
Die Erlebnisgesellschaft ist der erste kollektive Antwortversuch auf die Frage nach dem Glück.
In der Vergangenheit gab es keinen Überfluss. Der Mensch kämpfte ums tägliche Überleben.
Ausreichend Nahrung, soziale Bindungen und kontinuierliche Lohnarbeit waren höchstes Glück.
Im Laufe der Zeit wurde der Mensch vom Kampf ums Überleben entlastet. Sie brauchten sich keine Gedanken darüber machen, ob sie den nächsten Tag erleben.
Die Gemeinschaft war nicht mehr überlebensnotwendig.
Wichtige Säulen des Glücks früherer Generationen wie
Die Suche nach dem Glück brauchte neue Antriebe. Der Glücksbegriff musste neu definiert werden. Als Folge nahm der Hang zu individualistischer Glücksfindung zu.
Das soziale Netz unseres Staates hat die Vorstellungen des früheren Glücksbegriffs präsent gemacht. Wir leben im Überfluss. Das Individuum muss zur Selbsterfüllung ein neues Glücksziel definieren.
Dieses Glücksziel eines Einzelnen kann nur erricht werden, wenn sich andere Individuen diesem Ziel anschließen. Ohne ein hinzukommen gleicher Auffassungen und Ansichten führt die Glücksvorstellung eines Individuums zu Verunsicherungen und Enttäuschung auf der Suche nach dem "Was will ich eigentlich?".
Individuen strukturieren sich deshalb in Erlebnisorientierungen oder Erlebniswelten neu.
Die Soziologen unterschieden folgende Typen von Erlebniswelten:
Gemein ist allen Welten, dass sie nach einem Nonplusultra streben. Jedoch ist die Abgrenzung zwischen den einzelnen Welten nicht strikt sondern schwimmend.
Mit der Bindung des Einzelnen in Erlebniswelttypen sind Vorraussetzungen geschaffen, dass Individualisierung nicht die Auflösung von Gesellschaftsstrukturen bedeutet, sondern das sich die Individuen neue soziale Zusammenhalte schaffen.
Die Befriedigung einzelner Erlebniswelttypen wird zunehmend erschwert. Vor allem Institutionen deren Aufgaben auf die Bedürfnisbefriedigung der Gesamtbevölkerung ausgerichtet sind, haben zunehmend mit der Gruppierung in Erlebniswelttypen zu kämpfen und mussten ihre Methoden, das Einzelindividuum anzusprechen, neu überdenken.
Als Beispiel sei hier der Gottesdienst der evangelischen Kirche herangezogen.
Der Kirche fiel es zunehmend schwer, ihre Gottesdienste auf einzelne Erlebniswelttypen auszurichten.
Die Idee einer einheitlichen Gestaltung von Gottesdiensten musste neu überdacht werden.
Ein Gottesdienst ausgerichtet z.B. auf die Harmonieweltindividuen führt bei Niveauweltindividuen zu Abneigungen und umgekehrt. Die unterschiedlichen Erlebnisweltindividuen konnten nicht individuell betreut werden.
Die Kirche beschloss, sich nicht auf die Befriedigung von Einzelerlebnisweltindividuen einzulassen. Sie würde dadurch den Halt aller Individuen verlieren. Schlussfolgernd hat die Kirche beschlossen, den Gottesdienst strikt am Evangelium auszurichten und damit jeden Gottesdienstbesucher zu erreichen. Die Formen des Gottesdienstes können jedoch variieren.
Das Problem liegt in der Begrenzung des Glücksbegriffs in den Erlebniswelten. Er ist:
Folgt man der Definition des Glückbegriffs wird man schnell feststellen, dass die Suche nach dem Glück begrenzt ist. Das Streben nach immer mehr "Erlebnis" kann irgendwann nicht mehr befriedigt werden. Steigerungen des „Erlebnis“ sind technisiert und in absehbarer Zeit beendet.
Die Lösung mag in der Aufweichung des Glücksbegriffs für das Einzelindividuum liegen. Es muss in die Lage versetzt werden, sich anderen Annäherungen an das Glück zu öffnen, d.h. die Einseitigkeit des Glücksbegriffs zu verlassen. Bei näherer Betrachtung bieten sich drei Hauptansatzpunkte:
Ob diese Lösungsansätze eine Weiterentwicklung des Glücksbegriffs des Menschen bedeuten können, hängt davon ab, ob Menschen am Ende der Erlebniswelt noch in der Lage sind, und das ist das allerwichtigste, miteinander zu kommunizieren, sich den Gedanken Anderer zu öffnen und somit einen kollektiven Lernprozess einleiten und erfolgreich beenden zu können.