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Kernaussagen Montessori

Kernaussagen Montessori

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Montessori - "Kinder lernen schöpferisch"

Becker-Textor, Ingeborg (1994): Maria Montessori. Kinder lernen schöpferisch. Die Grundgedanken für den Erziehungsalltag mit Kleinkindern. 2. Auflage. Freiburg, Basel, Wien: Herder Verlag, S. 13-32. 

 

1. Maria Montessori- ihre Grundprinzipien

  • Zentraler Punkt aller Überlegungen Montessoris und somit ihres ganzen Erziehungskonzeptes ist ihre Grundhaltung dem Kind gegenüber.
  • Sie glaubt an die verborgenen schöpferischen Kräfte im Menschen und erachtet ihre Aufgabe darin, diese zu wecken, zu aktivieren und zu motivieren, um den Menschen dadurch zu harmonisieren und zu normalisieren.
    • Nur darin sieht Montessori eine Möglichkeit zur Lösung der Menschheitsprobleme
  • Montessori vergleicht ihre Arbeit im erzieherischen Bereich mit der Arbeit des Arztes, ihre Erziehungsmethoden mit der Hygiene
    • Deshalb stellt sie die Normalität des Menschen gleich mit seiner absoluten Gesundheit, sowohl im physischen wie auch im psychischen Bereich.
  • Wichtige Kernpunkte in der Montessori- Pädagogik sind:
    • Die Schulung der Wahrnehmungsfunktionen
      • Montessori wählt bestimmtes Arbeitsmaterial aus im Hinblick auf die Fähigkeit des Kindes, die Welt erst sinnlich, später auch begrifflich zu erfassen. Das Kind soll dabei seine Beobachtungsgabe, sein Zuordnungs- und Unterscheidungsvermögen üben und so vom konkreten Schauen zum abstrakten Denken gelangen.
  • Programmierte Vorbereitung durch die Erzieherin, Übung, Präzision und Vervollkommnung durch die Aktivität des Kindes
    • Durch die programmierte Vorbereitung durch die Erzieherin übt das Kind den Umgang mit dem Material und erreicht damit durch zunehmende Präzision die Vervollkommnung seines sinnlichen Erfahrungsraumes. Montessori sieht diesen Prozess als Voraussetzung zur Entwicklung zwischenmenschlicher, persönlicher Fähigkeiten an.
  • Selbstwertungsprozess und Individualität
    • Durch Material bringt Montessori das Kind zur Selbsterfahrung und gleichzeitig zur Selbsterziehung und Selbstdisziplin. Sie geht davon aus, dass das "normalisierte Kind" ausreichend Eigenmotivation besitzt. Das Material in Verbindung mit dem Arbeitstempo ist der Individualität und dem Entwicklungsstand des Kindes angemessen.
  • Bewegung, Aktivität und Arbeit
    • Aktive Erziehung hält Montessori für sehr wichtig. Sie versteht unter diesem Begriff Übungen im sensorischen Bereich, Übungen des praktischen Lebens, in denen man "tun durch Tun lernt". Das Kind lernt Arbeitshaltungen und Ordnungen kennen und hat einen Ausgleich zur geistigen Arbeit.
  • Freiheit und Spontaneität
    • Das normalisierte Kind entscheidet sich spontan für ein bestimmtes Arbeitsmaterial und drückt seine spontane Individualität innerhalb einer "expansiven Erziehung" dadurch aus, dass es sich in interessante, selbstgewählte Aufgaben vertieft.
  • Die vorbereitete Umgebung
    • Eine der Kinder angepasste Umgebung mit geregelten Anreizen in abgestuftem Material.
  • Sensitive Perioden
    • Im Alter von 0 bis 6 Jahren zeigt Kind eine außergewöhnliche Sensibilität für bestimmte Lernprozesse -> sensitive Perioden
    • Die Gesamtentwicklung von 0 bis 6 Jahren -> formative Periode
    • In dieser Zeit werden Umweltreize aufgenommen, absorbiert und miteinander in Beziehung gesetzt.
  • Rhythmus, Gleichgewicht, Ordnung
    • Mensch ist rhythmisches Geschöpf, das zu seiner optimalen Entfaltung Freiheit innerhalb bestimmter Grenzen braucht.
    • Nur so gelangt Mensch zur Selbstbeherrschung und ist in der Lage, soziale Beziehungen aufzubauen.
  • Entdeckungen und Entwicklungen
    • Normalisiertes Kind soll beobachtet werden und kindliche Entwicklung (die normal und natürlich ist) soll erforscht werden
      • Dadurch glaubt Montessori die "Pädagogik vom Kinde aus" aufzeigen zu können
      • Ziel Montessoris Pädagogik ist eine neue Menschheit, die ihr Leben meistern kann.
  • Kind als Baumeister des Menschen
    • Kind hat einen Bauplan der Seele in sich und arbeitet sich im Grunde selbst zum Menschen empor
    • Umwelt hat Kind nur Material zu liefern und seine Entwicklungsbedürfnisse zu erspüren und zu beachten
  • Der neue Lehrer
    • Lehrer bzw. Lehrerin -> Beobachter, der den Lernprozess des Kindes verfolgt und wenn nötig in Kommunikation mit dem Kind tritt. (Er muss auf das Kind hören, wenn es sagt: "Hilf mir, es selbst zu tun.")
  • Wissen, Lieben, Dienen
    • Grundsätze (im praktischen pädagogischen Konzept) sind notwendig, um dem Kind in vorbereiteter Umgebung zur Normalisation zu verhelfen.
  • Vergleichen wir Montessori-Material mit anderen didaktischen Materialien, so stellen wir fest, dass heute die kindliche Aktivität auf ein vom Erwachsenen bestimmtes Ziel gerichtet wird.
    • Ist dieses Ziel erreicht, so ist damit auch die Arbeitsmöglichkeit für das Kind beendet
  • Beim Montessori-Material dagegen bleibt die Aktivität erhalten, da es keine begrenzte Zielsetzung gibt. Kind kann bei einer Arbeit verweilen oder variieren.
  • Material wird in offenen Schränken angeboten, ist ansprechend in Form und Farbe, ist eindeutig und hat begrenzte Überschaubarkeit.
  • Bevor Kinder selbständig mit Material arbeiten, geht Einführung seitens der Erzieherin voraus
    • Drei-Stufen-Lektion!

 

 

2. Montessori-Pädagogik heute

  • Viele Eltern, aber auch Erzieherinnen/ Lehrerinnen sehen in der Montessori-Pädagogik Chance zur Überwindung von Erziehungsproblemen, aber auch zur kognitiven Förderung der Kinder
  • Mit der Ausbreitung des Integrationsgedankens hat die Montessori-Pädagogik auch Eingang in viele Integrationskindergärten gefunden
  • Integrationsgruppen in unserem heutigen Sinn, gemeinsame Förderung behinderter und nichtbehinderter Kinder innerhalb eines fundierten Konzeptes, hat Montessori niemals eingerichtet oder propagiert.
  • Montessori unterschied nicht nach Altersjahrgängen, sondern fasste in der Regel drei Altersjahrgänge in einer Lerngemeinschaft zusammen
    • Dies entspricht dem heute in unseren Kindergärten praktizierten Konzept der altersgemischten Gruppe mit 3- bis 6-jährigen Kindern
      • Die jüngeren Kinder sollen von den älteren angeregt und diese wiederum zur Hilfe für die jüngeren Spielkameraden aufgefordert werden.
  • Kinder lernen selbst aus sich heraus, Material hilft ihnen dabei
  • "Kinder lernen schöpferisch" - Kind "schöpft" aus seinem Inneren; sein innerer Bauplan, seine sensiblen Perioden, die vorbereitete Umgebung, das Material eröffnen ihm neue Möglichkeiten aktiv tätig zu werden, Entdeckungen zu machen- in Freiräumen, die ihm die Eltern/ Lehrer einräumen
  • In der Montessori-Pädagogik hat Kind Recht auf Spontaneität und freie Entfaltung
  • "Hilf mir es selbst zu tun." Kind meint: "Zeig mir, wie es geht. Tu es aber nicht für mich. Ich kann und will es selber tun. Hab auch Geduld mit mir ..." Fehler, die ein Kind macht, wird es erkennen. Das Material zeigt es dem Kind und Kind wird üben.
  • Kinder - selbstgewählte Arbeit; können diese alleine, zu zweit oder mit mehreren Kindern ausüben
  • Beim Frühstück bildet sich z.B. die Gemeinschaft
  • Jedes Material ist, mit einzelnen Ausnahmen, nur einmal da -> das bringt seine Bedeutung zum Bewusstsein und es erhöht seine Anziehungskraft
  • Kinderhaus ist kein Ersatz für das Elternhaus und seine Werte und Bildungsmöglichkeiten, sondern eine Ergänzung der häuslichen Umgebung
  • Gespräch entsteht am Ende der Woche darüber, ob alles im Kinderhaus schön war oder zukünftig etwas zu ändern ist (mit Kindern)
  • Für Montessori ist die Einbeziehung der Bewegung ein Fundamentalprinzip ihrer Pädagogik
    • Kinder werden nervös in der Enge des Wohnens mit dem Erwachsenen
    • Kind inkarniert seinen Geist durch das Tun, der Geist ordnet sich die Bewegung zu und wird in der rechten Umgebung der Möglichkeiten leiblicher und zugleich geistiger Bewegungen inne.
  • Für Montessori ist es lebensnotwendig, dass unter den heutigen Verhältnissen Kinder in Kinderhaus und Schule eine naturnahe, aber gestaltete Umgebung geschaffen wird, in der sie durch spielhaftes und zielgerichtetes Tun zur Bildung kommen.
  • Charakteristikum der vorbereiteten Umgebung ist Ordnung
    • Mit Ordnung verbunden sind Schönheit und der Reichtum des Lebens
  • Montessori zählt zu den Reformpädagogen, die ganz bewusst auf die Bedürfnisse von Kindern aufmerksam machen wollten, die der Welt klarmachen wollte, dass die frühe Kindheit für die menschliche Entwicklung der wichtigste Zeitraum ist, dass Versäumnisse in dieser Zeit nicht mehr aufgeholt werden können.
letzte Aktualisierung 10. September 2011