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Fürstenberg

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Erziehungswissenschaften

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Einführung in die Montessori-Pädagogik

Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung (Ingeborg Hedderich)

Anthropologischer Ansatz

  • Die anthropologischen Aussagen von Maria Montessori lassen sich zu drei Kategorien zusammenfassen: Mensch als Lebewesen, Mensch als auf die Gemeinschaft ausgerichtete Person und Mensch als Gottesgeschöpf
  • Die zentrale Kategorie ist die Personalität
  • Geist und Intelligenz stehen im Mittelpunkt der menschlichen Existenz und kennzeichnen die menschliche Eigenart
  • Nach der Geburt ist das Kind in einer schutzbedürftigen und abhängigen Situation
  • Es kommt nicht "fertig" auf die Welt und es bedarf der Umwelt, um sich entwickeln zu können
  • Die Entwicklung vollzieht sich auf der Grundlage des von der Natur mitgegebenen Bauplans
  • Montessori unterstreicht die Eigeninitiative des jungen Menschen beim Selbstaufbau

Kosmische Theorie

  • Ihre kosmische Theorie geht von einem unvollendeten aber einheitlichen Schöpfungsplan aus
  • Als kosmisch Handelnder kommt ihm die Funktion zu, verändernd auf die Natur Einfluss zu nehmen
  • Alles steht als Teil des Universums in Verbindung zueinander, um eine größere Einheit zu bilden

Religiöse Dimension

  • Religiöse Erziehung ist für jeden Menschen erforderlich, andernfalls verkümmert eine zentrale Dimension des Menschseins
  • Religion soll Fundament des menschlichen Daseins sein
  • Die eigentlich religiöse Erziehung erfolgt nicht durch die Erzieherin, sondern durch das Kind selbst
  • Das Kind ist von Natur aus gut
  • Fordert eine Umkehrung der Machtverhältnisse "Das Kind wird unser Lehrmeister; der Erwachsene wird zum Diener des Kindes."
  • Fordert auch eine Erziehung zum Frieden - Kind ist "Lehrmeister des Friedens", da es Frieden in sich trägt und bringen kann
  • Sinneserziehung dient der Sinnesschulung, der Intelligenzentwicklung und dem Persönlichkeitsaufbau
  • Die passive Rolle nimmt der Erwachsene ein, um der Aktivität des Kindes Raum zu geben
  • Passivität bedeutet Zurückhaltung
Die "alte" Lehrerin Die "neue" Lehrerin
Bildung vermitteln Bei der Entwicklung behilflich sein
Aktivität der Lehrerin Aktivität des Kindes
Aktivität Geduld
Disziplin Geduld
Unterrichten Beobachten
Unterrichten Beschenken
Reden Schweigen
Das Kind soll an der Lehrerin hängen Das Kind wird unabhängig
Arroganz Würde
Hochmut intellektuellen Reichtums, der sich der Armut aufzwingt Kindliche Konzentration nicht stören
Stolze Würde der Unfehlbarkeit Kleid der Demut
Dunkelheit

Licht

Ermüden Beleben
Wortschwall Wenige Worte
Von der Sache ablenken Sachlichkeit
Laut Still
  • Kinderarbeit wird als schöpferische Arbeit angesehen mit dem Ziel der Erschaffung einer menschlichen Persönlichkeit
  • Die Arbeit des Kindes wird nicht bewusst geplant, muss aber vom Kind selbst verrichtet werden
  • Die Arbeit des Kindes wird in 3 Phasen eingeteilt
    • 1. Phase: "vorbereitende Stufe"
      • Es ist die Phase der Einstimmung, des Suchens und des Ausprobierens
    • 2. Phase: "große Arbeit"
      • Hier wendet sich das Kind intensiv und ausdauernd einer wesentlichen Arbeit über einen längeren Zeitraum zu
      • Diese Phase wird beendet, wenn das Kind innerlich gesättigt ist und seine innere Entwicklung einen Abschluss gefunden hat
  • 3. Phase:
    • Spielt sich nur innerlich ab
    • Phase des Abschlusses und des Ausruhens, die durch Zufriedenheit geprägt wird
  • Im Kinderhaus stehen das Sinnesmaterial und die Übungen des täglichen Lebens im Zentrum
  • Bedeutsame Charakteristika des Materials sind zu nennen:
    • Begrenzung: Durch mengenmäßige Begrenzung wird die Überschaubarkeit des Materials gewährleistet. Die äußere Ordnung führt zur inneren Ordnung des Geistes.
    • Ästhetik: Die Materialien müssen Aufforderungscharakter und Anziehungskraft für das Kind haben.
    • Aktivitätsmoment: Das Kind muss mit dem Material handeln können und Wiederholungen erfahren können. Das Material soll Interesse wecken und über längere Zeit aufrechterhalten.
    • Fehlerkontrolle: Die Selbstkontrolle erfolgt durch das Material und führt das Kind zu Unabhängigkeit und Selbständigkeit.
  • Das strukturierte Material hilft dem Kind, die Welt zu ordnen
  • Das Kind gelangt über die äußere Ordnung zu einer inneren Ordnung und treibt den Intelligenzaufbau des Kindes voran
  • Die Förderung der Intelligenzentwicklung ist zentrales Anliegen der Montessori-Pädagogik
  • Das Material ist autodidaktisch, d.h., es enthält die Fehlerkontrolle in sich selbst und ermöglicht dem Kind den eigenständigen Umgang
Graphische Darstellung des Grundgedanken der Montessori - Pädagogik
Grundgedanken der Montessori - Pädagogik

Maria Montessori sieht in dem Spiel des Kindes eine intensive geistige Beschäftigung, die sie deshalb als Arbeit bezeichnet

  • Das freie Spiel ist dagegen eine ungerichtete Tätigkeit, die das Kind nur ausführt, wenn es sich nicht sinnvoll mit Materialien beschäftigen kann
  • Die Bedeutung des Spiels als Schonraum und Rückzugsmöglichkeit zum Ausdruck von Wünschen, Sehnsüchten und Spannungen ist eine fehlende Dimension der Montessori-Pädagogik
  • Für Montessori ist die Entwicklung des Kindes ausschließlich nach vorn gerichtet
  • Oerter bezeichnet Montessoris Standpunkt zum Spiel als einzige "Todsünde" der Montessori-Pädagogik, denn Spiel ist Basis einer gesunden, kindlichen Entwicklung

Sinnesmaterial

  • Sehsinn (Unterscheidung von Dimensionen, Unterscheidung von Farben, Unterscheidung von Formen)
  • Gehörsinn (Unterscheidung von Geräuschen und Tönen), Geruchssinn (Unterscheidung von Gerüchen, Unterscheidung von Geschmacksqualitäten)
  • Empfindungssinn (Unterscheidung von Oberflächen-, Materialstrukturen, Unterscheidung von Gewichten, Unterscheidung von Wärmequalitäten)
  • Übungen des praktischen Lebens (Wassergießen, Übungen des Faltens, Händewaschen, Metallputzen, Schnittblumenpflege, Fädelübungen, Einsteckübungen, Kneten, Staub wischen, Tisch denken und abräumen, Geschirr abwaschen, Fußboden säubern, sich selbstständig an- und ausziehen, sich waschen und kämmen, Zähne putzen)
  • Übungen des sozialen Lebens (Formen des Grüßens, Höflichkeitsformen erlernen, Regeln aufstellen und sich daran halten, einen Stuhl behutsam Tragen, Rücksicht auf andere nehmen)
  • Übungen zu Bewegung und Stille (Gehen auf der Linie, Übungen der Stille (zur Ruhe kommen, Bewegungen einstellen, Stille erfahren, auf leise und leiseste Geräusche achten, lauschen lernen), Tragen von Gegenständen unter erschwerten Bedingungen, sich im Raum bewegen, ohne dass andere Kindern in ihrer Arbeit gestört werden)
  • Sprach- und Mathematikmaterial
  • Kosmisches Material
  • Kreativer Materialumgang
    • Anregungen für Übungen des praktischen Lebens
    • Weiterentwicklung von Sinnesmaterialien

Kinderhaus

  • Nach der Vorstellung von Montessori werden jeweils Gruppen von 30-40 Kindern gebildet, wobei jede Gruppe aus mindestens 3 verschiedenen Altersjahrgängen besteht (3-6 Jahre)
  • Die heute Gruppengröße umfasst ca. 25-30 Kinder
  • Die einzelnen Gruppen werden räumlich nicht völlig voneinander getrennt, sondern nur durch kindgerechte Schränke abgegrenzt
  • Die Kinder sollen untereinander Kontakt aufnehmen können
  • Die jüngeren Kinder sollen von den älteren Kindern lernen können
  • Ästhetik: Die Räume sollen ansprechend gestaltet werden, um das Kind zur Konzentration anzuregen.
  • Fehlerkontrolle: Die Umgebung soll nicht "kindsicher" sein, sondern sie soll dem Kind "ungeschickte Erfahrungen" mit Gegenständen ermöglichen.
  • Ordnung: Sowohl die Räumlichkeiten als auch Anordnung der Gegenstände müssen eine klare und für das Kind einsichtige Grundstruktur aufweisen.
  • Selbständigkeit: Möbel und Gegenstände müssen kindgerecht sein und es jedem Kind ermöglichen, sich selbständig im Raum zu bewegen.
  • Aufforderungscharakter: Die Umgebung wird durch das Material geprägt. Das Material muss für das Kind eine Anziehungskraft besitzen.
  • Empirische Untersuchungsergebnisse: Eisenbrand (1986)
    • Relativ viele Kontakte fanden zwischen den einzelnen Altersstufen statt
    • Die drei Sozialformen (Einzel-, Partner- und Gruppenaktivität) wurde von den Kindern in annähernd gleichem Ausmaß gewählt
  • Montessori sieht den Menschen in einer dreifachen Perspektive:
    • Als Werk der Natur
    • Als Werk des Menschen in der Gesellschaft
    • Als Werk seiner selbst
  • Montessori strebt im Rahmen ihrer Pädagogik eine Steigerung der kreativen Intelligenz des Menschen an, die den technischen Fortschritt ermöglicht
letzte Aktualisierung 21. Oktober 2010