Hygienische Gründe und sie geben Kindern Gelegenheit zu einer willkommenen Arbeit. Dabei lernen sie Acht geben, sehen die Flecken und gewöhnen sich mit der Zeit daran, für die Sauberkeit alles dessen, was sie umgibt, verantwortlich zu sein.
    • Kind verfügt noch nicht über geordnete Bewegungen und hat sich noch nicht in der Gewalt
      • Die kindlichen Muskeln vollführen viele ungeschickte Bewegungen, eben weil das Kind noch nicht die richtige Ökonomie und Geordnetheit gelernt hat.
      • Im Kinderhaus wird jeder Fehler, jede falsche Bewegung offenbar. Bei Bewegung macht der Stuhl brr... und das Kind wird sich sagen: "So geht's nicht gut."
    • Es sollen auch einige zerbrechliche Gegenstände vorhanden sein wie Gläser oder Vasen (für Bewegungserziehung des Kindes)
    • Ziel des Dreijährigen: Er strebt danach, Mensch zu werden, sich zu vervollkommnen und alles zu tun, was ihm bei dieser Vervollkommnung hilft; mit anderen Worten: Kind sucht sich zu üben, denn Übung bedeutet Entwicklung
    • Kind hat Freude an der Arbeit, an der Tätigkeit, denn Tätigkeit ist es, die ihm zum Leben verhilft- und dies ist die Quelle, aus der alle seine Anstrengungen entspringen
  • Oft wird die Erreichung dieses Zieles mit allen Kräften verhindert.
    • In den Schulen zum Beispiel befestigt man Tische und Bänke am Boden; die Kinder sind lebhaft, bewegen sich oft ungeschickt und merken nicht, dass sie eigentlich Tische und Bänke umwerfen würden, wenn sie nicht festgemacht wären.
      • So wird Ordnung in der Schule erhalten, aber die Kinder erwerben niemals geordnete Bewegungen.
  • Betrachten wir ein Kind in seiner Umgebung, die ihm entspricht und von seiner Natur verlangt wird- wir sehen wie es selbst an seiner Vervollkommnung arbeitet. Der richtige Weg dazu wird ihm nicht nur durch die Gegenstände gewiesen, die es gebraucht, sondern auch durch die Möglichkeit, selbst mittels dieser Gegenstände seine Irrtümer zu erkennen.
  • Eine schöne Umgebung, die das Kind leitet und die ihm Mittel bietet, seine Kräfte zu üben, erlaubt der Lehrerin, zeitweilig abwesend zu sein. (Müssen uns überwinden uns zurückzuziehen und das Kind zu beobachten, ihm gleichsam in einem gewissen Abstand folgen, ohne es mit unserem Dazwischentreten zu belästigen, doch auch ohne es jemals zu verlassen.)
  • In Hinblick auf das Kinderzimmer: Montessori vertritt die Auffassung, dass Kinder ihre Umgebung auch pflegen können und dass sie dafür attraktive Gerätschaften brauchen.
    • Besen und Schaufel in Kindergröße anschaffen
    • Auch sollen Kinder lernen, dass eine Porzellantasse zerspringt, wenn man sie fallen lässt. Bekommt ein Kind nur Plastikgeschirr, so lernt es nur schwer den Umgang mit Porzellan oder Glas.
      • In seiner Umgebung lernt das Kind achtsam zu werden, aber man muss es lassen!
  • Umwelt liefert nur die erforderlichen Mittel, vergleichbar den lebenswichtigen Stoffen, die der Körper durch Verdauung und Atmung von außen her aufnimmt. Die innere Empfänglichkeit bestimmt, was aus der Vielfalt der Umwelt jeweils aufgenommen werden soll und welche Situationen für das augenblickliche Entwicklungsstadium die vorteilhaftesten sind. Sie ist es, die bewirkt, dass das Kind auf gewisse Dinge achtet und auf andere nicht. Bestimmte Dinge werden dann betrachtet, andere nicht. Kind empfindet lebhaftes Bedürfnis, sich in bestimmte Situationen zu versetzen und bestimmte Dinge um sich zu haben; es entwickelt auch eine besondere Fähigkeit, diese Elemente seinem seelischen Wachstum dienstbar zu machen.
    • Während solcher Empfängnisperioden lernt das Kind, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden oder sein motorisches Muskelsystem bis in die feinsten Einzelheiten zu beherrschen.
    • "Wir können uns diese großartige Schöpfertätigkeit als eine Aufeinanderfolge von aus dem unbewussten auftauchenden, starken Emotionen vorstellen, die bei ihrer Berührung mit der Umwelt zur Bildung des menschlichen Bewusstseins führen. Ihr Weg führt von der Unbestimmbarkeit über die Bestimmtheit zur Tätigkeit, wie wir dies am Beispiel der Erwerbung des Sprechvermögens gut beobachten können."
  • Kinder sollen sich frei ausdrücken können und Bedürfnisse, Neigungen enthüllen, die verborgen bleiben oder unterdrückt werden, wenn keine geeignete Umgebung für spontane Aktivitäten vorhanden ist.
  • Eine den Proportionen des Kindes entsprechende Schuleinrichtung! S.60 f Bedingungen, die eine Äußerung des natürlichen Charakters bei den Kindern ermöglichen
  • Bei Gestaltung der Umgebung muss das Kind in den Mittelpunkt gestellt werden
    • Kind will, dass wir ihm helfen, alleine zurechtzukommen - "Hilf mir, es selbst zu tun!" Diese Forderung müssen wir in die Tat umsetzen!

3. Der absorbierende Geist und die sensiblen Perioden

  • Absorbieren bedeutet: aufsaugen, hinunterschlürfen
  • Begriff "absorbierende Geist": beschreibt eine Verhaltensweise des Kindes bzw. das Kind als ganzheitliches Wesen. Das Kind saugt auf, was es in seiner Umgebung sieht, erfährt, erlebt
  • Der Holländische Gelehrte De Vries entdeckte die Empfänglichkeitsperioden bei den Tieren
  • Dieselben "sensiblen Perioden" sind auch in der Entwicklung des Kindes festzustellen
    • Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die im Kindesalter auftreten
    • Sind von vorübergehender Dauer und dienen dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen
    • Sobald dies geschehen ist, so klingt die betreffenden Empfänglichkeit wieder ab
    •  So entwickelt sich jeder Charakterzug aufgrund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne
  • Das Wachstum ist ein Ergebnis einer inneren Arbeit, die von periodisch auftretenden Instinkten sorgfältig geleitet wird
  • Diese Instinkte nötigen das Lebewesen im gewissen Stadium seiner Entwicklung zu einem Energieaufwand
  • Hat das Kind nicht die Möglichkeit gehabt, gemäß den innerlichen Direktiven seiner Empfänglichkeitsperioden zu handeln, so hat es die Gelegenheit versäumt, sich auf natürliche Weise eine bestimmte Fähigkeit anzueignen, und diese Gelegenheit ist für immer vorbei
  • Kind nimmt die Sprache durch eine andere Geistesform auf: Ein Form von Intelligenz, die sich von den Erwachsenen unterscheidet
  • Erwachsene nehmen Wissen mit Hilfe der Intelligenz auf, während es das Kind mit seinem psychischen Leben absorbiert
  • In dem es lebt, erlernt das Kind die Sprache seiner Rasse
  • Die Eindrücke dringen in seinen Geist ein und formen ihn
  • Unbewusst nimmt es alles in sich auf und wechselt allmählich vom Unbewussten zum Bewussten über auf einen Weg, der voller Freude und Liebe ist
  • Das menschliche Bewusstsein erscheint uns als eine große Errungenschaft
  • Sie muss bewusst werden und einen menschlichen Geist erlangen
  • Diese Errungenschaften müssen wir teuer bezahlen, denn sobald wir das Bewusstsein erlangen, kostet uns jedes neue Wissen harte Arbeit und Mühe
  • Die Sprache in ihrer ganzen Komplexität tritt in seinem Geist auf und auch die Fähigkeit, seine Bewegungen je nach den Erfordernissen seines Leben zu steuern
  • Viele andere Dinge erlernt das Kind mit erstaunlicher Schnelligkeit
  • Es macht sich alles aus seiner Umgebung zu Eigen: Gewohnheiten, Sitten, Religion prägen sich fest in seinen Verstand ein
  • Die Bewegungen, die das Kind erlernt, werden der jeweiligen besonderen Entwicklungsperiode bestimmt
  • Durch Erfahrungen in der Umgebung überprüft es in der Form des Spiels die Dinge und Eindrücke, die sein unbewusster Geist empfangen hat
  • Durch die Arbeit wird es bewusst und baut den Menschen auf
  • Das Kind wird durch das Werk seiner Hände und seiner Erfahrung zum Menschen: erst durch das Spiel, dann durch die Arbeit
  • Die Hände sind Werkzeug der menschlichen Intelligenz
  • Das Kind tritt ins Leben ein und beginnt seine geheimnisvolle Arbeit, nach und nach prägt es seine Persönlichkeit, die sowohl seiner Zeit auch seiner Umwelt entspricht
  • Es baut seinen Geist auf, bis sich das Gedächtnis bildet, die Fähigkeit zu verstehen und zu denken
  • Somit erreicht es schließlich sein sechstes Lebensjahr
  • Erwachsene müssen den kindlichen Geist bei der Arbeit seiner Entwicklung unterstützen
  • Erste Periode der menschlichen Entwicklung ist die wichtigste, weil sich der Charakter bildet
  • Jedes Hindernis, das sich dem Kind in dieser Zeit in den Weg stellt, vermindert die Möglichkeit, sein schöpferisches Werk zu vervollkommnen
  • Die Erziehung wird zur Hilfe für das Leben des Kindes, für die psychische Entwicklung des Menschen werden und nicht mehr ein Aufdrängen unserer Ideen, Taten und Worte
  • Die Energien gehören einem unbewussten Geist an, der durch Arbeit und Erfahrungen in seiner Umwelt bewusst werden muss
  • Erwachsenen können nicht direkt in den Prozess des Übergangs vom Unbewussten zum Bewusstsein und in den Aufbau der menschlichen Fähigkeiten eingreifen
  • Neuer Weg der Erziehung: den Geist in seinen verschiedenen Entwicklungsvorgängen zu helfen und die verschiedenen Energien und Fähigkeiten zu unterstützen und zu verstärken
  • Eltern sind gefordert, das Kinder in ihren sensiblen Perioden nicht unter Einschränkungen oder Störungen leiden, die die Tätigkeit des absorbierenden Geistes einschränken könnten
  • Kinder müssen von den Erwachsenen beobachtet werden, um wahrzunehmen, wie ihre Entwicklung abläuft, manchmal scheinbar stagniert und dann wiederum in Riesenschritten vorangeht
  • Wachsamkeit im Blick auf das Kind muss deshalb ein wichtiges Prinzip für den Erziehungsalltag sein und werden
  • Der absorbierende Geist des Kindes ist eine privilegierte Form der Aufnahme
  • Das Kind wird in seinem späteren Leben nie mehr so viel und so unterschiedliche Dinge lernen, sich so differenziertes Wissen aneignen, scheinbar spielend im Vorbeigehen eine Sprache erwerben wie in den ersten sechs Lebensjahren
  • Eltern müssen kindlichen Geist bei seiner Entwicklungsarbeit unterstützen

4. Das Kind als Baumeister des Menschen

  • Das Individuum, dem mehr Pflege und Sorge zuteil wurde, wächst stärker, geistig ausgeglichener und mit energischerem Charakter heran.
    • Kind bedarf also außer einer physischen auch einer geistigen Hygiene.
  • Kind ist der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde.
  • Mutter trägt das Neugeborene aus, aber das Neugeborene bringt den Menschen hervor
  • Stirbt die Mutter, so wächst das Kind dennoch heran und vollbringt den Aufbau des Menschen
    • Kenntnis der Sprache stammt nicht von der Mutter, sondern das Kind eignet sich die Sprache so wie die Angewohnheiten und Gebräuche der Menschen an, unter denen es lebt.
      • Kind, das nach Amerika kommt und dort von Amerikanern aufgezogen wird, erlernt die englische Sprache und nicht die indische.
        • Kind formt von sich aus den zukünftigen Menschen, in dem es seine Umwelt absorbiert.
  • Anerkennung, was das Kind vollbringt, bedeutet aber keine Herabsetzung der elterlichen Autorität; im Gegenteil, sind diese einmal davon überzeugt, nicht Baumeister, sondern Helfer des Aufbaues zu sein, werden sie umso besser ihre Pflicht erfüllen und das Kind mit größerem Weitblick unterstützen.
  • Kind ist ein Arbeiter, dessen Aufgabe es ist, den Menschen hervorzubringen
    • Eltern stellen zwar diesem Arbeiter die wesentlichen Mittel zum Leben und für seine aufbauende Arbeit zur Verfügung aber dem sozialen Problem der Kindheit muss eine viel größere Bedeutung beigemessen werden, denn das Kind stellt keinen materiellen Gegenstand her, sondern schafft die Menschheit selbst- die gesamte Menschheit
    • Kind - zartes Bauwerk, das unter Leitung eines inneren Lehrmeisters unter psychisch geheimnisvollen Bedingungen errichtet wurde.
  • Wer für menschliche Gesellschaft einen Vorteil will, der muss beim Kinde ansetzen, nicht nur, um es vor Abwegen zu bewahren, sondern auch, um das wirkliche Geheimnis unseres Lebens kennen zu lernen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, stellt sich die Gestalt des Kindes machtvoll und geheimnisreich dar, und wir müssen über sie nachsinnen, auf dass das Kind, welches das Geheimnis unserer Natur in sich birgt, unser Lehrmeister werde.
  • Ein Grundsatz Montessoris, der aus dem Verständnis "Kind als Baumeister des Menschen" abzuleiten wäre: "Sie müssen als Erwachsener dem Kind ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Entwicklungen optimal vollziehen können."
    • Man soll gut beobachten und Vorurteile überwinden.
      • Mit jedem Vorurteil, das überwunden wird, wird quasi ein "Baustein" für den Aufbau des Menschen gewonnen.
  • Nach Auffassung Montessoris kümmern sich die Erwachsenen (sie spricht von den Lehrerinnen) um viel zu viel
  • Erwachsener erklärt sich als unentbehrlich für die Entwicklung des Kindes, ist nicht so
    • Erwachsener muss seine Rolle neu definieren- er ist Wegbegleiter oder im Wortlaut Montessoris- Fremdenführer für den Reisenden (Kind)
      • Kinder haben dann die Möglichkeit, selbst Entdeckungen zu machen
  • Erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben. (S.77: Beispiel des roten Stammes (vom Baum))

5. Die Polarisation der Aufmerksamkeit

  • Kein Erwachsener kann sich so in eine Sache vertiefen wie es Kinder tun
  • Sie konzentrieren sich, versinken in eine Betrachtung, in tiefe Aufmerksamkeit
  • Eltern und Erzieher nehmen diese Aufmerksamkeit kaum wahr
  • Aufmerksamkeit, wie es die Kinder zeigen, ist ein Phänomen
    • Sie scheinen ihre Umgebung zu verlassen, schalten ab und reagieren nicht, es sei denn die Mutter, der Vater oder die Erzieherin stören sie
    • Diese Störung wirkt wie ein Zerbrechen der Aufmerksamkeit und es dauert oft lange, bis das Kind wieder in eine Aktivität bzw. Beschäftigung zurückfindet
  • Die Organisation des psychischen Lebens beginnt mit dem Phänomen der Aufmerksamkeit
  • Wenn eine Polarisation der Aufmerksamkeit stattfand, begann sich das Kind vollständig zu verändern
    • Es wurde ruhiger, fast intelligenter und mitteilsamer
    • Es offenbarte außergewöhnliche innere Qualitäten
  • Nachdem das Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit stattgefunden hatte, schien sich in ähnlicher Weise alles Unorganisierte und Unbeständige im Bewusstsein des Kindes zu einer inneren Schöpfung zu organisieren
  • Das ließ an das Leben eines Menschen denken, das sich zwischen den Dingen in einem niederen chaotischen Zustand verlieren kann, bis eine besondere Sache es intensiv ansieht und fixiert, dann erlebt der Mensch die Offenbarung seiner selbst und er fühlt, dass er zu leben beginnt
  • Dieses geistige Phänomen ist einer der konstanten Aspekte des Vorgangs der inneren Bildung
  • Es zeigt sich als normaler Anfang des inneren Lebens der Kinder und begleitet ihre Entwicklung
  • Auf diese Weise offenbart sich die Seele des Kindes
  • Würden wir Kinder mit großer Zurückhaltung beobachten, so könnten wir diesem Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit häufig begegnen
  • Damit dies möglich wird, fordert Montessori die "neue Lehrerin"
  • Nicht nur "neue" Erwachsene sind nötig, sonder auch eine "neue" Pädagogik
  • Die immer noch vorherrschende Angebots- und Aufforderungspädagogik muss abgelöst werden von einer Entwicklungspädagogik
  • Entwicklungspädagogik möglich durch
    • Die Vorbereitende Umgebung durch den Erwachsenen, Raum für eine gesunde Entwicklung
    • Sensible Perioden der Entwicklung des Kindes
    • Kind ist Baumeister seines Selbst
    • Keine Unterdrückung des Kindes
  • Kind hat eine Tendenz zur Vollkommenheit und das zeigt sich darin, dass es seine Tätigkeiten fortsetzt, wiederholt, bis es selbst mit dem Erreichten zufrieden ist
  • Das Kind bestätigt sich damit selbst, erfährt Selbstsicherheit und ist stolz auf seine Leistung
  • Der Erwachsene muss Respekt vor der "Lern- und Arbeitsleistung" des Kindes haben

6. Lernen mit der Drei-Stufen-Lektion

  • Umgebung des Erwachsenen erachtet sie als "keine lebensbringende Umwelt für das Kind, sondern eher als Anhäufung von Hindernissen, zwischen denen das Kind Abwehrkräfte entwickelt, zur verbildenden Anpassung genötigt wird und allerlei Subventionseinflüssen unterliegt"
  • Montessori hat frühzeitig entdeckt, dass Kinder mit ihren Sinnen sehr differenziert wahrnehmen. Die Verknüpfung zwischen Wahrnehmung und Sprache bedarf jedoch noch stärkerer Aufmerksamkeit.
  • Es ist zwar wünschenswert, die Erziehung der Sinne als Grundlage für geistige Vorstellungen zu betreiben, aber es ist zu gleicher Zeit auch sehr ratsam, die Sprache an diese Sinneswahrnehmungen zu knüpfen.
    • Zu diesem Zweck hat Montessori die Drei-Stufen, aus denen nach Séguin der Unterricht besteht, zur Anwendung bei den Kleinen vortrefflich gefunden.
      • 1. Stufe: Die Assoziation der Sinneswahrnehmung mit den Namen. Sie geben dem Kind zum Beispiel zwei Farben, rot und blau. Indem wir rot vorzeigen, sagen wir einfach: Dies ist rot - entsprechend bei blau. Dann legen wir die Spulen vor den Augen des Kindes auf den Tisch.
      • 2. Stufe: Erkennen des dem Namen entsprechenden Gegenstandes. Wir sagen zum Kind: "Gib mir rot- blau."
      • 3. Stufe: Erinnerung an den den Gegenstand bezeichnenden Namen. Man zeigt dem Kind den Gegenstand und fragt: "Was ist diese?" Und es soll antworten: "rot."
    • Séguin besteht fest auf diesen Drei-Stufen und verlangt, dass man die Farben einige Zeit vor den Augen der Kinder liegen lasse.
    • Er rät, Farben nie einzeln, sondern immer zwei zugleich zu zeigen, da der Gegensatz das Farbengedächtnis unterstützt.
  • Bei dieser Methode lernen die Schwachsinnigen die Farben gründlicher kennen, als die normalen Kinder in den gewöhnlichen Schulen, wo die Erziehung der Sinne dem Zufall überlassen bleibt.
  • Bei normalen Kindern geht jedoch den Drei-Stufen Séguins noch eine voraus, welche die eigentliche Erziehung der Sinne enthält! Es handelt sich dabei um die Erwerbung eines feinen Unterscheidungsvermögens, das nur auf dem Weg der Selbsterziehung zu erlernen ist.
    • Beispiel: Montessori sitzt mit kleinem (noch nicht drei Jahre altes) Mädchen am Tisch
    • Auf dem Tisch lagen zwei Farbspulen in Paaren. Das heißt zwei rot, zwei blau, zwei gelb.
    • Auf der 1. Stufe legte ich eine der Spulen vor das Kind und forderte es auf, dazu die gleiche zu finden. Dies wiederholte Montessori für alle drei Farben und zeigte, wie sie sorgfältig paarweise anzuordnen seien.
    • Hierauf ging Montessori zu den Drei-Stufen Séguin über
    • Das Mädchen lernte die drei Farben kennen und den Namen einer jeden angeben
  • Was sich hier klar und einleuchtend darstellt, ist in der Praxis der Umsetzung für uns oft schwierig. Geduld gegenüber dem Kind ist gefordert.
  • Montessori beauftragt Erwachsenen alle Materialien im Sinne der Drei-Stufen-Lektion einzuführen.
    • Es gilt, das Kind zu beobachten, wann die 2. und 3. Stufe folgen können
      • Manchmal sind wir überrascht, wie schnell dies geschieht, wir müssen aber auch Geduld haben, wenn das Kind mehr Zeit braucht
    • Drei-Stufen-Lektion und Material sind quasi untrennbar voneinander, dazu gehört außerdem noch die Sinneswahrnehmung.
    • In dieser Dreiheit lernt das Kind an konkreten Dingen, die ihm den Weg zur Abstraktion von Zeichen oder Sprache erleichtern. So könnte die Drei-Stufen-Lektion auch Einzug halten in unsere Kinderzimmer als Methode kindergemäßer Entwicklungspädagogik.

7. Die Lektion der Stille

  • Nach Montessoris Ansicht fehlt die Stille im menschlichen Leben
  • "Lektion der Stille" oder "Lektion des Schweigens"
  • Wenn wir das Schweigen wollen, dann müssen wir es lehren
  • Man muss das Schweigen demonstrieren, um es kennenzulernen
  • Weil man die Stille nicht kennt, verwechselt man sie mit einer gewissen Verminderung von Geräuschen, die auch eine Verminderung von Unruhe bringt
  • Stille hat einen hohen inneren Wert und das die Menschen, die sich zu vervollkommnen suchen oder die mit Intelligenz auf ein sehr hohes Niveau gelangen wollen, diese Stille haben müssen
  • Die Stille ist eine Notwendigkeit
  • Kinder von zwei bis vier Jahren lieben auf außerordentlicher Weise das Schweigen
  • Man muss ruhig sein, um Stille zu bekommen
  • Indem man still ist, kann man die Ruhe erlangen
  • Die Stille ist eine Offenbarung
  • Stille ist etwas Feierliches, aber auch etwas Geheimnisvolles
  • In vielen Ritualen spielt Ruhe, Stille, Schweigen eine Rolle
  • In der Meditation lassen wir uns ein auf das Schweigen
  • Wenn wir in unseren Körper hineinhören, dann nehmen wir die Geräusche des Atems wahr, des Schluckens, den Wind in den Haaren, das Herzklopfen, die Luft im Magen oder Darm
  • Wenn wir so in uns hineinhören, dann werden wir still und entspannen uns
  • Wir werden motiviert, noch mehr zu hören
  • Je stiller wir sind, desto intensiver nehmen wir auf, desto besser können wir zuhören
  • Durch die Isolierung des Gehörsinns, die Sensibilisierung für akustische Wahrnehmung, erfahren wir ein Erlebnis der Stille, wird uns Stille bewusst
  • Montessori spricht vom Lehren der Stille, von der Lektion
    • Das Kind braucht Anreize, die es zur Stille hinführen und ihm zum Erlebnis des Schweigens verhelfen
    • Stille spannt an und entspannt
    • Kinder können auch ganz bewusst die Stille halten, aushalten und sind stolz darauf
    • Sie tun dies mit Willen, was zu "künstlicher" Stille führt
    • Stille muss aber zur Normalität werden
      • Das ist das Ziel, dass Montessori erreichen will
      • Der Weg oder ihr Weg dorthin ist ihre "Lektion der Stille"
  • Stille ist die Einstellung jeder Bewegung und nicht die Einstellung von Geräuschen, die über das normale, im Raum geduldete Geräusch hinausgehen
  • Stille lässt sich positiv verstehen
  • Ein Befehl würde nicht zur Stille führen
  • Es ist erfolgreich, die Kinder Stille zu lehren
  • Dazu lässt man verschiedene Übungen der Stille von den Kindern durchführen, die zur Disziplin beitragen
  • Es gibt mehrere Grade der Stille
  • Wo sich nichts, aber auch gar nichts bewegt, herrscht absolute Stille
  • In den Willen, die Unbeweglichkeit zu erreichen, lenken die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf alle Teile des Körpers
  • Während sie sich in diesem Bemühen versuchen, entsteht wirklich eine Stille, die anders ist als das, was man gewöhnlich darunter versteht
    • Es scheint, dass das Leben allmählich entschwindet, dass sich der Saal nach und nach leert, als befände sich keiner mehr darin
    • Die Kleinen sind von dieser Stille fasziniert, als hätten sie einen wirklichen Sieg errungen

8. Isolierung einer Eigenschaft im Material - Begrenzung des Materials

  • Nehmen wir wirklich stets mit allen Sinnen wahr? Oder leben wir nicht mit der Dominanz der visuellen und der akustischen Wahrnehmung- nicht zuletzt bedingt durch die Medien?
  • Jedes Material hat ganz verschiedene Eigenschaften: Gewicht, Rauheit, Farbe, Form, Maß, Klang usw.
    • Montessoris Prinzip ist, jeweils nur eine Eigenschaft herauszuheben, zu isolieren und so zu einer vertieften Wahrnehmung zu gelangen
  • Unter den vielen Eigenschaften des Gegenstandes ist eine einzige zu isolieren
    • Es müssen Gegenstände vorbereitet werden, die untereinander vollkommen gleich sind, mit Ausnahme der sich ändernden Eigenschaft.
      • Falls wir Gegenstände zurechtlegen wollen, die zum Beispiel zur Unterscheidung von Farben dienen, müssen sie gleich im Stoff, Form und Abmessungen sein und nur in der Farbe differieren.
      • Falls Gegenstände zum Zweck vorbereitet werden sollen, die verschiedenen Töne der Tonleiter hervorzuheben, müssen sie vollkommen gleich aussehen wie zum Beispiel die bei unserem System gebräuchlichen Glocken, die alle die gleiche Form und Größe haben und auf gleichen Ständern stehen; doch werden sie mit einem kleinen Hammer angeschlagen, erklingen verschiedene Töne, und diese sind der einzige, für die Sinne wahrnehmbare Unterschied.
        • Beim Hören soll nur das Ohr aufnehmen und urteilen.
    • Bei diesem Verfahren lässt sich eine große Klarheit bei der Differenzierung der Dinge erreichen, und es wird offenkundig, dass gerade Klarheit die Grundlage für das Interesse am „Unterscheiden“ bildet.
    • Von der psychologischen Seite her ist bekannt, dass die Sinne soweit wie möglich isoliert werden müssen, will man einzelne Eigenschaften besser hervorheben.
    • Isolierungsprozess kann zweifacher Natur sein: Er kann sich auf den von jedem Umwelteinfluss isolierten Menschen beziehen (Mensch soll nichts sehen- so ist er im Dunkeln usw. S.107) und auf das Material, das eine einzige, graduell abgestufte Eigenschaft aufweist.
      • Diese als äußerste Vollkommenheit anzustrebende Präzision ermöglicht die Durchführung einer inneren und äußeren Analyse, die geeignet ist, dem kindlichen Geist Ordnung zu geben.
  • Führt man die Wahrnehmung der einzelnen Sinnesbereiche zusammen, so gelangt man zu einem ganzheitlichen Bild, zu ganzheitlicher Wahrnehmung, man lernt die Dinge als Ganzes kennen.
    • So hat eine Textilie eine bestimmte Form, eine bestimmte Farbe, eine bestimmte Struktur, einen besonderen Grad an Rauheit oder Glätte, ist grob- oder feingewebt usw.
    • Je mehr Sinneswahrnehmungen wir machen, desto konkreter und vollständiger wird demnach das Bild eines Materials in uns.
  • Genauso wichtig wie die Isolierung einer Eigenschaft eines Materials ist Montessori aber auch die Begrenzung des Materials in der Menge.
    • Material muss "mengenmäßig begrenzt" sein!
      • Ein normales Kind benötigt keine "Reizmittel, die es aufwecken", die "es mit der wirklichen Umgebung in Verbindung bringen".
      • Es ist kein "Schlafender im Leben" wie das geistesschwache Kind, sondern ein "kühner Entdecker" in der für es neuen Welt und, was es als Entdecker braucht, ist ein Weg (also etwas begrenztes und direktes), der es zu einem Ziel hinführt und von den ermüdenden Umwegen befreit, die es am Vorwärts kommen hindern.
    • Wir glauben zu Unrecht, das "an Spielzeug reichste", das "an Hilfsmitteln reichste" Kind könne sich am besten entwickeln. Stattdessen beschwert die ungeordnete Vielzahl von Dingen die Seele mit neuem Chaos und bedrückt sie durch Entmutigung.
    • In der "Begrenzung" der Hilfsmittel, die das Kind dazu führen, Ordnung in seinen Geist zu bringen und ihm das Verständnis der unendlich vielen Dinge erleichtern, die es umgeben, liegt das höchste Erfordernis, das dem Kind ermöglicht, seine Kräfte zu schonen und das es sicher auf den schwierigen Pfaden seiner Entwicklung voranschreiten lässt.
  • Konzepte wie "Spielzeugfreier Kindergarten" versuchen der Übersättigung an Materialien entgegenzuwirken
  • Montessori meint, dass wir die "Neue Lehrerin" - den neuen Erwachsenen - brauchen, die davon überzeugt ist, dass im Wenigen mehr liegt, dass die Wahrnehmung geschult wird durch die Isolierung der Sinne. Wenn sie das Kind sich selbst überlässt, dann überlässt sie es seiner Intelligenz und nicht seinen Instinkten.
  • Frage: "Was ist Intelligenz?" - Gesamt der überlegenden, verbindenden oder wieder hervorbringenden Aktivitäten in Betracht ziehen, die es dem Geist erlauben, sich aufzubauen, in dem er sich in Beziehung mit der Umgebung setzt.
    • Nach Bain ist die Kenntnis des Unterschiedes der Anfang jeder intellektuellen Übung; der erste Schritt des Verstandes ist die "Unterscheidung". Die "Grundlagen" der erkennenden Funktionen der Außenwelt gegenüber sind die "Sinnesempfindungen". Die Tatsachen sammeln und sie voneinander zu unterscheiden, das ist der Beginn des geistigen Aufbaues.
    • Die Sinnesübungen erwecken in unseren Kindern deren zentrale Aktivitäten und intensivieren sie.
    • Und wenn sich die Vielzahl der Empfindungen dann im Reichtum der Umgebung summiert, werden die einen harmonisch von den anderen beeinflusst und intensivieren so die erweckten Aktivitäten.
      • So geschieht es zum Beispiel, dass ein in sein Malen vertieftes Kind beim Klang der Musik schönere Farben findet und dass ein Kind in reinem Tun ein Lied anstimmt, während es die fröhliche und anmutige Umgebung der Schule und die blühenden Blumen betrachtet.
  • Die erste Eigenschaft, die sich bei unseren Kindern offenbart, nachdem der Prozess der Selbsterziehung begonnen hat, ist, dass sie in ihren Reaktionen breiter und schneller werden
  • Mit der Sinnesgymnastik macht das Kind genau jene ursprüngliche und grundlegende Übung der Intelligenz, die die zentralen Nervenmechanismen weckt und in Bewegung setzt.
  • Kinder die noch klein sind, können die ganze Welt noch nicht erfassen- schlafen vor Müdigkeit ein, weil sie so viele Dinge gesehen haben
    • Spazierengehen bedeutet für das Kind arbeiten; es ist eine Anstrengung zu sehen und zu hören, wenn die Sinne noch nicht richtig eingestellt sind, sodass das Kind ständig die Fehler seiner Sinne verbessern und mit der Hand nachprüfen muss, was es noch nicht mit Sicherheit mit seinen Augen abwägen kann.
  • Mit "Sinnesübungen" können Kinder lernen, zu unterscheiden und zu klassifizieren
    • Denn Sinnesmaterial analysiert und stellt die Eigenschaften der Dinge dar: Dimensionen, Formen, Farben, Glätte oder Rauheit der Oberflächen, Gewicht, Temperatur, Geschmack, Töne ... Eigenschaften wie groß, lang, warm, schwer, rau, dick, wohlriechend…
    • Eigenschaften der Gegenstände unterscheiden sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Quantität - können mehr oder weniger, hoch oder niedrig ... sein
    • Sinnesmaterial eignet sich dazu, all diese Dinge zu unterscheiden
  • Unsere Selbsterziehung muss vor der Erziehung des Kindes stehen, damit wir das Kind in seinem Aufbau nicht behindern.
  • Kind wendet sich den Gegenständen zu, die seinen Bedürfnissen entsprechen
    • Wenn es sie findet, entfaltet es seine Kräfte, macht Muskel- oder Sinnesübungen und ist dann zufrieden.
    • Wenn es sie nicht findet, ist es unruhig wie über unbefriedigte Bedürfnisse.
  • Kind hat übermächtigen Drang zu "wachsen" und daher Fortschritte zu machen und sich zu vervollkommnen
  • "Versucht, das Kind allein handeln zu lassen: Es wird sich "verwandeln"!"

9. Die neue Lehrerin

  • Montessori spricht von einer Lehrerin, meint aber alle Erwachsenen aus der Umgebung des Kindes
  • Montessori setzt strenge Maßstäbe an, denn wenn die Lehrerin nicht den Anforderungen ihrer Pädagogik entspricht, ihre Grundprinzipien verinnerlicht hat, dann kann ihre Arbeit nicht zum Erfolg führen
  • Montessori fordert:
    • Die Lehrerin muss schweige, statt reden
    • Sie muss beobachten, statt unterrichten
    • Sie muss Demut, statt stolze Würde zeigen
  • Durch Übung müssen sich die Erwachsenen in die Richtige Richtung entwickeln
  • Erwachsene beobachten, nehmen wahr, staunen und lernen vom Kind
  • Die Lehrerin beobachtet das "innere Leben des Menschen"
  • In der Schule müssen sich die Kinder frei und mit Hilfe des Entwicklungsmaterials entfalten
  • Die Lehrerin, aber auch der Vater und die Mutter müssen erst beginnen "Lehrer" zu werden
  • Nur im täglichen Zusammensein mit dem Kind gelingt uns dieser Prozess, d.h. nicht nur die Erwachsenen sind Wegbereiter des Kindes, sondern das Kind ist auch unser Wegbereiter und  unterstützt und hilft uns bei der Bewältigung der Erziehungsaufgaben
  • Montessori-Lehrerin muss ihr Vorstellungsvermögen wach halten, denn sie hat ein Kind vor sich, das sozusagen noch nicht existiert
  • Die Lehrerin muss ein Glauben haben, dass sich das Kind offenbaren wird durch die Arbeit
  • Sie müssen sich von jeder vorgefassten Meinung lösen, die das Niveau betrifft, auf dem sich die Kinder befinden können
  • Sie muss in der Vorstellung den Typ des Kindes sehen, der in einem geistigen Bereich lebt
  • Die Lehrerin muss daran glauben, dass das Kind, das sie vor sich hat, seine wahre Natur zeigen wird, wenn es seine Arbeit gefunden hat, die es anzieht
  • Sie soll sich bemühen, dass das eine oder andere Kind beginnen möge, sich zu konzentrieren
  • Um das zu erreichen, muss sie ihre Energie aufwenden
  • Ihre Tätigkeit wird von einem Stadium zum anderen wechseln wie in einer geistigen Entwicklung
  • Es gibt drei Aspekte bei ihrem Verhalten:
  • Erstes Stadium:
  • Die Lehrerin wird zum Wächter und Aufseher der Umgebung
  • Sie konzentriert sich auf die Umgebung, weil von ihr die Genesung auf die Anziehungskraft, die den Willen der Kinder polarisieren wird, ausgehen soll
  • Zweites Stadium:
  • Die Lehrerin muss verführerisch sein, sie muss die Kinder anziehen
  • Wenn die Umgebung vernachlässigt wird, die Möbel staubig, das Material abgekratzt und in Unordnung und wenn die Lehrerin in ihrem Äußeren und ihrem Auftreten ungepflegt wäre, und zu den Kinder unfreundlich, würde die wesentliche Grundlage für ihre Arbeit, zu der sie bestimmt ist, fehlen
  • Die Lehrerin muss wie eine Flamme sein, deren Wärme aktiviert, lebendig macht und einlädt
  • Sie muss mit den Kindern arbeiten, indem sie alle ermutigt und alle anerkennt und eine einnehmende Fröhlichkeit an den Tag legt
  • Drittes Stadium:
    • Im Allgemeinen sind es Übungen des praktischen Lebens, denn die Erfahrung hat beweisen, dass es zwecklos und schädlich ist, den Kindern Material zur sensorischen und kulturellen Entwicklung zu geben, bevor sie den daraus erwachsenden Nutzen ziehen könne
    • Die Lehrerin darf nicht eingreifen
    • Das Kind konzentriert sich endlich auf eine Arbeit
    • Das Interesse des Kindes konzentriert sich nicht nur auf die Arbeit, sondern öfters auf den Wunsch, die Schwierigkeiten zu überwinden
    • Lob, Hilfe und auch nur ein Blick können genügen, ums das Kind zu unterbrechen und die Aktivität zu zerstören
    • Das Prinzip, das der Lehrerin zum Erfolg hilft, ist Folgendes: Sobald die Konzentration beginnt, muss sie tun, als ob das Kind nicht existiere
    • Sie kann natürlich schauen, was das Kind tut, aber mit einem schnellen Blick, ohne dass sie es merken lässt
    • Danach wird das Kind, von einem Vorsatz geleitet, beginnen seine Arbeit auszuwählen
    • Erzieher, Mutter, Vater, Lehrer sind nicht überflüssig
    • Lehrerin hat dem Menschsein in einer wesentlichen Periode seiner Bildung geholfen
  • Wenn wir bessere Bedingungen für die Kinder herstellen wollen, so müssen wir an die Eltern denken
    • Erwachsenen müssen besser sein - sie müssen weniger stolz sein, weniger an sich selbst denken, weniger diktatorisch sein
    • Kinder werden unterdrückt, wenn sie nicht die besondere Aktivität entfalten können, welche die Natur von der menschlichen Persönlichkeit verlangt, damit sie sich gut entwickeln
    • Ungeordnete seelische Bewegungen von Kindern ergeben sich aus zwei Quellen:
      • Geistige Unterernährung
      • Mangel an Aktivität
    • Alle Erwerbungen erfolgen durch Erfahrungen in der Umgebung
    • Die Kinder sind fähig, aus der Umgebung zu absorbieren
    • Werden sie von der Welt isoliert, so wird ihnen etwas Fundamentales fehlen
    • Wenn sie stillsitzen müssen und sich nicht bewegen, nicht berühren dürfen, so wird ihre natürliche Aktivität unterdrückt
    • Der Erwachsene hat eine lenkende und nicht eine lehrende Funktion
  • Jeder Erwachsene ist Repräsentant der Gesellschaft und muss dem Kind helfen, sich mit den Regeln vertraut zu machen
  • Mit der Aussage "Hilf mir, es selbst zu tun." weist es den Erwachsenen in seine erzieherischen Grenzen
  • Es sagt: "Bis hierher und nicht weiter. Enge mich nicht in meiner Selbsttätigkeit und Selbsterfahrung ein. Du kannst mir Brücken bauen, aber darüber gehen muss ich selbst."

10. Die Natur in der Erziehung

  • Kinder in unserer zivilisierten Gesellschaft sind von der Natur entfernt und haben nur wenig Gelegenheit, mit ihr in Berührung zu kommen (dies stellte Montessori bereits Mitte letzten Jahrhunderts fest)
  • Montessori sieht die Berücksichtigung der Natur als ein wichtiges Erziehungsprinzip
  • Kind soll, wenn möglich, von den Bindungen frei gemacht werden, die es in einem durch das Zusammenleben in der Stadt geschaffenen künstlichen Leben isolieren
  • Heute wird in Form von Kinderhygiene der Teil der Leibeserziehung gepflegt, der darin besteht, die Kinder in öffentlichen Anlagen etwas mehr mit der frischen Luft in Berührung zu bringen; sie einige Zeit Sonne und Wasser am Strand auszusetzen.
    • Auch einfachere und kürzere Kleider, Sandalen oder nackte Füße sind schüchterne Versuche zur Befreiung von übertriebenen Fesseln, welche die Kinder an das zivilisierte Leben binden
  • In Montessoris Vorstellungen hat sich die Natur nach und nach auf die Blumen und die für unsere Ernährung, unsere Arbeit oder unseren Schutz nützlichen Haustiere beschränkt.
  • "Natur flößt den meisten Menschen Angst ein"
  • Kinder laufen hinaus, wenn es regnet, ziehen ihre Schuhe aus, wenn sie Wasserpfützen sehen ...
    • Wir (Erwachsene) fragen uns hingegen ängstlich, was wir tun können, damit das Kind nach dem Morgengrauen weiterschläft, und wir ihm beibringen können, sich die Schuhe nicht auszuziehen und nicht auf der Wiese zu springen.
    • Wenn das von uns eingezwängte, durch die Gefangenschaft degenerierte Kind Insekten oder kleine harmlose Tiere tötet, so kommt uns dies "natürlich" vor; wir merken nicht, dass die Natur diesem kleinen Wesen bereits fremd ist.
      • Wir verlangen also von unseren Kindern, dass sie sich dem Gefängnis anpassen und uns dabei nicht lästig fallen.
    • Wenn Kinder jedoch mit Natur in Berührung kommen, dann zeigt sich ihre Kraft
      • Laufen z.B. kilometerweit
      • Eltern ließen ein kaum zweijähriges Kind selbst gehen - Kind tat dies mit Begeisterung und Entdeckungsfreude
        • Anstatt ihr Kind zu tragen, folgten die Eltern dem Kind.
  • Das Gefühl der Kinder für die Natur wächst mit der Übung, wie alles andere. Also muss das Kind Natur erleben können. Der Umgang mit Natur lässt sich nicht über Lehrbücher vermitteln.
  • Erwachsene erkennen die Interessen der Kinder nicht ausreichend und gehen nicht auf diese ein
    • Kind ist fasziniert von Gemüsegarten - "ein Garten mit Sachen zum Essen"; Mutter erachtet dem Garten keiner Bewunderung wert
  • Kinder graben gerne, denn jede Erdscholle, die sie bewegen, steckt voller Überraschungen und Geheimnisse
  • Montessori meint, Erwachsene (wir) sind bestrebt, die Tätigkeit der Kinder unseren eigenen Vorstellungen anzupassen, als dem kleinen Kind zu folgen, seine wirklichen Neigungen und Bedürfnisse zu interpretieren
    • Erwachsene haben Kind in künstlich festgelegte Tätigkeit gezwungen
      • Ein Samenkorn in die Erde setzen und auf das daraus entstehende Pflänzchen zu warten, das ist eine zu geringe Arbeit und eine zu lange Wartezeit für Kinder
      • Kinder wünschen, große Arbeiten zu vollbringen und ihre Tätigkeit direkt mit den Erzeugnissen der Natur in Verbindung zu bringen
  • Montessori hat beobachtet, welche Tätigkeit Kind in der Natur gerne ausübt
    • Angenehmste Arbeit für das Kind ist nicht das Säen, sondern vielmehr das Ernten
    • Ernten steigert das Interesse für das Säen, und je mehr einer das Ernten erfährt, desto stärker empfindet er den verborgenen Reiz des Säens
      • Die gelben Ähren, die sich im Winde wiegen und langsam bis in Schulterhöhe der Kinder wachsen, begeistern die kleine, auf die Ernte wartende Schar
  • Gerade durch die Tätigkeit bringen die Kinder die an Schönheit reichen Knospen ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit zum Aufbrechen
  • Also machen wir die Natur zu einem Erziehungsinhalt in unserem Leben und erheben wir die Naturbegegnung in unserem pädagogischen Handeln zu einem Grundprinzip!

 

Die Aufgabe der Eltern

  • Eltern sind die Wächter des Kindes, aber nicht seine Bauherren
  • Sie müssen das Kind pflegen und beschützen
  • Sind mit dem Kind eng verbunden
  • Eltern müssen das Recht des Kindes anerkennen
  • Die Gesellschaft muss den Kindern die vollkommenste und weiseste Fürsorge geben
  • Kinder sind die Menschheit von Morgen
  • Das die Rechte des Kindes vergessen und missachtet worden sind, dass man das Kind misshandelt, ja zu Grund gerichtet hat, dass man auch weiterhin seinen Wert, seine Macht und seine Natur verkennt, dies alles sollte der Menschheit Anlass zu ernsthafter Besinnung werden
  • Wenn Eltern und Kinder miteinander in Konflikt geraten, so hat dies Folgen
  • Folgen, die sich endlos über das ganze menschliche Leben hin ausbreiten
  • Montessori wandte sich aber nicht nur an die Eltern, sondern sie entwickelte auch Gebote für die Erzieher des jungen Kindes im "Kinderhaus" - und das sind dann "zwölf Gebote"
    • 1. Die Lehrer haben zunächst eine Pflicht materieller Ordnung: Minutiös die Umgebung zu prüfen dass sie sich sauber, glänzend, geordnet darstellt; die Folgen der Abnutzung durch den Gebrauch beheben, ausflicken, neu bemalen oder auch für anziehenden Schmuck sorgen.
    • 2. Der Lehrer muss den Gebrauch der Dinge lehren, ausführend zeigen, wie sich die Übungen des praktischen Lebens vollziehen: Und dies mit Anmut und Genauigkeit, damit alles in der Umgebung Befindliche von dem benutzt werden kann, der es wählt.
    • 3. Der Lehrer ist "aktiv" wenn er das Kind mit der Umgebung in Beziehung bringt: Er ist "passiv", wenn diese Beziehung erfolgt ist.
    • 4. Er muss die Kinder beobachten, damit ihre Kraft sich nicht vergebens verflüchtigt, wenn eines verborgene Geräusche sucht, oder eines der Hilfe bedarf.
    • 5. Er muss herbeieilen, wohin er gerufen wird.
    • 6. Er muss zuhören und antworten, wenn er dazu eingeladen wird.
    • 7. Er muss das Kind, das arbeitet, respektieren, ohne es zu unterbrechen.
    • 8. Er muss das Kind, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.
    • 9. Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das den anderen bei der Arbeit zusieht, ohne es zu stören, ohne es anzurufen, ohne es zur Arbeit zu zwingen.
    • 10. Er muss aber unermüdlich versuchen, demjenigen Kind Gegenstände anzubieten, das es schon einmal abgelehnt hat; das zu unterweisen, das noch nicht verstanden hat und Fehler macht. Und dies, indem er die Umgebung mit seinem Sorgen belebt, mit seinem bedachten Schweigen, mit seinem sanften Wort, mit der Gegenwart jemandes, der liebt.
    • 11. Der Lehrer will mit seiner Gegenwart das Kind spüren lassen, das sucht; sich verbergen dem, das gefunden hat.
    • 12. Der Lehrer erscheint dem Kind, das seine Arbeit vollendet und frei seine eigene Kraft erschöpft hat, und bietet ihm schweigend seine Seele an, wie einem geistigen Gegenstand.
letzte Aktualisierung 16. November 2010