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Fürstenberg

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Eileen / Deutsch

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Selbstgeschriebenes Gedicht verfasst von Eileen Fürstenberg

wir sind so jung,

so falsch,

so ungetrieben

flip flop                                                                                                                                (1)

klick klack

der hackenschuh abgebrochen

stolper aua

zupf rupf reiß schrei kreisch                                                                                                 (5)

Vorgegaukelter Individualismus?

goldkettchen, gucci, perlen, prada, dior

modetrends, models, kleid oder rock?

pantoffeln mit glitzer oder im nieten- look?

gebrauchen können wir sie nicht zum top!                                                                          (10)

EGAL!

paris, mailand, london, new york...

was kostet das schon?

ein hairstyling bei hinz, ein latte macchiato von kunz, ein ferrari und ein whirlpool

how COOOOOL                                                                                       (15)

wir sind nicht wählerisch- ALLES wird gebraucht!

cocktails schlürf, wodka- 1  2  3  weg

konsum-          der weg aus der langenweile,

                                    raus aus dem alltag,

                                                weg vom fernseher,                                                              (20)

                                                           weg vom computer...

Flucht vor der Einsamkeit?

Flucht vor sich selbst?

materialismus- WAS SOLL'S

Wo ist die Welt von früher hin?                                                                                             (25)

Gefühle, Ehrlichkeit, Zusammenhalt, wahre Liebe, Respekt...

Nimmermehr?

PAHHHH...ALLES unsinn

nase hoch, die straße entlang

...NA UND....                                                                                                                           (30)

stolper autsch krach boom bang

-AUS- mit der süßen maus und dem traumhaus.

 

Warum dieses Gedicht?

>>>>>> Herbstferien: 22.10. 2007-28.10.2007

>>>>> Tag: 27.10.2007

>>>> Ort: Köln Hauptbahnhof

>>> Zeit: 9.10 Uhr

>> Ziel: Hamburg Hauptbahnhof

> Situation: Alle mitgenommenen Bücher wurden bereits gelesen, doch nur von einem Buch "I Cool" (Ric Graf) war es nicht möglich, die Gedanken zu lösen...

Und mit einer langen Zugfahrt vor Augen begann ich darüber nachzudenken, wie ich meine Aufgabe, ein Gedicht zu schreiben, wahrnehme. Ich wusste, dass ich auf der Grundlage von "I Cool" auf das Armutszeugnis unserer Generation eingehen wollte – Konsum, Egoismus, Coolness und vorgegaukelte Individualität, ist es wirklich das, wodurch wir uns alle definieren? Verschiedenste Gedanken waren in meinem Kopf und die unterschiedlichsten unbekannten Menschen, die mir an diesem Tag entgegenkamen, meinen Weg kreuzten oder mir auch aus früherer Zeit in Erinnerung waren, prägten mein Gedicht. Es war wirklich traurig, aber ja, wir definieren uns alle durch Arroganz und Modetrends. Nicht das es mir vorher nicht bewusst war, aber das Ergebnis meiner Gedanken war trotzdem erschreckend.

Es blieb nicht einmal die Frage offen, in welchem Stil ich mein Gedicht schreiben wollte, denn der Dadaismus war für mich bereits schon im Kunstunterricht die verrückteste, kreativste und freiste Epoche und das wollte ich auch in meinem Gedicht durchsetzen. Wozu Reimschemen und Metren, wenn auch in der Unordnung eine Ordnung liegen kann und jeder Rezipient versteht, was Buchstaben und Wörtern ausdrücken?

Wir sollten uns alle von den vorschreibenden Regeln der Medien, was "in" und "out" ist, was unbedingt gebraucht werden muss oder nicht, lösen. Nur dann können wir sagen, dass wir unser Leben so leben, wie es uns gefällt und nicht, dass uns unser Leben vorgeschrieben wird und wie es uns zu gefallen hat.

Beim Schreiben des Gedichts hoffte ich insgeheim, wie im Dadaismus üblich, dass es nur für die Gegenwärtigkeit unserer Generation spricht und die Zukunft zeigen wird, dass wir alle irgendwann verstehen und wissen, wer wir wirklich sind und nicht, wie wir uns geben müssen oder sollen, um akzeptiert zu werden.

> Situation: Alle Gedanken, Ideen, Vorstellungen und Hoffnungen wurden im Gedicht niedergeschrieben und die Interpretation war nur noch eine Leichtigkeit, die vor mir lag…

>> Zeit: 15.00 Uhr

>>> Ort: Hamburg Hauptbahnhof

>>>> Tag: 27.10.2007

>>>>> Herbstferien: 22.10. 2007-28.10.2007

Interpretation

Eileen Fürstenberg / Kurs 13/2    Richard Wossidlo Gymansium Ribnitz-Damgarten, 2008

Warum kann ich nicht Ich sein und lasse mich leiten?

In meinem dadaistischen Gedicht "Wie sind so jung, so falsch, so ungetrieben" möchte ich mich mit dieser Frage beschäftigen. Warum lassen wir uns zu schnell beeinflussen und geben unsere Ich-Identität auf? Täuschungen und Wirklichkeit sind in unserer heutigen wohlhabenden Konsumgesellschaft nahe beieinander. Mein Gedicht bezieht sich daher hautsächlich auf die Situation der Menschen in den hoch entwickelten Industrieländern, die weit mehr Konsumbeeinflussungen ausgesetzt sind als Menschen in den Entwicklungsländern oder Armutsregionen unserer Welt.

Wir werden von Schönheitsidealen, Schlankheitswahn, Medien, Sendungen wie "Be a star", "MTV Made", "Sexiest Celebrity Bodies", Zeitung, Models und Modetrends geleitet. Einige Menschen würden sogar alles dafür geben, um ebenso bewundernswert zu sein, wie die Stars im Popbusiness und in der Modebranche. Geld, Reichtum, Schönheit und Anerkennung sind das, was wir wollen. Doch genau damit werden wir eines Tages tief fallen...

Bereits der erste Blick auf mein Gedicht zeigt eine uneinheitliche Struktur, verzichtet aber nicht vollends auf Reime wie zum Beispiel "-AUS- [...] maus [...] traumhaus" (Z.32). Die geschaffene Unordnung und die Zerstörung gefestigter Normen erregen sofort die Aufmerksamkeit des Lesers. Das Präsens schafft den Bezug zur Gegenwart und die dazukommende einfache Wortwahl macht das Gedicht jedem Leser zugänglich.

Der Titel "Wir sind so jung, so falsch, so ungetrieben" ist rechtsbündig, damit außergewöhnlich und beinhaltet eine Anapher "[... so jung, so falsch, so [...]". Die Onomatopoesie und die Alliteration "flip flop klick klack" (Z.1-2) vermitteln dem Rezipient akustische Eindrücke. Die Sprache wird ihres Sinnes entleert und die Laute werden zu rhythmischen Klangbildern zusammengefügt.

Dabei erinnert "klick klack" an eine Frau mit Hackenschuhe, es ist ein Ausdruck der Arroganz und Eleganz. "flip flop" drückt hingegen das Gegenteil aus, denn Badelatschen werden für sportlichen Aktivitäten wie zum Strandbesuch und für die Schwimmhalle genutzt. "der hackenschuh" (Z.3) bricht ab und somit verkleinert sich auch die Eingebildetheit. Eine Variation der Syntax "stolper aua" (Z.4) ist ebenfalls vorzufinden. Die Zeile kann mit Ausrufen eines umknickenden, fallenden, stolpernden und ausrutschenden Menschen vervollständigt und beliebig umgestellt werden, jedoch ändert sich der Sinn nicht. Die 5. Zeile "zupf rupf reiß schrei kreisch" ist eine Akkumulation und sie besteht aus Tätigkeitsverben ohne Kommata. Dabei kann die Zeile fortgeführt werden und es hat den Anschein eines Listencharakters. Bisher ist dem Leser aufgefallen, dass alle Substantive klein geschrieben sind und die Zeilenanfänge ebenfalls. In der 6. Zeile "Vorgegaukelter Individualismus?" steht eine rhetorische Frage, die den Leser auffordert über unsere heutige Gesellschaft nachzudenken. Skepsis bildet sich aus und die heutige Realität und der Umgang mit anderen Menschen wird in Frage gestellt. Die 6. Zeile markiert auch den ersten Umbruch im Gedicht. Die vorher vorhandene Kleinschreibung wird aufgegeben. Damit möchte ich erreichen, dass die korrekte Rechtschreibung ein Symbol für die "frühere Zeit" ist, für die Lebenseinstellungen der 20'er bis 40'er Generationen und die mit den Normen brechende Kleinschreibung für die "neue Zeit", unsere heutige Zeit, steht. Mit der Groß- und Kleinschreibung wird deutlich, dass sich die Werte in unserer heutigen Gesellschaft drastisch verändert haben. Der Mensch wird nur noch am Aussehen gemessen, der Charakter spielt kaum eine Rolle. Der erste Blick ist der entscheidende. Zu einer realistischen Einschätzung eines Menschen durch ein Gespräch, kommt es nicht. Aus der "früheren, richtigen und wahren Rechtschreibung und Zeit" wird eine "neu kreierte kleine Schreibweise". Unser gesellschaftlicher Umgang geht zurück, verändert sich in das Negative und somit verändert sich auch die Rechtschreibung in das Ablehnende, denn es wird nur noch eine Kleinschreibung verwendet. Die darauf folgende Akkumulation "goldkettchen, gucci, prada, [...]" (Z.7-8) drückt die Unsicherheit des Auftretens der Menschen aus, sie können sich nicht entscheiden "kleid oder rock?" (Z.8) und  wissen durch die rhetorische Frage nicht, was sie wollen. Das Diminutiv "goldkettchen" (Z.7) ironisiert die Aussagen. Auch in der 9. Zeile "pantoffeln mit glitzer oder im nieten- look" werden die wertvollen und teuren Kleidungsstücke und Accessoires durch die saloppe Wortwahl "pantoffeln" in den Hintergrund gerückt. Die Verwendung der Anglizismen "look" (Z.9) und später auch "how COOOOOL" (Z.15) spiegelt die Internationalisierung dieses Phänomens wider. Es steht dafür, dass wir alle in einer Welt der Täuschung, Unehrlichkeit leben und uns teilweise hinter unserer Kleidung und der Fassade verstecken.

"EGAL!" (Z.11), 2WAS SOLL'S"(Z.24), "PAHHHH..." (Z.28) und "...NA UND..." (Z.30) sind Emphasen mit Kapitalen, die die Aussagen des Desinteresses und der Coolness der Menschen ausdrücken. Es stört uns keineswegs, wenn wir gesagt bekommen, dass unsere Gesellschaft sich durch Kleidung und Aussehen täuschen lässt und sich darüber definiert. Unsere Persönlichkeit  geht verloren, wir lassen uns zu schnell von Medien wie Fernsehen, Zeitungen, Computer beeinflussen und wir wollen es nicht wahrnehmen. Die Akkumulation "paris, mailand, london, new york..." kann mit berühmten Städten weitergeführt werden,  die für Modetrends, Glamour, Stars und besonderes Modebewusstsein stehen. Die rhetorische Frage "was kostet das schon?" (Z.13) ironisiert die vorige Aussage. Wir wissen alle, dass es die Städte der Berühmtheiten sind und sich ein Mensch mit durchschnittlichem Einkommen dort niemals dem Konsumwahn "unterwerfen2 kann ohne sich zu verschulden. "ein hairstyling bei hinz, ein latte macchiato von kunz, ein ferrari und ein whirlpool [...]" (Z.14) sind Beispiele für unsere heutigen Vorstellungen von unserem Lebensalltag und verdeutlichen die Bildhaftigkeit. "hinz, kunz, ferrari, whirlpool" ist ein Zeugma. Dabei stehen "hinz und kunz" für "jedes Individuum" und wertet die Bedeutung eines "ferraris und whrilpools" ab, die sich nur reiche Menschen kaufen können. "how COOOOOL" (Z.15) ist ein Neologismus und beschreibt die heutigen, neuen Entwicklungen und Veränderungen der Werte unserer Generation. In Zeile 16 "wir sind nicht wählerisch- ALLES wird gebraucht!" verwende ich das erste Mal "wir". Wir Menschen, die heute auf dieser Welt leben, werden angesprochen und deshalb steht das "wir" im Mittelpunkt des Gedichts. Das Ausrufezeichen am Ende der Zeile, die Pause und die Großschreibung intensivieren die Aussage und gleichzeitig die Hyperbel, dass wir "ALLES" brauchen. Nachdem der "cocktail geschlürft" ist (Z.17), eine Variation der Syntax, können  wir uns vielleicht durch den Alkohol von den strengen Verhaltensweisen und Normen unserer vorgelebten High Society lösen und auch mal so sein wie wir wirklich sind, ohne uns zu verstellen. In der 18. Zeile folgt eine Metapher "konsum-der weg aus der langenweile" und eine Anapher "weg vom [...], weg vom [...]" (Z. 20-21). Es verdeutlicht, dass uns der Konsum von den alltäglichen Tätigkeiten unseres Lebens, wie die Arbeit am Computer oder das Fernsehen, ablenken kann. Wir entfliehen und entziehen uns der Realität "weg aus der langenweile", hinein in die "tolle, heile Welt, ohne Probleme und Spannungen." Doch bevor wir völlig in die Welt des Konsums versunken sind, werden wir durch zahlreiche rhetorische Fragen (Z.22, 23, 25, 27) "geweckt" und zum Denken angeregt. Jeder Mensch soll sich darüber bewusst sein, ob uns nicht Treue, Liebe, "Ehrlichkeit" (Z.26) und Verlässlichkeit mehr wert sind als der Materialismus (Z.24) der uns schnell einholen kann. Entscheidend für ein erfülltes Leben ist nicht, wer oder was man ist, sondern nur wie man ist. Unsere Großeltern beweisen, dass es möglich ist ohne teures Make-up und ohne Gucci, Prada, D&G und Dior im Leben glücklich zu sein. Die rhetorischen Fragen geben Hoffungen auf einen Umschwung, auf Veränderungen, jedoch werden diese widerlegt "PAHHHH...ALLES unsinn" (Z.28). Es kommt zu einem Spannungsaufbau, ebenfalls auch in der 30.Zeile "...NA UND..." bis das "-AUS-" (Z.32) folgt. Der Traum ist zerplatzt. "die süße maus" (Metapher Z.32) stolpert, fällt hin (Akkumulation, Onomatopoesie Z.31) und die große Seifenblase mit dem "traumhaus" (Z.32) löst sich auf. Es ist die Rückkehr in die Realität und der Gedanke: "Was macht uns Menschen wirklich aus? Ist es etwa das Aussehen?". Niemals werden wir in der Scheinwelt glücklich werden, auch wenn wir es gern wollten.

Gerade in unserer Generation hat das eigene Aussehen eine hohe Bedeutung. Die Welt der makellosen Bilder, die uns umgibt, präsentiert uns Schönheitsideale, denen wir entsprechen wollen. Unsere Idole, etwa Robbie Williams und Madonna, sehen auf allen Fotos gut aus. Die Menschen wollen diesen Bildern entsprechen, weil hier Schönheitsvorstellungen mit Erfolg, Reichtum und vor allem mit Popularität assoziiert werden. Für viele von uns scheint dies gekoppelt zu sein mit dem eigenen Äußeren.

Wir machen ziemlich viel, um geliebt zu werden und bei anderen Mitmenschen gut anzukommen. Wir wollen den anderen gefallen. Und dafür müssen wir in erste Linie uns selbst gefallen. Der erste Eindruck zählt heute wohl mehr denn je. Es ist schon seltsam, wie sehr wir uns auf das Optische fixieren und uns dadurch selbst in unserer Wahrnehmung einschränken. Wir definieren uns durch Markenkleidung. Haben wollen, haben sollen – das bestimmt unser Leben in einem großen Maße. Materielle Dinge sind Ziel und kurzzeitige Erfüllung. Wir finden unser Glück auf Festen, bei tollem Essen und in der Umkleide von H&M. Wir brauchen all das und noch viel mehr.

Wer schwärmt nicht vom Traumhaus, das darauf wartet, nur noch gekauft zu werden, damit endlich der "Heile- Welt- Alltag" beginnt:

"Die Fenster meines Hauses gehen vom Parkettboden bis zur Decke, die sehr hoch ist und einer Altbauwohnung gleicht. Die Verzierungen haben etwas Prunkvolles und Edles. Ein Raum beherrscht die Wohnung. Es gibt eine Minibar voller teurer Drinks, einem großen Esstisch für gemütliche Stunden mit Familie und Freunden. Außerdem gibt es einen metallenen Kühlschrank mit integrierter Eismaschine. Eine große Glasschiebetür führt, nicht weit vom Esstisch entfernt, auf eine große Dachterrasse, auf der hölzerne Gartenmöbel für Grillabenden und Partys im Sommer stehen. Am Abend und in der Nacht sieht mein Blick die Lichter der Stadt und die Sterne am Himmel. Es ist ein faszinierender Anblick. Im Wohnzimmerbereich führt ein eiserner Treppensteg zu einem Arbeitszimmer, in dem ein breiter Glastisch steht mit einem der teuersten Notebooks. Ein modernes Riesengemälde nimmt fast die ganze Wand dahinter ein. Neben dem Arbeitszimmer befindet sich das Marmorbad mit Whirlpool und Dampfbad. Von dort aus gelangt man in das geräumige Schlafzimmer mit "Kingsize-Bett" und Balkon. Natürlich darf der begehbare Kleiderschrank nicht fehlen. In die Wohnung gelangt man nur durch einen Fahrstuhl.

Morgens, nach dem Aufstehen, beginnt der Tag mit einem luxuriösen Frühstück zu zweit, mit Omeletts, Milchkaffee, Espresso, verschiedensten Aufstrichen, frischem Orangensaft, Jogurt mit Früchten. Man sitzt am großen Esstisch, die Sonne strahlt in die Wohnung, man lässt seinen Blick über die Dächer gleiten und es kommt ein zufriedenes und wohltuendes Gefühl auf. Nachdem die Zeitung gelesen ist, ist es Zeit zur Arbeit zu gehen. Das neue Prada- Jackett übergezogen und der Tag beginnt. Der Job macht Spaß und ist ziemlich locker, weil man dort eigentlich nur von Freunden umgeben ist. Mit ein paar von ihnen geht man nach der Arbeit ins Sport- oder Fitnessstudio und entspannt anschließend im Wellnessbereich. Danach überlegt man sich, wo man noch eine Kleinigkeit zusammen essen könnte und spricht über den Tag. Man zieht weiter, fährt mit seinem neu lackierten Ferrari in eine szenige Bar, trifft dort alte Bekannte, umarmt sich und ist einfach weiterhin zufrieden. Man trinkt die neuesten Cocktails und der loungige Elektrosound im Hintergrund lädt zur Entspannung ein. In einer SMS erfährt man, dass gleich der Lebenspartner hinzustoßen wird. Es wird ein zweiter und dritter Drink bestellt, man muss nächsten Morgen früh raus, aber die Arbeit ist einfach. Hier noch ein Gespräch, dort noch einmal stehen bleiben und gegen zwei, halb drei fährt man mit dem Partner im Ferrari nach Hause und fragt, wie der Tag so war. "Gut war er. Das Wetter war nicht das tollste, ein paar stressige Termine, aber ansonsten lief alles glatt." Der Fahrstuhl bringt uns bequem in die Wohnung. Einmal in die Hände geklatscht und schon geht die sanft gedimmte Abendbeleuchtung an. Noch schnell einen Drink und mit einem wohligen Gefühl wird schlafen gegangen."

All das ist wahnsinnig naiv, aber es wird uns Tag für Tag in Filmen und Zeitungen vorgelebt. Wir beginnen davon zu träumen und können uns kaum davon lösen.

Träume gehören zum Leben, aber es ist wichtig, dass wir ihnen auch entfliehen und in die Wirklichkeit zurückkehren können. In vielen Zitaten von Künstlern wird gesagt, wir sollen unsere Träume leben, aber wir können auch sehr enttäuscht werden, wenn sich unser Wunsch nicht erfüllt und wir trotz langer und beschwerlicher Arbeit nicht an das Ziel kommen. Wir müssen realistisch bleiben. Unsere heutige Gesellschaft ist so massiv auf Reichtum, Schönheit, Ruhm, Glanz und Ehre fixiert, dass es manchmal schon schwer fällt, seinem Ich treu zu bleiben, das zu tun, was Ich will, dass anzuziehen, was mir gefällt.

Wir müssen zur Ich- Identität zurückkehren und uns nicht immer und ausschließlich nach der Gesellschaft richten. Es ist wichtig, dass wir unsere Individualität niemals für andere aufgeben.

In früheren Zeiten kam es weniger zu Problemen was die Täuschungen, Unsicherheit und die Unehrlichkeit betrifft. Die wahre Liebe gab es auch ohne Internet, der Charakter war entscheidend und nicht das teuerste Parfüm von Douglas oder das neuste Rouge, dass sie Wangenknochen besondern gut hervorhebt. Die Menschen mussten ihr Äußeres und ihr Auftreten nicht auf die Kleidung und Make-up stützen. Die Generationen der 20'er bis 40'er Jahre können auch heute noch sagen, dass sie damals glücklich waren, trotz mangelnder Produkte und schwerer Kriegszeit. Sie blieben ihrem Ich treu, der Zusammenhalt war vorhanden und nicht der Zwang einem bestimmten Ideal zu gleichen, weil sonst der Ausschluss aus der Gemeinschaft folgte.

Was wird eines Tages von unserer Generation übrig bleiben, wenn wir Coolness subtrahieren?

Graphische Darstellung des Gedichts

Die Darstellung des Gedichts als Bild kann hier eingesehen werden.

letzte Aktualisierung 26. September 2010