Fürstenberg

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Erziehung

Erziehung

Begriffserklärung Erziehung

Erziehung

Althochdeutsch: irziohan= heranziehen

  • Kommt um 1800 auf
  • Der Begriff ist umstritten und es gibt keine einheitliche und allgemeine Definition
  • Helmut Fend
    •  "Unter Erziehung sind alle Maßnahmen zu verstehen, die Erwachsene in Interaktion mit Heranwachsenden ergreifen, um Lernvorgänge hervorzurufen, die zu wünschenswerten Ergebnissen führen."
  • Hans Hielscher
    • "Erziehung bezeichnet einen Vorgang der Eingewöhnens in einen gegebenen Zusammenhang von Verhaltensregeln und traditionell vorgegebenen Sitten."
  • Charakteristisch für Erziehung ist:
    • Kompetenzgefälle vom Erwachsenen zum Zögling
    • Interaktionsprozess zwischen dem Zögling und dem Erwachsenen
    • Rollenverteilung zwischen dem Zögling und dem Erwachsenen
    • Intendiertes methodisches Vorgehen
    • Ist gebunden an Gegenstände und Themen
    • Eingebettet in Institutionen (Familie, Schule, Kindergarten) und in einen historischen-gesellschaftlichen-sozialen Kontext
    • Erziehung behebt Defizite des sozialen Miteinander, bringt die Gesellschaft voran und gilt als Grundlage von Entwicklung
    • Ziel ist die Integration des Zöglings in die Gesellschaft
    • Bewusste, geplante, intendierte Einflussnahme auf die Entwicklung von Menschen
    • Heranführung an Normen und Werte
    • Heranführung an Selbstständigkeit
  • Wandel des Erziehungsbegriffs:
    • Traditionell: Erziehung war Aufgabe der Familie
    • Heute: Erziehung ist nicht ausschließlich Aufgabe der Erziehung
      • Zahlreiche Institutionen, die den Eltern beim erziehen helfen (Kindergarten, Vorschule, Schule, Vereine, weiterführende Schule)

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Einführung in die Montessori-Pädagogik

Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung (Ingeborg Hedderich)

Anthropologischer Ansatz

  • Die anthropologischen Aussagen von Maria Montessori lassen sich zu drei Kategorien zusammenfassen: Mensch als Lebewesen, Mensch als auf die Gemeinschaft ausgerichtete Person und Mensch als Gottesgeschöpf
  • Die zentrale Kategorie ist die Personalität
  • Geist und Intelligenz stehen im Mittelpunkt der menschlichen Existenz und kennzeichnen die menschliche Eigenart
  • Nach der Geburt ist das Kind in einer schutzbedürftigen und abhängigen Situation
  • Es kommt nicht "fertig" auf die Welt und es bedarf der Umwelt, um sich entwickeln zu können
  • Die Entwicklung vollzieht sich auf der Grundlage des von der Natur mitgegebenen Bauplans
  • Montessori unterstreicht die Eigeninitiative des jungen Menschen beim Selbstaufbau

Kosmische Theorie

  • Ihre kosmische Theorie geht von einem unvollendeten aber einheitlichen Schöpfungsplan aus
  • Als kosmisch Handelnder kommt ihm die Funktion zu, verändernd auf die Natur Einfluss zu nehmen
  • Alles steht als Teil des Universums in Verbindung zueinander, um eine größere Einheit zu bilden

Religiöse Dimension

  • Religiöse Erziehung ist für jeden Menschen erforderlich, andernfalls verkümmert eine zentrale Dimension des Menschseins
  • Religion soll Fundament des menschlichen Daseins sein
  • Die eigentlich religiöse Erziehung erfolgt nicht durch die Erzieherin, sondern durch das Kind selbst
  • Das Kind ist von Natur aus gut
  • Fordert eine Umkehrung der Machtverhältnisse "Das Kind wird unser Lehrmeister; der Erwachsene wird zum Diener des Kindes."
  • Fordert auch eine Erziehung zum Frieden - Kind ist "Lehrmeister des Friedens", da es Frieden in sich trägt und bringen kann
  • Sinneserziehung dient der Sinnesschulung, der Intelligenzentwicklung und dem Persönlichkeitsaufbau
  • Die passive Rolle nimmt der Erwachsene ein, um der Aktivität des Kindes Raum zu geben
  • Passivität bedeutet Zurückhaltung
Die "alte" Lehrerin Die "neue" Lehrerin
Bildung vermitteln Bei der Entwicklung behilflich sein
Aktivität der Lehrerin Aktivität des Kindes
Aktivität Geduld
Disziplin Geduld
Unterrichten Beobachten
Unterrichten Beschenken
Reden Schweigen
Das Kind soll an der Lehrerin hängen Das Kind wird unabhängig
Arroganz Würde
Hochmut intellektuellen Reichtums, der sich der Armut aufzwingt Kindliche Konzentration nicht stören
Stolze Würde der Unfehlbarkeit Kleid der Demut
Dunkelheit

Licht

Ermüden Beleben
Wortschwall Wenige Worte
Von der Sache ablenken Sachlichkeit
Laut Still
  • Kinderarbeit wird als schöpferische Arbeit angesehen mit dem Ziel der Erschaffung einer menschlichen Persönlichkeit
  • Die Arbeit des Kindes wird nicht bewusst geplant, muss aber vom Kind selbst verrichtet werden
  • Die Arbeit des Kindes wird in 3 Phasen eingeteilt
    • 1. Phase: "vorbereitende Stufe"
      • Es ist die Phase der Einstimmung, des Suchens und des Ausprobierens
    • 2. Phase: "große Arbeit"
      • Hier wendet sich das Kind intensiv und ausdauernd einer wesentlichen Arbeit über einen längeren Zeitraum zu
      • Diese Phase wird beendet, wenn das Kind innerlich gesättigt ist und seine innere Entwicklung einen Abschluss gefunden hat
  • 3. Phase:
    • Spielt sich nur innerlich ab
    • Phase des Abschlusses und des Ausruhens, die durch Zufriedenheit geprägt wird
  • Im Kinderhaus stehen das Sinnesmaterial und die Übungen des täglichen Lebens im Zentrum
  • Bedeutsame Charakteristika des Materials sind zu nennen:
    • Begrenzung: Durch mengenmäßige Begrenzung wird die Überschaubarkeit des Materials gewährleistet. Die äußere Ordnung führt zur inneren Ordnung des Geistes.
    • Ästhetik: Die Materialien müssen Aufforderungscharakter und Anziehungskraft für das Kind haben.
    • Aktivitätsmoment: Das Kind muss mit dem Material handeln können und Wiederholungen erfahren können. Das Material soll Interesse wecken und über längere Zeit aufrechterhalten.
    • Fehlerkontrolle: Die Selbstkontrolle erfolgt durch das Material und führt das Kind zu Unabhängigkeit und Selbständigkeit.
  • Das strukturierte Material hilft dem Kind, die Welt zu ordnen
  • Das Kind gelangt über die äußere Ordnung zu einer inneren Ordnung und treibt den Intelligenzaufbau des Kindes voran
  • Die Förderung der Intelligenzentwicklung ist zentrales Anliegen der Montessori-Pädagogik
  • Das Material ist autodidaktisch, d.h., es enthält die Fehlerkontrolle in sich selbst und ermöglicht dem Kind den eigenständigen Umgang

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Montessoris Konzeption einer Elementarerziehung

Aden-Grossmann, Wilma (2002): Kindergarten. Eine Einführung in seine Entwicklung und Pädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 83-92.

Montessoris Konzeption einer Elementarerziehung

  • Montessori kritisierte:
    • Den Drill, die Reglementierung, die Unfreiheit der Erziehung in der Schule
  • Im System von Belohnung und Strafen erkannte sie die Mittel, mit denen aus unterdrückten Kindern gehorsame und unterwürfige Bürger gemacht wurden
    • Sie setzte dem eine Erziehung ohne Zwang entgegen, durch die die Kräfte des Kindes sich entfalten können
  • Pädagogische Grundsätze: Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit

Die soziale Aufgabe der "casa dei bambini" (Kinderhaus)

  • Einrichtung für Kinder zwischen drei und sechs Jahren
  • Vergleichbar mit unseren Kindertagesstätten
  • Kinderhäuser erfüllen soziale und pädagogische Aufgaben
  • Sie waren ein Teil eines römischen Sanierungsprogramms
  • Gesellschaft hatte in dem Stattviertel Roms San Lorenzo 58 Häuser erworben, die keine sanitären Einrichtungen enthielten
  • In San Lorenzo lebten Arbeiterfamilien gleich neben Verbrechern, Prostituierte und Menschen, die in äußerstes Elend geraten waren
  • Innerhalb eines Versuchs, sowohl die Wohnmöglichkeiten als auch den Charakter der Gegend zu verbessern, hatte man die ordentlichen Familien aus der Arbeiterklasse gesammelt und große Mietshäuser für sie aufgebaut
  • Nach der baulichen Sanierung von zunächst 4 Häusern wurde den Mietern die Auflage erteilt, für die Pflege und Instandhaltung des Hauses selbst zu sorgen
  • Da in der Regle beide Eltern arbeiteten, blieben die Kinder im Vorschulalter sich selbst überlassen und wurden zu "unverständigen kleinen Vandalen"
  •  In jedem der vier Häuser wurden die Kinder zwischen drei und sechs Jahren in einem großen Saal gesammelt und von einer Lehrerin unterrichtet
  • Maria Montessori übernahm 1907 die Leitung und nannte sie "casa dei bambini"
  • Das Kinderhaus wurde von den Mietern indirekt finanziert
  • Da die Mieter die Instandhaltung selbst übernahmen, konnte die Gesellschaft das dafür vorgesehene Geld für die Kinderhäuser verwenden
  • Daher war der Besuch des Kinderhauses unentgeltlich
  • Die Mütter hatten die Verpflichtung, die Kinder sauber in das Kinderhaus zu schicken und wenigstens einmal wöchentlich mit der Leiterin über ihre Kinder zu sprechen
  • Für eine intensive Verbindung von Kinderhaus und Familie wurde dadurch Sorge getragen, dass die Erzieherin im Hause wohnte
  • Die Schule ist also in das Haus verlegt und wird dazu zum Eigentum der Gemeinschaft
  • Montessori schwebte vor, in den Häusern weitere Gemeinschafteinrichtungen zu schaffen, wie eine Krankenstation, eine Gemeinschaftsküche, Leseräume usw.
  • Sie verstand das Kinderhaus als einen ersten Schritt zur "Sozialisierung des Hauses"
  • Es gab - durch die unmittelbare Einbettung in die sozialen Beziehungen der Familien am Wohnort - die Möglichkeit, auf die Familien einzuwirken und das Interesse der Mütter an der Erziehung und Pflege der Kinder zu wecken
  • Die Mütter konnten das Kinderhaus jederzeit besuchen und das Leben ihrer Kinder dort beobachten
  • Dadurch sollten die Mütter angeleitet werden, die Erziehung ihrer Kinder weiterzführen, wenn sie in die Schule kommen würden
  • Die Mütter waren z.T. Analphabeten und als ihre Kinder im Kinderhaus lesen lernten, bemühten sich die Mütter, es ebenfalls von ihren Kindern zu lernen
  • Zu dem sozialen Programm gehörte auch die Kontrolle der körperlichen Entwicklung der Kinder
  • Die Lehrerin stellte regelmäßig Größe und Gewicht der Kinder fest und badete sie einmal wöchentlich
  • Die Untersuchungen durch den Schularzt bezogen sich auf den körperlichen Gesamtzustand (frühe Lähmungserscheinungen, Sehvermögen)
  • Arzt hatte auch therapeutische Maßnahmen zu ergreifen und beriet die Mütter in der Pflege und Ernährung der Kinder

Die pädagogischen Methoden im Kinderhaus

  • Montessoris Ziel: Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der Kinder zu fördern
  • Montessori kritisiert die herkömmliche Erziehung, in der Kinder als unselbstständig gehalten werden und Erwachsene sie wie ein Objekt behandeln, nicht wie ein Mensch, den man achten sollte
  • Montessori fordert, die Würde des Kindes zu achten, daher verboten sich Strafe und Lohn in der Erziehung
  • Das Kind strebt nach Freiheit und Kraft aus seinem Inneren
  • Montessori hatte es auch mit vernachlässigten Kindern zu tun, die teilweise Verhaltensstörungen zeigten
    • Störende Kinder wurden von den anderen Kindern abgesondert
    • Sie wurden an einem Tisch in der Ecke des Zimmers gesetzt, von wo aus sie die anderen Kinder sehen konnten
    • Sie erhielten Materialien, mit denen sie sich gern beschäftigten
    • Diese Maßnahme sollte keinen Charakter einer Strafe erhalten, denn man nahm an, dass das Kind innerlich nicht so geordnet sei, um sich sozial angepasst zu verhalten
    • Die Ruhe, sich allein beschäftigen zu können und die liebevolle Zuwendung der Erzieherin sollten dem Kind helfen, innerlich geordneter und zufrieden zu werden
  • Montessori hat sich keiner psychischen Richtung angeschlossen
  • Sie hatte eigene psychologische Anschauungen entwickelt, durch ihre Erfahrungen als Ärztin und ihrer pädagogischen Modellversuche

Die Einrichtung des Kinderhauses und die Beschäftigungsmittel

  • Die pädagogische Arbeit im Kinderhaus beginnt mit der Einrichtung der Räume
  • Alle Einrichtungsgegenstände müssen den kindlichen Proportionen entsprechen und auf seine Bedürfnisse abgestimmt sein
  • Montessori möbliert die Kinderhäuser mit beweglichen kleinen Tischen und Stühlen, mit niedrigen Waschbecken, die es den Kinder erlauben, alle häuslichen Verrichtungen selbst zu tun
  • Disziplin hieß nicht stillsitzen und ruhig sein, sondern mit Geschicklichkeit und Rücksichtnahme tätig werden
  • Bei dem didaktischen Material ging Montessori davon aus, dass es nur dann gut und gelungen war, wenn das Kind damit selbsttätig lernen konnte
  • Fehlerverhalten und Irrtümer des Kindes bei der Anwendung des Materials konnte das Kind selbstständig erkennen und durch wiederholte Versuche korrigieren, sonst halfen die Eingriffe des Erziehers, mit ihm die "richtige", eindeutige Verwendung zu üben
  • Eine Gruppe von Materialien diente der Übung der Sinne (Tastübungen, Erziehung des Geschmacks- und Geruchssinnes, Übungen der Wahrnehmung, Erziehung des Gehörsinnes)
  • Kinder wiederholen die Übungen einige Male, bis sie sicher beherrscht wurden, dann hatten sie das Interesse verloren
  • Das Montessori-Material ist kein Spielzeug mit dem das Kind wieder und wieder spielt, sondern es ist Lehrmaterial, das so konzipiert ist, dass die Lehrerin nicht ständig eingreifen muss, sonder die Selbsttätigkeit des Kindes im Vordergrund steht
  • Auch in der "intellektuellen Erziehung" des Kindes soll mit größter Einfachheit vorgegangen werden
  • Wie bei der Erziehung der Sinne geht es darum, dass die Aufmerksamkeit des Kindes isoliert auf einen Gegenstand gelenkt wird
  • Der erste Schritt ist die "Namengebung"
  • So berührt z.B. die Lehrerin die glatte und anschließend die raue Karte und sagt dazu: "Das ist glatt, das ist rau."
  • In der nachfolgenden Probe soll die Lehrerin herausfinden, ob das Kind Namen und Sachen assoziiert
  • Sie fragt also: "Welches ist glatt, welches ist rau?"
  • Das Kind deutet auf den jeweiligen Gegenstand
  • Macht das Kind hierbei einen Fehler, so darf es nicht verbessert werden, sondern die Lehrerin unterbricht den Unterricht und nimmt ihn ein andermal wieder auf
  • Montessori lehnt die Verbesserung ab, weil hierin ein unausgesprochener Tadel liegt, der das Kind möglicherweise entmutigt
  • Nach Montessoris Methode dürfen die Kinder das Material nur nach dem ihm innewohnenden Zweck gebrauchen
  • Verwenden sie es phantasiemäßig, dann werden die Kinder ermahnt
  • Die gesamte Erziehung war auf die Realität ausgerichtet, wohingegen das freie Spiel kaum Förderung erfuhr
  • Das Montessori-Material fördert die intellektuelle Entwicklung der Kinder
  • Die emotionalen Bedürfnisse werden eher mit dem Fröbel-Material befriedigt

Die Lehrerin

  • Die Anwendung des Montessori-Materials und die Befolgung des Prinzips der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit des Kindes erforderte eine konsequente Änderung des Verhältnisses zwischen Kind und Erwachsenem
  • Es verlangt von dem Erwachsenen die Achtung vor dem Kind und den Verzicht auf Zwang und Herrschaft in der Erziehung
  • Das bedeutet größte Zurückhaltung der Lehrerin, um die Aktivität des Kindes zu ermutigen und nicht durch die Autorität von Erwachsenen zu lähmen
  • In der Montessori-Klasse gibt es kaum eine gemeinsame Unterweisung der Kinder
  • Der Unterricht erfolgt meist individualisierend
  • Die Kinder wählen das Material, mit dem sie arbeiten wollen, die Lehrerin greift nur ein, wenn die Kinder Hilfe benötigenNicht Tadel  oder Ermahnungen hatten diese „Zucht“ bei den Kindern hervorgebracht, sondern die Arbeit mit dem Material
  • Die Lehrerin soll im Hintergrund bleiben, soll eigentlich passiv sein und dennoch mit der größten Aufmerksamkeit die Kinder beobachten
  • Sie soll nur dann eingreifen, wenn Kinder das Material nicht in der vorgesehenen Weise handhaben

Maria Montessori "Zehn Grundsätze des Erziehens"

Becker-Textor, Ingeborg (2007, 2008): Maria Montessori. Zehn Grundsätze des Erziehens. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH.

Vorwort

  • Maria Montessori fordert die neue Lehrerin:  Der Begriff Lehrerin kann gleichgesetzt werden mit Erzieherin, Mutter, Vater – Menschen, die im Alltag mit Kindern zu tun haben und nicht unbedingt professionelle Pädagogen sein müssen
  • Die Erziehungsgedanken Montessoris lassen sich auch ohne Einsatz des nach ihr benannten Materials umsetzen
  • Eine optimale Ergänzung sind natürlich die Montessori - Materialien, weil sie auf den Grundprinzipien wie Freiheit, Selbsttätigkeit aufbauen und Lernprozesse wesentlich positiv beeinflussen
  • Einsatz des Materials nützt nichts, wenn die Haltung gegenüber dem Kind autoritär, bestimmend oder fordern ist
  • Das Kind steht neben dem Erwachsenen, ist quasi gleichberechtigt
  • Das Kind fordert "Hilf mir, es selbst zu tun."
  • Das Kind sagt ganz deutlich, dass es keine Einmischung oder aktive Hilfe will
  • Es will nur, dass der Erwachsene ihm Hilfestellung gibt, Brücken baut, damit es eine Aufgabe und letztlich sein Leben selbst bewältigen und meistern kann
  • Das Kind ist Baumeister seiner selbst
  • Viele Kräfte schlummern in ihm, die es zu entdecken bereit ist
  • Verstehen wir den Erwachsenen und sein Handeln als das Zündholz und beobachten dann, wie sich das Kind entwickelt in seiner Umgebung, die durch uns Erwachsene vorbereitet wird
  • Wir werden zu Lebensbegleitern für das Kind
  • Montessoris Ziel für das frühe Kindesalter: "Unser erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben."

Maria Montessori - ihre Methode

  • Früher war das ausschließliche Ziel der Erziehung, auf das alle ihre Anstrengungen gerichtet waren, das Kind für das soziale Leben, das es einmal zu führen hätte, vorzubereiten. Deshalb war man vor allem darauf bedachte, dass es die Erwachsenen nachahme, man zwang es, die schöpferischen Kräfte seines Geistes unter dem Nachahmungstrieb zu ersticken, man lehrte es vorzugsweise, was zu wissen für unentbehrlich gehalten wurde, um in der zivilisierten Welt zu leben.
  • Die völlige Angleichung an eine Form des sozialen Lebens, das nicht das natürliche Leben der Kinder ist und welches erst dann das ihre ist, wenn sie erwachsen sind, führte dazu, dass das Kind in der alten Schule und in der alten Form der Familienerziehung nicht nach seinem wahren Wesen eingeschätzt wurde
  • Das Kind war nur eine "Zukunft", es stellte nur ein "Werden" dar, deshalb zählte es nicht, bis es ein Erwachsener geworden war
  • Kind ist eine freie Persönlichkeit
  • Seine Seele bedarf unserer Fürsorge
  • Materielle Dinge können den Menschen in jedem Lebensalter verderben
  • Die soziale Umgebung, die wir uns geschaffen haben, passt nicht für das Kind, es versteht sie nicht
  • Kind kann sich der Gesellschaft nicht anpassen, von der es ausgeschlossen wird
  • Kind wird der Schule anvertraut, die oft zu einem Gefängnis wird
    • Verhängnisvolle Wirkung der Schule, in der mit alten Methoden unterrichtet wird
    • Kinder leiden darunter nicht nur körperlich, sondern auch moralisch
  • Auch in der Familie herrscht der gleiche Grundirrtum: Man denkt ausschließlich an die Zukunft des Kindes, seine zukünftige Existenz. Man achtet fast niemals auf die Gegenwart, das heißt, auf die Dinge, deren es bedarf, um in seiner Altersstufe zu leben.
  • Unter allen Bedürfnissen des Kindes vernachlässigt man das menschlichste: die Ansprüche seines Geistes, seiner Seele. Der Mensch im Kinde bleibt uns verborgen.
  • Wenn wir die Mühe, die wir auf das Kind verwenden, um ihm eine Welt, eine geeignete Umgebung zu schaffen, als unbedingte und dringende Notwendigkeit betrachten, dann vollenden wir ein großes Werk zum Nutzen der Menschheit
  • Das Kind kann in der komplizierten Welt des Erwachsenen kein ihm gemäßes Leben führen
  • Mit den Beaufsichtigungen, den Ermahnungen, den Beleherungen und den Befehlen stört und hindert der Erwachsene die Entwicklung des Kindes
  • Alle aufkeimenden guten Kräfte werden erstickt, nur eines bleibt dem Kind: der heftige Wunsch, sich möglichst von allem und von allen zu befreien
  • Die Freiheit des Kindes kann nicht darin bestehen, dass wir es "sich selbst überlassen" oder es vernachlässigen
  • Wenn wir die Umgebung des Kindes sorgfältig vorbereiten, so ist dies schon eine große Aufgabe, da es sich darum handelt, eine neue Welt zu schaffen: Die Welt der Kinder
  • Kaum sind die kleinen Gegenstände , die die Kinder wirklich gebrauchen können vorbereitet, so ordnet sich ihre Tätigkeit in verblüffender Weise
  • Ihre Willenskraft leitet ihre Bewegung, sie können ohne Gefahr auf sich selbst gestellt sein, da sie wissen, was sie wollen
  • Im Kinde lebt ein Bedürfnis, sich zu betätigen
  • Kind hat instinktiven Drang nach einer Tätigkeit, die alle seine Kräfte in Anspruch nimmt, denn nur so kann es seine Fähigkeiten vervollkommnen
  • Haus der Kinder
    • Einfache und praktische Gegenstände, deren Zweck es ist, der geistigen Entfaltung des Kindes zu dienen
    • Kleine, hübsche und leichte Möbel in lebhaften Farben
    • Fallen um, wenn sie angestoßen werden und sind leicht zu verrücken
    • edes Kind kann seinen Platz wählen und sich alles so zurechtrücken, wie es ihm gefällt
    • Da Möbel leicht sind, verraten sie jede ungeschickte Bewegung durch ein Geräusch
      • So lernt das Kind auf Bewegungen seines Körpers zu achten
    • Gegenstände aus Glas und Porzellan
      • Nach dem solche Gegenstände fallen gelassen und zerbrochen sind achtet das Kind auf die Bewegung seines Körpers
    • Die Umgebung selbst hilft ihm, sich ständig zu verbessern und wenn kleine Fehler passieren, dann greift die Lehrerin nicht ein, sie bleibt Zuschauerin
    • Nach und nach wird es dem Kinde so vorkommen, als höre es die Stimmen der Gegenstände, die in ihrer stummen Sprache reden und auf die kleinen Fehlleistungen hinweisen
    • Auch in der Schönheit der Gegenstände und der Umgebung liegt ein steter Ansporn für das Kind, tätig zu sein und seine Bemühungen zu verdoppeln
    • Alle Gegenstände sollen anziehend sein
      • die Staubtücher, Besen sollen bunt sein
      • kleine Bürsten
      • kleine runde oder rechteckige Seifenstücke
    • die Schönheit der Gegenstände zieht das Kind überall an und dringt in die Tiefe seines Gefühls ein
    • die menschliche Würde entspringt dem Gefühl der eigenen Unabhängigkeit
    • die Freude, die die Kleinen beim Arbeiten empfinden, lässt sie alles mit fast übermäßiger Begeisterung vollbringen
    • das was sie anspornt, ist die Verwertung latenter Energien und diese bestimmen auch die Dauer ihrer Tätigkeit
  • Betrachtung des Kindes als vollkommenes Wesen, als eigenständige und freie Persönlichkeit
  • Erwachsene haben die Pflicht, die Umgebung der Kinder vorzubereiten
  • Erwachsene müssen für das Kind Sorge tragen

1. Freiheit

  • Bedeutet nach Montessori: unabhängig, unbelastet, nicht beengt, nicht gebunden
  •  Wie sieht es aus, wenn wir Disziplin und Freiheit in Bezug setzen?
    • Aktive Disziplin: Ein Mensch ist diszipliniert, wenn er Herr seiner selbst ist und folglich über sich selbst gebieten kann, wo es gilt, eine Lebensregel zu beachten
    • Die Lehrerin muss eine besondere Technik anwenden, um das Kind auf einen solchen  Weg der Disziplin zu führen, den es dann sein ganzes Leben lang weitergehen soll, unaufhörlich der Vollkommenheit entgegen schreitend
    • Disziplin des Menschen ist nicht nur auf die Schule begrenzt, sonder gilt auch in der Gesellschaft
    • Dem Kind muss verboten werden, was andere Kinder kränkt, ihnen schaden kann oder was als unschicklich oder unfreundliche Handlung gilt
    • Doch alles andere, jede Äußerung, die einen nützlichen Zweck, ganz gleich in welcher Art und Form verfolgt, soll ihm nicht nur erlaubt, sondern soll auch vom Lehrer beobachtet werden
    • Lehrer muss viel Geduld als Aktivität mitbringen
    • Lehrer muss seine Stellung als Beobachter verstehen und empfinden
    • Eine erzieherische Maßnahme ist nur dann wirksam, wenn sie der vollen Entfaltung des Lebens Hilfe leistet
    • Verhinderungen von spontanen Bewegungen und das Aufzwingen von Handlungen sind zu vermeiden, es sei denn es handle sich um unnütze oder schädliche Handlungen, die unterdrückt und ausgerottet werden müssen
    • Kind ist im Zeichen der Ohnmacht, in der es geboren wird, als soziales Individuum von Bindungen umgeben, die seine Aktivität einschränken
    • Eine auf Freiheit gegründete Erziehungsmethode muss darauf abgestellt sein, dem Kind zu helfen, eben diese Freiheit zu erobern, und muss die Loslösung des Kindes von den Bindungen bezwecken, die seine spontanen Äußerungen einschränken
    • Die erste Form des erzieherischen Eingreifens sollte darauf gerichtet sein, das Kind auf dem Weg zur Unabhängigkeit zu führen
    • Man kann nicht frei sein, wenn man nicht unabhängig ist
    • Wer bedient wird, statt dass man ihm hilft, nimmt im gewissen Sinne an seiner Unabhängigkeit Schaden
  • Im Sinne Montessoris ist die Notwendigkeit einer gewissen Disziplin somit die Chance, Freiheit zu erreichen und zu leben
  • Es ist nicht von grenzenloser Freiheit die Rede, die Grenze ist bei der Gefährdung des Gemeinwohls
  • Was wäre Freiheit ohne Grenzen?
    • Um Freiheit wirklich ausleben zu können, müssen Kinder wissen, wie weit sie gehen können, was sie sich zumuten können
    • Freiheit bezieht sich auf das Denken und Handeln des Kindes
    • Durch das Aktivsein kann es Freiheit ausleben und irgendwann auch an seine Grenzen kommen
    • Ohne Grenzen wäre Freiheit langweilig, würde zerfließen, wäre nicht fassbar
  • Kind kann durch diese freie Aktivität einen Menschen aufbauen
  • Die Folge seiner freien Aktivität ist das rechte Wachstum, besonders in psychischer Hinsicht
  • Speziellen Aktivitäten (die Aktivzyklen genannt werden) werden großer Bedeutung zugemessen
  • Psychische Phänomene (Repressionen), rühren von Mangel an diesen Aktivitäten
  • Repressionen nicht so sehr dadurch, dass eine Strenge Person ein Kind veranlasst, still zu sein, nicht zu sehr durch direkte Handlung eines Erwachsenen, sonder weil ein Mangel an Aktivität die Entwicklung angehalten hat
  • Das Schreckliche ist, dass diese Kinder nicht entwickelt sind
    • Es ist ihnen nicht möglich gewesen, den natürlichen Grenzen entsprechend aufzuwachsen
    • Wenn einem Kind psychische Nahrung fehlt, wenn es in seiner Umgebung an psychischen Anreizen mangelt, wird sein normales Wachstum beschränkt und angehalten werden
    • Der Mensch der werden soll, wird nicht nur weniger gut entwickelt sein, er wird deformiert sein, er wird einen deutlichen Defekt haben
  • Es ist Menschrecht, dass das Kind in der rechten Weise aufwächst, denn der Mensch muss in wenigen Jahren aus dem Kind hervorgehen
  • Dieser Mensch muss die Rechte jeden Bürgers haben, das Recht, seine Kräfte regulär zu entwickeln, ein starker und normaler Mensch zu werden
  • Die Erwachsenen müssen die Kinder verteidigen
  • Die Erwachsenen müssen die wahre Menschheit in diesen Kindern sehen
  • Die nächste Generation muss stärker sein als wir es sind
  • Die Kinder von heute werden die Entdeckungen von morgen machen
  • Alle Errungenschaften der Menschheit werden ihnen bekannt sein, sie werden das Erreichte verbessern und neue Entdeckungen machen
  • Die Pflicht der Eltern ist es, die Kinder zu verteidigen und für sie zu sorgen, die schwach scheinen, obwohl sie in Wirklichkeit stark sind, die sich nicht selbst schützen können
  • Das Alter von zwei bis drei Jahren ist das wichtigste Lebensalter
    • Alle psychischen Organe der Persönlichkeit werden während dieser Zeit gebildet, der ganze Mensch, der die Möglichkeit hat zu sein (Periode der Schöpfung)
  • Wenn die Kinder etwas freiwillig tun, also in Freiheit aktiv werden und handeln, dann sind sie ausgeglichen und zufrieden
  • Sie öffnen sich für neue Lernerfahrungen und wollen immer weiter vorankommen
  • Das Kind muss ein Umfeld haben, in dem es Eindrücke sammeln kann, denn über diese baut es seine Intelligenz auf und wird dabei durch die sensitiven Kräfte gestützt
    • Erwachsener wartet, dass sich die Vernunft des Kindes mit der Zeit entwickle
    • Der von der Seele beherrschte Bewegungsapparat stellt das Werkzeug dar, mit dessen Hilfe der Mensch auf eine äußere Umwelt einzuwirken, seine Persönlichkeit auszudrücken und seine Mission zu erfüllen vermag
    • Bewegung ist nicht nur Ausdruck des Ichs, sondern ein unerlässlicher Faktor für den Aufbau des Bewusstseins
    • Bewegung bildet das einzige greifbare Mittel zur Herstellung klar bestimmter Beziehungen zwischen Ich und äußerer Realität
    • Bewegung ist wesentlicher Faktor zum Aufbau der Intelligenz
    • Die Wirklichkeit kann nur durch Bewegung aufgenommen werden
    • Direkte Verbindung zwischen den Bewegungsfunktionen und dem Willen
  • Bei dem Kinde, dass ein freies Leben führen darf, beobachten wir Handlungen, aus denen nicht nur das Bestreben spricht, Außeneindrücke in sich aufzunehmen, sondern auch die Liebe zur Genauigkeit in der Auffassung seiner Handlungen
  • Kinder können sich viel besser entwickeln und entfalten, wenn dies in Freiheit möglich ist
  • Freiheit fordert von den Erwachsenen Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis
  • In Freiheit können Kinder auch selbst entdecken
  • Sie können ihren Forscherdrang ausleben und können Erkenntnisse gewinnen, die ihrem Entwicklungsgrad und ihrer Intelligenz entsprechen
  • Nicht der Erwachsene lehrt sie etwas, sondern sie lehren sich selbst etwas, und nicht selten können wir Erwachsenen sehr viel von den Beobachtungen der Kinder profitieren
  • Einschränkungen, die Erwachsene aussprechen, dienen nicht der Entwicklung der Kinder
  • Kinder wollen Materialien oder Aufgaben nicht vorgegeben bekommen, sondern sie möchten selbst entscheiden
  • In der Familie, im Kindergarten und auch in der Schule bestimmen nicht die Kinder über die Benutzung eines Materials, sonder häufig die Erwachsenen
  • Dadurch werden die Kinder eingeschränkt und reagieren mit Unkonzentriertheit oder Lustlosigkeit
  • Kinder möchte frei wählen können
  • Das Kind möchte seine Lernschritte selbstbestimmt gehen und frei entscheiden
  • Nur in Freiheit kann das Kind sich entwickeln und seine Fähigkeiten offenbaren
  • Wahre Freiheit hat aber auch Grenzen und somit bewegt sich das Kind in seiner Entwicklung in einem Raum, der es schützt, aber auch Freiheit lässt

2. Die vorbereitete Umgebung

  • Große Bedeutung der Umgebung für die Lebewesen ist von der Biologie mehr und mehr erkannt worden
  • Ein Lebewesen kann nur dann gut erkannt werden, wenn es in seiner natürlichen Umgebung beobachtet wird
  • Wenn wir den Menschen beobachten, so sehen wir, dass er eher versucht, sich die ihm gemäßeste Umgebung zu schaffen, als sich seiner Umwelt anzupassen. Der Mensch lebt in einer sozialen Umgebung, in welcher bestimmte geistige Kräfte tätig sind: Die Beziehungen des Menschen zu seinesgleichen. Sie bilden das soziale Leben. Wenn ein Mensch nicht in einer geeigneten Umgebung lebt, dann kann er nicht alle seine Fähigkeiten normal entwickeln, und er kann nicht auf dem Grund seiner eigenen Seele forschen und lernen, sich selbst zu erkennen.
  • Kind hat keine ihm angemessene Umgebung- es lebt ja in der Welt des Erwachsenen
    • Kind braucht Umgebung, die der Größe, den Kräften und den psychischen Fähigkeiten der Kinder entspräche und wenn wir das Kind dort frei leben ließen, dann hätten wir bereits einen großen Schritt hin zur Lösung des Erziehungsproblems ganz allgemein getan; denn dadurch gäben wir dem Kind seine Umgebung.
  • Laut Montessori - wie Möbel für Kinder sein sollten, wie Räume ausgestattet werden müssten:
    • Möbel müssen leicht sein und so aufgestellt, dass das Kind sie bequem umhertragen kann, die Bilder müssen so niedrig hängen, dass das Kind sie mühelos betrachten kann; das Kind muss im Stande sein, alles zu benützen, dessen es für die Ordnung des Hauses bedarf, und es muss alle Arbeiten des täglichen Lebens ausführen können; es muss fegen, die Teppiche kehren, sich waschen, sich anziehen usw.
    • Außerdem sollen die Gegenstände gediegen (gehaltvoll, rein und gut) und anziehend sein.
    • Kinderhaus soll in den kleinsten Einzelheiten schön und gefällig sein, denn Schönheit ermuntert zur Tätigkeit, zur Arbeit (Kind wird viel lieber mit einem schönen Besen kehren, als mit einem hässlichen.)
    • Möbel im Kinderhaus sollen abwaschbar sein
      • Hygienische Gründe und sie geben Kindern Gelegenheit zu einer willkommenen Arbeit. Dabei lernen sie Acht geben, sehen die Flecken und gewöhnen sich mit der Zeit daran, für die Sauberkeit alles dessen, was sie umgibt, verantwortlich zu sein.
    • Kind verfügt noch nicht über geordnete Bewegungen und hat sich noch nicht in der Gewalt
      • Die kindlichen Muskeln vollführen viele ungeschickte Bewegungen, eben weil das Kind noch nicht die richtige Ökonomie und Geordnetheit gelernt hat.
      • Im Kinderhaus wird jeder Fehler, jede falsche Bewegung offenbar. Bei Bewegung macht der Stuhl brr... und das Kind wird sich sagen: "So geht's nicht gut."
    • Es sollen auch einige zerbrechliche Gegenstände vorhanden sein wie Gläser oder Vasen (für Bewegungserziehung des Kindes)
    • Ziel des Dreijährigen: Er strebt danach, Mensch zu werden, sich zu vervollkommnen und alles zu tun, was ihm bei dieser Vervollkommnung hilft; mit anderen Worten: Kind sucht sich zu üben, denn Übung bedeutet Entwicklung
    • Kind hat Freude an der Arbeit, an der Tätigkeit, denn Tätigkeit ist es, die ihm zum Leben verhilft- und dies ist die Quelle, aus der alle seine Anstrengungen entspringen
  • Oft wird die Erreichung dieses Zieles mit allen Kräften verhindert.
    • In den Schulen zum Beispiel befestigt man Tische und Bänke am Boden; die Kinder sind lebhaft, bewegen sich oft ungeschickt und merken nicht, dass sie eigentlich Tische und Bänke umwerfen würden, wenn sie nicht festgemacht wären.
      • So wird Ordnung in der Schule erhalten, aber die Kinder erwerben niemals geordnete Bewegungen.
  • Betrachten wir ein Kind in seiner Umgebung, die ihm entspricht und von seiner Natur verlangt wird- wir sehen wie es selbst an seiner Vervollkommnung arbeitet. Der richtige Weg dazu wird ihm nicht nur durch die Gegenstände gewiesen, die es gebraucht, sondern auch durch die Möglichkeit, selbst mittels dieser Gegenstände seine Irrtümer zu erkennen.
  • Eine schöne Umgebung, die das Kind leitet und die ihm Mittel bietet, seine Kräfte zu üben, erlaubt der Lehrerin, zeitweilig abwesend zu sein. (Müssen uns überwinden uns zurückzuziehen und das Kind zu beobachten, ihm gleichsam in einem gewissen Abstand folgen, ohne es mit unserem Dazwischentreten zu belästigen, doch auch ohne es jemals zu verlassen.)
  • In Hinblick auf das Kinderzimmer: Montessori vertritt die Auffassung, dass Kinder ihre Umgebung auch pflegen können und dass sie dafür attraktive Gerätschaften brauchen.
    • Besen und Schaufel in Kindergröße anschaffen
    • Auch sollen Kinder lernen, dass eine Porzellantasse zerspringt, wenn man sie fallen lässt. Bekommt ein Kind nur Plastikgeschirr, so lernt es nur schwer den Umgang mit Porzellan oder Glas.
      • In seiner Umgebung lernt das Kind achtsam zu werden, aber man muss es lassen!
  • Umwelt liefert nur die erforderlichen Mittel, vergleichbar den lebenswichtigen Stoffen, die der Körper durch Verdauung und Atmung von außen her aufnimmt. Die innere Empfänglichkeit bestimmt, was aus der Vielfalt der Umwelt jeweils aufgenommen werden soll und welche Situationen für das augenblickliche Entwicklungsstadium die vorteilhaftesten sind. Sie ist es, die bewirkt, dass das Kind auf gewisse Dinge achtet und auf andere nicht. Bestimmte Dinge werden dann betrachtet, andere nicht. Kind empfindet lebhaftes Bedürfnis, sich in bestimmte Situationen zu versetzen und bestimmte Dinge um sich zu haben; es entwickelt auch eine besondere Fähigkeit, diese Elemente seinem seelischen Wachstum dienstbar zu machen.
    • Während solcher Empfängnisperioden lernt das Kind, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden oder sein motorisches Muskelsystem bis in die feinsten Einzelheiten zu beherrschen.
    • "Wir können uns diese großartige Schöpfertätigkeit als eine Aufeinanderfolge von aus dem unbewussten auftauchenden, starken Emotionen vorstellen, die bei ihrer Berührung mit der Umwelt zur Bildung des menschlichen Bewusstseins führen. Ihr Weg führt von der Unbestimmbarkeit über die Bestimmtheit zur Tätigkeit, wie wir dies am Beispiel der Erwerbung des Sprechvermögens gut beobachten können."
  • Kinder sollen sich frei ausdrücken können und Bedürfnisse, Neigungen enthüllen, die verborgen bleiben oder unterdrückt werden, wenn keine geeignete Umgebung für spontane Aktivitäten vorhanden ist.
  • Eine den Proportionen des Kindes entsprechende Schuleinrichtung! S.60 f Bedingungen, die eine Äußerung des natürlichen Charakters bei den Kindern ermöglichen
  • Bei Gestaltung der Umgebung muss das Kind in den Mittelpunkt gestellt werden
    • Kind will, dass wir ihm helfen, alleine zurechtzukommen - "Hilf mir, es selbst zu tun!" Diese Forderung müssen wir in die Tat umsetzen!

3. Der absorbierende Geist und die sensiblen Perioden

  • Absorbieren bedeutet: aufsaugen, hinunterschlürfen
  • Begriff "absorbierende Geist": beschreibt eine Verhaltensweise des Kindes bzw. das Kind als ganzheitliches Wesen. Das Kind saugt auf, was es in seiner Umgebung sieht, erfährt, erlebt
  • Der Holländische Gelehrte De Vries entdeckte die Empfänglichkeitsperioden bei den Tieren
  • Dieselben "sensiblen Perioden" sind auch in der Entwicklung des Kindes festzustellen
    • Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die im Kindesalter auftreten
    • Sind von vorübergehender Dauer und dienen dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen
    • Sobald dies geschehen ist, so klingt die betreffenden Empfänglichkeit wieder ab
    •  So entwickelt sich jeder Charakterzug aufgrund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne
  • Das Wachstum ist ein Ergebnis einer inneren Arbeit, die von periodisch auftretenden Instinkten sorgfältig geleitet wird
  • Diese Instinkte nötigen das Lebewesen im gewissen Stadium seiner Entwicklung zu einem Energieaufwand
  • Hat das Kind nicht die Möglichkeit gehabt, gemäß den innerlichen Direktiven seiner Empfänglichkeitsperioden zu handeln, so hat es die Gelegenheit versäumt, sich auf natürliche Weise eine bestimmte Fähigkeit anzueignen, und diese Gelegenheit ist für immer vorbei
  • Kind nimmt die Sprache durch eine andere Geistesform auf: Ein Form von Intelligenz, die sich von den Erwachsenen unterscheidet
  • Erwachsene nehmen Wissen mit Hilfe der Intelligenz auf, während es das Kind mit seinem psychischen Leben absorbiert
  • In dem es lebt, erlernt das Kind die Sprache seiner Rasse
  • Die Eindrücke dringen in seinen Geist ein und formen ihn
  • Unbewusst nimmt es alles in sich auf und wechselt allmählich vom Unbewussten zum Bewussten über auf einen Weg, der voller Freude und Liebe ist
  • Das menschliche Bewusstsein erscheint uns als eine große Errungenschaft
  • Sie muss bewusst werden und einen menschlichen Geist erlangen
  • Diese Errungenschaften müssen wir teuer bezahlen, denn sobald wir das Bewusstsein erlangen, kostet uns jedes neue Wissen harte Arbeit und Mühe
  • Die Sprache in ihrer ganzen Komplexität tritt in seinem Geist auf und auch die Fähigkeit, seine Bewegungen je nach den Erfordernissen seines Leben zu steuern
  • Viele andere Dinge erlernt das Kind mit erstaunlicher Schnelligkeit
  • Es macht sich alles aus seiner Umgebung zu Eigen: Gewohnheiten, Sitten, Religion prägen sich fest in seinen Verstand ein
  • Die Bewegungen, die das Kind erlernt, werden der jeweiligen besonderen Entwicklungsperiode bestimmt
  • Durch Erfahrungen in der Umgebung überprüft es in der Form des Spiels die Dinge und Eindrücke, die sein unbewusster Geist empfangen hat
  • Durch die Arbeit wird es bewusst und baut den Menschen auf
  • Das Kind wird durch das Werk seiner Hände und seiner Erfahrung zum Menschen: erst durch das Spiel, dann durch die Arbeit
  • Die Hände sind Werkzeug der menschlichen Intelligenz
  • Das Kind tritt ins Leben ein und beginnt seine geheimnisvolle Arbeit, nach und nach prägt es seine Persönlichkeit, die sowohl seiner Zeit auch seiner Umwelt entspricht
  • Es baut seinen Geist auf, bis sich das Gedächtnis bildet, die Fähigkeit zu verstehen und zu denken
  • Somit erreicht es schließlich sein sechstes Lebensjahr
  • Erwachsene müssen den kindlichen Geist bei der Arbeit seiner Entwicklung unterstützen
  • Erste Periode der menschlichen Entwicklung ist die wichtigste, weil sich der Charakter bildet
  • Jedes Hindernis, das sich dem Kind in dieser Zeit in den Weg stellt, vermindert die Möglichkeit, sein schöpferisches Werk zu vervollkommnen
  • Die Erziehung wird zur Hilfe für das Leben des Kindes, für die psychische Entwicklung des Menschen werden und nicht mehr ein Aufdrängen unserer Ideen, Taten und Worte
  • Die Energien gehören einem unbewussten Geist an, der durch Arbeit und Erfahrungen in seiner Umwelt bewusst werden muss
  • Erwachsenen können nicht direkt in den Prozess des Übergangs vom Unbewussten zum Bewusstsein und in den Aufbau der menschlichen Fähigkeiten eingreifen
  • Neuer Weg der Erziehung: den Geist in seinen verschiedenen Entwicklungsvorgängen zu helfen und die verschiedenen Energien und Fähigkeiten zu unterstützen und zu verstärken
  • Eltern sind gefordert, das Kinder in ihren sensiblen Perioden nicht unter Einschränkungen oder Störungen leiden, die die Tätigkeit des absorbierenden Geistes einschränken könnten
  • Kinder müssen von den Erwachsenen beobachtet werden, um wahrzunehmen, wie ihre Entwicklung abläuft, manchmal scheinbar stagniert und dann wiederum in Riesenschritten vorangeht
  • Wachsamkeit im Blick auf das Kind muss deshalb ein wichtiges Prinzip für den Erziehungsalltag sein und werden
  • Der absorbierende Geist des Kindes ist eine privilegierte Form der Aufnahme
  • Das Kind wird in seinem späteren Leben nie mehr so viel und so unterschiedliche Dinge lernen, sich so differenziertes Wissen aneignen, scheinbar spielend im Vorbeigehen eine Sprache erwerben wie in den ersten sechs Lebensjahren
  • Eltern müssen kindlichen Geist bei seiner Entwicklungsarbeit unterstützen

4. Das Kind als Baumeister des Menschen

  • Das Individuum, dem mehr Pflege und Sorge zuteil wurde, wächst stärker, geistig ausgeglichener und mit energischerem Charakter heran.
    • Kind bedarf also außer einer physischen auch einer geistigen Hygiene.
  • Kind ist der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde.
  • Mutter trägt das Neugeborene aus, aber das Neugeborene bringt den Menschen hervor
  • Stirbt die Mutter, so wächst das Kind dennoch heran und vollbringt den Aufbau des Menschen
    • Kenntnis der Sprache stammt nicht von der Mutter, sondern das Kind eignet sich die Sprache so wie die Angewohnheiten und Gebräuche der Menschen an, unter denen es lebt.
      • Kind, das nach Amerika kommt und dort von Amerikanern aufgezogen wird, erlernt die englische Sprache und nicht die indische.
        • Kind formt von sich aus den zukünftigen Menschen, in dem es seine Umwelt absorbiert.
  • Anerkennung, was das Kind vollbringt, bedeutet aber keine Herabsetzung der elterlichen Autorität; im Gegenteil, sind diese einmal davon überzeugt, nicht Baumeister, sondern Helfer des Aufbaues zu sein, werden sie umso besser ihre Pflicht erfüllen und das Kind mit größerem Weitblick unterstützen.
  • Kind ist ein Arbeiter, dessen Aufgabe es ist, den Menschen hervorzubringen
    • Eltern stellen zwar diesem Arbeiter die wesentlichen Mittel zum Leben und für seine aufbauende Arbeit zur Verfügung aber dem sozialen Problem der Kindheit muss eine viel größere Bedeutung beigemessen werden, denn das Kind stellt keinen materiellen Gegenstand her, sondern schafft die Menschheit selbst- die gesamte Menschheit
    • Kind - zartes Bauwerk, das unter Leitung eines inneren Lehrmeisters unter psychisch geheimnisvollen Bedingungen errichtet wurde.
  • Wer für menschliche Gesellschaft einen Vorteil will, der muss beim Kinde ansetzen, nicht nur, um es vor Abwegen zu bewahren, sondern auch, um das wirkliche Geheimnis unseres Lebens kennen zu lernen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, stellt sich die Gestalt des Kindes machtvoll und geheimnisreich dar, und wir müssen über sie nachsinnen, auf dass das Kind, welches das Geheimnis unserer Natur in sich birgt, unser Lehrmeister werde.
  • Ein Grundsatz Montessoris, der aus dem Verständnis "Kind als Baumeister des Menschen" abzuleiten wäre: "Sie müssen als Erwachsener dem Kind ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Entwicklungen optimal vollziehen können."
    • Man soll gut beobachten und Vorurteile überwinden.
      • Mit jedem Vorurteil, das überwunden wird, wird quasi ein "Baustein" für den Aufbau des Menschen gewonnen.
  • Nach Auffassung Montessoris kümmern sich die Erwachsenen (sie spricht von den Lehrerinnen) um viel zu viel
  • Erwachsener erklärt sich als unentbehrlich für die Entwicklung des Kindes, ist nicht so
    • Erwachsener muss seine Rolle neu definieren- er ist Wegbegleiter oder im Wortlaut Montessoris- Fremdenführer für den Reisenden (Kind)
      • Kinder haben dann die Möglichkeit, selbst Entdeckungen zu machen
  • Erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben. (S.77: Beispiel des roten Stammes (vom Baum))

5. Die Polarisation der Aufmerksamkeit

  • Kein Erwachsener kann sich so in eine Sache vertiefen wie es Kinder tun
  • Sie konzentrieren sich, versinken in eine Betrachtung, in tiefe Aufmerksamkeit
  • Eltern und Erzieher nehmen diese Aufmerksamkeit kaum wahr
  • Aufmerksamkeit, wie es die Kinder zeigen, ist ein Phänomen
    • Sie scheinen ihre Umgebung zu verlassen, schalten ab und reagieren nicht, es sei denn die Mutter, der Vater oder die Erzieherin stören sie
    • Diese Störung wirkt wie ein Zerbrechen der Aufmerksamkeit und es dauert oft lange, bis das Kind wieder in eine Aktivität bzw. Beschäftigung zurückfindet
  • Die Organisation des psychischen Lebens beginnt mit dem Phänomen der Aufmerksamkeit
  • Wenn eine Polarisation der Aufmerksamkeit stattfand, begann sich das Kind vollständig zu verändern
    • Es wurde ruhiger, fast intelligenter und mitteilsamer
    • Es offenbarte außergewöhnliche innere Qualitäten
  • Nachdem das Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit stattgefunden hatte, schien sich in ähnlicher Weise alles Unorganisierte und Unbeständige im Bewusstsein des Kindes zu einer inneren Schöpfung zu organisieren
  • Das ließ an das Leben eines Menschen denken, das sich zwischen den Dingen in einem niederen chaotischen Zustand verlieren kann, bis eine besondere Sache es intensiv ansieht und fixiert, dann erlebt der Mensch die Offenbarung seiner selbst und er fühlt, dass er zu leben beginnt
  • Dieses geistige Phänomen ist einer der konstanten Aspekte des Vorgangs der inneren Bildung
  • Es zeigt sich als normaler Anfang des inneren Lebens der Kinder und begleitet ihre Entwicklung
  • Auf diese Weise offenbart sich die Seele des Kindes
  • Würden wir Kinder mit großer Zurückhaltung beobachten, so könnten wir diesem Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit häufig begegnen
  • Damit dies möglich wird, fordert Montessori die "neue Lehrerin"
  • Nicht nur "neue" Erwachsene sind nötig, sonder auch eine "neue" Pädagogik
  • Die immer noch vorherrschende Angebots- und Aufforderungspädagogik muss abgelöst werden von einer Entwicklungspädagogik
  • Entwicklungspädagogik möglich durch
    • Die Vorbereitende Umgebung durch den Erwachsenen, Raum für eine gesunde Entwicklung
    • Sensible Perioden der Entwicklung des Kindes
    • Kind ist Baumeister seines Selbst
    • Keine Unterdrückung des Kindes
  • Kind hat eine Tendenz zur Vollkommenheit und das zeigt sich darin, dass es seine Tätigkeiten fortsetzt, wiederholt, bis es selbst mit dem Erreichten zufrieden ist
  • Das Kind bestätigt sich damit selbst, erfährt Selbstsicherheit und ist stolz auf seine Leistung
  • Der Erwachsene muss Respekt vor der "Lern- und Arbeitsleistung" des Kindes haben

6. Lernen mit der Drei-Stufen-Lektion

  • Umgebung des Erwachsenen erachtet sie als "keine lebensbringende Umwelt für das Kind, sondern eher als Anhäufung von Hindernissen, zwischen denen das Kind Abwehrkräfte entwickelt, zur verbildenden Anpassung genötigt wird und allerlei Subventionseinflüssen unterliegt"
  • Montessori hat frühzeitig entdeckt, dass Kinder mit ihren Sinnen sehr differenziert wahrnehmen. Die Verknüpfung zwischen Wahrnehmung und Sprache bedarf jedoch noch stärkerer Aufmerksamkeit.
  • Es ist zwar wünschenswert, die Erziehung der Sinne als Grundlage für geistige Vorstellungen zu betreiben, aber es ist zu gleicher Zeit auch sehr ratsam, die Sprache an diese Sinneswahrnehmungen zu knüpfen.
    • Zu diesem Zweck hat Montessori die Drei-Stufen, aus denen nach Séguin der Unterricht besteht, zur Anwendung bei den Kleinen vortrefflich gefunden.
      • 1. Stufe: Die Assoziation der Sinneswahrnehmung mit den Namen. Sie geben dem Kind zum Beispiel zwei Farben, rot und blau. Indem wir rot vorzeigen, sagen wir einfach: Dies ist rot - entsprechend bei blau. Dann legen wir die Spulen vor den Augen des Kindes auf den Tisch.
      • 2. Stufe: Erkennen des dem Namen entsprechenden Gegenstandes. Wir sagen zum Kind: "Gib mir rot- blau."
      • 3. Stufe: Erinnerung an den den Gegenstand bezeichnenden Namen. Man zeigt dem Kind den Gegenstand und fragt: "Was ist diese?" Und es soll antworten: "rot."
    • Séguin besteht fest auf diesen Drei-Stufen und verlangt, dass man die Farben einige Zeit vor den Augen der Kinder liegen lasse.
    • Er rät, Farben nie einzeln, sondern immer zwei zugleich zu zeigen, da der Gegensatz das Farbengedächtnis unterstützt.
  • Bei dieser Methode lernen die Schwachsinnigen die Farben gründlicher kennen, als die normalen Kinder in den gewöhnlichen Schulen, wo die Erziehung der Sinne dem Zufall überlassen bleibt.
  • Bei normalen Kindern geht jedoch den Drei-Stufen Séguins noch eine voraus, welche die eigentliche Erziehung der Sinne enthält! Es handelt sich dabei um die Erwerbung eines feinen Unterscheidungsvermögens, das nur auf dem Weg der Selbsterziehung zu erlernen ist.
    • Beispiel: Montessori sitzt mit kleinem (noch nicht drei Jahre altes) Mädchen am Tisch
    • Auf dem Tisch lagen zwei Farbspulen in Paaren. Das heißt zwei rot, zwei blau, zwei gelb.
    • Auf der 1. Stufe legte ich eine der Spulen vor das Kind und forderte es auf, dazu die gleiche zu finden. Dies wiederholte Montessori für alle drei Farben und zeigte, wie sie sorgfältig paarweise anzuordnen seien.
    • Hierauf ging Montessori zu den Drei-Stufen Séguin über
    • Das Mädchen lernte die drei Farben kennen und den Namen einer jeden angeben
  • Was sich hier klar und einleuchtend darstellt, ist in der Praxis der Umsetzung für uns oft schwierig. Geduld gegenüber dem Kind ist gefordert.
  • Montessori beauftragt Erwachsenen alle Materialien im Sinne der Drei-Stufen-Lektion einzuführen.
    • Es gilt, das Kind zu beobachten, wann die 2. und 3. Stufe folgen können
      • Manchmal sind wir überrascht, wie schnell dies geschieht, wir müssen aber auch Geduld haben, wenn das Kind mehr Zeit braucht
    • Drei-Stufen-Lektion und Material sind quasi untrennbar voneinander, dazu gehört außerdem noch die Sinneswahrnehmung.
    • In dieser Dreiheit lernt das Kind an konkreten Dingen, die ihm den Weg zur Abstraktion von Zeichen oder Sprache erleichtern. So könnte die Drei-Stufen-Lektion auch Einzug halten in unsere Kinderzimmer als Methode kindergemäßer Entwicklungspädagogik.

7. Die Lektion der Stille

  • Nach Montessoris Ansicht fehlt die Stille im menschlichen Leben
  • "Lektion der Stille" oder "Lektion des Schweigens"
  • Wenn wir das Schweigen wollen, dann müssen wir es lehren
  • Man muss das Schweigen demonstrieren, um es kennenzulernen
  • Weil man die Stille nicht kennt, verwechselt man sie mit einer gewissen Verminderung von Geräuschen, die auch eine Verminderung von Unruhe bringt
  • Stille hat einen hohen inneren Wert und das die Menschen, die sich zu vervollkommnen suchen oder die mit Intelligenz auf ein sehr hohes Niveau gelangen wollen, diese Stille haben müssen
  • Die Stille ist eine Notwendigkeit
  • Kinder von zwei bis vier Jahren lieben auf außerordentlicher Weise das Schweigen
  • Man muss ruhig sein, um Stille zu bekommen
  • Indem man still ist, kann man die Ruhe erlangen
  • Die Stille ist eine Offenbarung
  • Stille ist etwas Feierliches, aber auch etwas Geheimnisvolles
  • In vielen Ritualen spielt Ruhe, Stille, Schweigen eine Rolle
  • In der Meditation lassen wir uns ein auf das Schweigen
  • Wenn wir in unseren Körper hineinhören, dann nehmen wir die Geräusche des Atems wahr, des Schluckens, den Wind in den Haaren, das Herzklopfen, die Luft im Magen oder Darm
  • Wenn wir so in uns hineinhören, dann werden wir still und entspannen uns
  • Wir werden motiviert, noch mehr zu hören
  • Je stiller wir sind, desto intensiver nehmen wir auf, desto besser können wir zuhören
  • Durch die Isolierung des Gehörsinns, die Sensibilisierung für akustische Wahrnehmung, erfahren wir ein Erlebnis der Stille, wird uns Stille bewusst
  • Montessori spricht vom Lehren der Stille, von der Lektion
    • Das Kind braucht Anreize, die es zur Stille hinführen und ihm zum Erlebnis des Schweigens verhelfen
    • Stille spannt an und entspannt
    • Kinder können auch ganz bewusst die Stille halten, aushalten und sind stolz darauf
    • Sie tun dies mit Willen, was zu "künstlicher" Stille führt
    • Stille muss aber zur Normalität werden
      • Das ist das Ziel, dass Montessori erreichen will
      • Der Weg oder ihr Weg dorthin ist ihre "Lektion der Stille"
  • Stille ist die Einstellung jeder Bewegung und nicht die Einstellung von Geräuschen, die über das normale, im Raum geduldete Geräusch hinausgehen
  • Stille lässt sich positiv verstehen
  • Ein Befehl würde nicht zur Stille führen
  • Es ist erfolgreich, die Kinder Stille zu lehren
  • Dazu lässt man verschiedene Übungen der Stille von den Kindern durchführen, die zur Disziplin beitragen
  • Es gibt mehrere Grade der Stille
  • Wo sich nichts, aber auch gar nichts bewegt, herrscht absolute Stille
  • In den Willen, die Unbeweglichkeit zu erreichen, lenken die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf alle Teile des Körpers
  • Während sie sich in diesem Bemühen versuchen, entsteht wirklich eine Stille, die anders ist als das, was man gewöhnlich darunter versteht
    • Es scheint, dass das Leben allmählich entschwindet, dass sich der Saal nach und nach leert, als befände sich keiner mehr darin
    • Die Kleinen sind von dieser Stille fasziniert, als hätten sie einen wirklichen Sieg errungen

8. Isolierung einer Eigenschaft im Material - Begrenzung des Materials

  • Nehmen wir wirklich stets mit allen Sinnen wahr? Oder leben wir nicht mit der Dominanz der visuellen und der akustischen Wahrnehmung- nicht zuletzt bedingt durch die Medien?
  • Jedes Material hat ganz verschiedene Eigenschaften: Gewicht, Rauheit, Farbe, Form, Maß, Klang usw.
    • Montessoris Prinzip ist, jeweils nur eine Eigenschaft herauszuheben, zu isolieren und so zu einer vertieften Wahrnehmung zu gelangen
  • Unter den vielen Eigenschaften des Gegenstandes ist eine einzige zu isolieren
    • Es müssen Gegenstände vorbereitet werden, die untereinander vollkommen gleich sind, mit Ausnahme der sich ändernden Eigenschaft.
      • Falls wir Gegenstände zurechtlegen wollen, die zum Beispiel zur Unterscheidung von Farben dienen, müssen sie gleich im Stoff, Form und Abmessungen sein und nur in der Farbe differieren.
      • Falls Gegenstände zum Zweck vorbereitet werden sollen, die verschiedenen Töne der Tonleiter hervorzuheben, müssen sie vollkommen gleich aussehen wie zum Beispiel die bei unserem System gebräuchlichen Glocken, die alle die gleiche Form und Größe haben und auf gleichen Ständern stehen; doch werden sie mit einem kleinen Hammer angeschlagen, erklingen verschiedene Töne, und diese sind der einzige, für die Sinne wahrnehmbare Unterschied.
        • Beim Hören soll nur das Ohr aufnehmen und urteilen.
    • Bei diesem Verfahren lässt sich eine große Klarheit bei der Differenzierung der Dinge erreichen, und es wird offenkundig, dass gerade Klarheit die Grundlage für das Interesse am „Unterscheiden“ bildet.
    • Von der psychologischen Seite her ist bekannt, dass die Sinne soweit wie möglich isoliert werden müssen, will man einzelne Eigenschaften besser hervorheben.
    • Isolierungsprozess kann zweifacher Natur sein: Er kann sich auf den von jedem Umwelteinfluss isolierten Menschen beziehen (Mensch soll nichts sehen- so ist er im Dunkeln usw. S.107) und auf das Material, das eine einzige, graduell abgestufte Eigenschaft aufweist.
      • Diese als äußerste Vollkommenheit anzustrebende Präzision ermöglicht die Durchführung einer inneren und äußeren Analyse, die geeignet ist, dem kindlichen Geist Ordnung zu geben.
  • Führt man die Wahrnehmung der einzelnen Sinnesbereiche zusammen, so gelangt man zu einem ganzheitlichen Bild, zu ganzheitlicher Wahrnehmung, man lernt die Dinge als Ganzes kennen.
    • So hat eine Textilie eine bestimmte Form, eine bestimmte Farbe, eine bestimmte Struktur, einen besonderen Grad an Rauheit oder Glätte, ist grob- oder feingewebt usw.
    • Je mehr Sinneswahrnehmungen wir machen, desto konkreter und vollständiger wird demnach das Bild eines Materials in uns.
  • Genauso wichtig wie die Isolierung einer Eigenschaft eines Materials ist Montessori aber auch die Begrenzung des Materials in der Menge.
    • Material muss "mengenmäßig begrenzt" sein!
      • Ein normales Kind benötigt keine "Reizmittel, die es aufwecken", die "es mit der wirklichen Umgebung in Verbindung bringen".
      • Es ist kein "Schlafender im Leben" wie das geistesschwache Kind, sondern ein "kühner Entdecker" in der für es neuen Welt und, was es als Entdecker braucht, ist ein Weg (also etwas begrenztes und direktes), der es zu einem Ziel hinführt und von den ermüdenden Umwegen befreit, die es am Vorwärts kommen hindern.
    • Wir glauben zu Unrecht, das "an Spielzeug reichste", das "an Hilfsmitteln reichste" Kind könne sich am besten entwickeln. Stattdessen beschwert die ungeordnete Vielzahl von Dingen die Seele mit neuem Chaos und bedrückt sie durch Entmutigung.
    • In der "Begrenzung" der Hilfsmittel, die das Kind dazu führen, Ordnung in seinen Geist zu bringen und ihm das Verständnis der unendlich vielen Dinge erleichtern, die es umgeben, liegt das höchste Erfordernis, das dem Kind ermöglicht, seine Kräfte zu schonen und das es sicher auf den schwierigen Pfaden seiner Entwicklung voranschreiten lässt.
  • Konzepte wie "Spielzeugfreier Kindergarten" versuchen der Übersättigung an Materialien entgegenzuwirken
  • Montessori meint, dass wir die "Neue Lehrerin" - den neuen Erwachsenen - brauchen, die davon überzeugt ist, dass im Wenigen mehr liegt, dass die Wahrnehmung geschult wird durch die Isolierung der Sinne. Wenn sie das Kind sich selbst überlässt, dann überlässt sie es seiner Intelligenz und nicht seinen Instinkten.
  • Frage: "Was ist Intelligenz?" - Gesamt der überlegenden, verbindenden oder wieder hervorbringenden Aktivitäten in Betracht ziehen, die es dem Geist erlauben, sich aufzubauen, in dem er sich in Beziehung mit der Umgebung setzt.
    • Nach Bain ist die Kenntnis des Unterschiedes der Anfang jeder intellektuellen Übung; der erste Schritt des Verstandes ist die "Unterscheidung". Die "Grundlagen" der erkennenden Funktionen der Außenwelt gegenüber sind die "Sinnesempfindungen". Die Tatsachen sammeln und sie voneinander zu unterscheiden, das ist der Beginn des geistigen Aufbaues.
    • Die Sinnesübungen erwecken in unseren Kindern deren zentrale Aktivitäten und intensivieren sie.
    • Und wenn sich die Vielzahl der Empfindungen dann im Reichtum der Umgebung summiert, werden die einen harmonisch von den anderen beeinflusst und intensivieren so die erweckten Aktivitäten.
      • So geschieht es zum Beispiel, dass ein in sein Malen vertieftes Kind beim Klang der Musik schönere Farben findet und dass ein Kind in reinem Tun ein Lied anstimmt, während es die fröhliche und anmutige Umgebung der Schule und die blühenden Blumen betrachtet.
  • Die erste Eigenschaft, die sich bei unseren Kindern offenbart, nachdem der Prozess der Selbsterziehung begonnen hat, ist, dass sie in ihren Reaktionen breiter und schneller werden
  • Mit der Sinnesgymnastik macht das Kind genau jene ursprüngliche und grundlegende Übung der Intelligenz, die die zentralen Nervenmechanismen weckt und in Bewegung setzt.
  • Kinder die noch klein sind, können die ganze Welt noch nicht erfassen- schlafen vor Müdigkeit ein, weil sie so viele Dinge gesehen haben
    • Spazierengehen bedeutet für das Kind arbeiten; es ist eine Anstrengung zu sehen und zu hören, wenn die Sinne noch nicht richtig eingestellt sind, sodass das Kind ständig die Fehler seiner Sinne verbessern und mit der Hand nachprüfen muss, was es noch nicht mit Sicherheit mit seinen Augen abwägen kann.
  • Mit "Sinnesübungen" können Kinder lernen, zu unterscheiden und zu klassifizieren
    • Denn Sinnesmaterial analysiert und stellt die Eigenschaften der Dinge dar: Dimensionen, Formen, Farben, Glätte oder Rauheit der Oberflächen, Gewicht, Temperatur, Geschmack, Töne ... Eigenschaften wie groß, lang, warm, schwer, rau, dick, wohlriechend…
    • Eigenschaften der Gegenstände unterscheiden sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Quantität - können mehr oder weniger, hoch oder niedrig ... sein
    • Sinnesmaterial eignet sich dazu, all diese Dinge zu unterscheiden
  • Unsere Selbsterziehung muss vor der Erziehung des Kindes stehen, damit wir das Kind in seinem Aufbau nicht behindern.
  • Kind wendet sich den Gegenständen zu, die seinen Bedürfnissen entsprechen
    • Wenn es sie findet, entfaltet es seine Kräfte, macht Muskel- oder Sinnesübungen und ist dann zufrieden.
    • Wenn es sie nicht findet, ist es unruhig wie über unbefriedigte Bedürfnisse.
  • Kind hat übermächtigen Drang zu "wachsen" und daher Fortschritte zu machen und sich zu vervollkommnen
  • "Versucht, das Kind allein handeln zu lassen: Es wird sich "verwandeln"!"

9. Die neue Lehrerin

  • Montessori spricht von einer Lehrerin, meint aber alle Erwachsenen aus der Umgebung des Kindes
  • Montessori setzt strenge Maßstäbe an, denn wenn die Lehrerin nicht den Anforderungen ihrer Pädagogik entspricht, ihre Grundprinzipien verinnerlicht hat, dann kann ihre Arbeit nicht zum Erfolg führen
  • Montessori fordert:
    • Die Lehrerin muss schweige, statt reden
    • Sie muss beobachten, statt unterrichten
    • Sie muss Demut, statt stolze Würde zeigen
  • Durch Übung müssen sich die Erwachsenen in die Richtige Richtung entwickeln
  • Erwachsene beobachten, nehmen wahr, staunen und lernen vom Kind
  • Die Lehrerin beobachtet das "innere Leben des Menschen"
  • In der Schule müssen sich die Kinder frei und mit Hilfe des Entwicklungsmaterials entfalten
  • Die Lehrerin, aber auch der Vater und die Mutter müssen erst beginnen "Lehrer" zu werden
  • Nur im täglichen Zusammensein mit dem Kind gelingt uns dieser Prozess, d.h. nicht nur die Erwachsenen sind Wegbereiter des Kindes, sondern das Kind ist auch unser Wegbereiter und  unterstützt und hilft uns bei der Bewältigung der Erziehungsaufgaben
  • Montessori-Lehrerin muss ihr Vorstellungsvermögen wach halten, denn sie hat ein Kind vor sich, das sozusagen noch nicht existiert
  • Die Lehrerin muss ein Glauben haben, dass sich das Kind offenbaren wird durch die Arbeit
  • Sie müssen sich von jeder vorgefassten Meinung lösen, die das Niveau betrifft, auf dem sich die Kinder befinden können
  • Sie muss in der Vorstellung den Typ des Kindes sehen, der in einem geistigen Bereich lebt
  • Die Lehrerin muss daran glauben, dass das Kind, das sie vor sich hat, seine wahre Natur zeigen wird, wenn es seine Arbeit gefunden hat, die es anzieht
  • Sie soll sich bemühen, dass das eine oder andere Kind beginnen möge, sich zu konzentrieren
  • Um das zu erreichen, muss sie ihre Energie aufwenden
  • Ihre Tätigkeit wird von einem Stadium zum anderen wechseln wie in einer geistigen Entwicklung
  • Es gibt drei Aspekte bei ihrem Verhalten:
  • Erstes Stadium:
  • Die Lehrerin wird zum Wächter und Aufseher der Umgebung
  • Sie konzentriert sich auf die Umgebung, weil von ihr die Genesung auf die Anziehungskraft, die den Willen der Kinder polarisieren wird, ausgehen soll
  • Zweites Stadium:
  • Die Lehrerin muss verführerisch sein, sie muss die Kinder anziehen
  • Wenn die Umgebung vernachlässigt wird, die Möbel staubig, das Material abgekratzt und in Unordnung und wenn die Lehrerin in ihrem Äußeren und ihrem Auftreten ungepflegt wäre, und zu den Kinder unfreundlich, würde die wesentliche Grundlage für ihre Arbeit, zu der sie bestimmt ist, fehlen
  • Die Lehrerin muss wie eine Flamme sein, deren Wärme aktiviert, lebendig macht und einlädt
  • Sie muss mit den Kindern arbeiten, indem sie alle ermutigt und alle anerkennt und eine einnehmende Fröhlichkeit an den Tag legt
  • Drittes Stadium:
    • Im Allgemeinen sind es Übungen des praktischen Lebens, denn die Erfahrung hat beweisen, dass es zwecklos und schädlich ist, den Kindern Material zur sensorischen und kulturellen Entwicklung zu geben, bevor sie den daraus erwachsenden Nutzen ziehen könne
    • Die Lehrerin darf nicht eingreifen
    • Das Kind konzentriert sich endlich auf eine Arbeit
    • Das Interesse des Kindes konzentriert sich nicht nur auf die Arbeit, sondern öfters auf den Wunsch, die Schwierigkeiten zu überwinden
    • Lob, Hilfe und auch nur ein Blick können genügen, ums das Kind zu unterbrechen und die Aktivität zu zerstören
    • Das Prinzip, das der Lehrerin zum Erfolg hilft, ist Folgendes: Sobald die Konzentration beginnt, muss sie tun, als ob das Kind nicht existiere
    • Sie kann natürlich schauen, was das Kind tut, aber mit einem schnellen Blick, ohne dass sie es merken lässt
    • Danach wird das Kind, von einem Vorsatz geleitet, beginnen seine Arbeit auszuwählen
    • Erzieher, Mutter, Vater, Lehrer sind nicht überflüssig
    • Lehrerin hat dem Menschsein in einer wesentlichen Periode seiner Bildung geholfen
  • Wenn wir bessere Bedingungen für die Kinder herstellen wollen, so müssen wir an die Eltern denken
    • Erwachsenen müssen besser sein - sie müssen weniger stolz sein, weniger an sich selbst denken, weniger diktatorisch sein
    • Kinder werden unterdrückt, wenn sie nicht die besondere Aktivität entfalten können, welche die Natur von der menschlichen Persönlichkeit verlangt, damit sie sich gut entwickeln
    • Ungeordnete seelische Bewegungen von Kindern ergeben sich aus zwei Quellen:
      • Geistige Unterernährung
      • Mangel an Aktivität
    • Alle Erwerbungen erfolgen durch Erfahrungen in der Umgebung
    • Die Kinder sind fähig, aus der Umgebung zu absorbieren
    • Werden sie von der Welt isoliert, so wird ihnen etwas Fundamentales fehlen
    • Wenn sie stillsitzen müssen und sich nicht bewegen, nicht berühren dürfen, so wird ihre natürliche Aktivität unterdrückt
    • Der Erwachsene hat eine lenkende und nicht eine lehrende Funktion
  • Jeder Erwachsene ist Repräsentant der Gesellschaft und muss dem Kind helfen, sich mit den Regeln vertraut zu machen
  • Mit der Aussage "Hilf mir, es selbst zu tun." weist es den Erwachsenen in seine erzieherischen Grenzen
  • Es sagt: "Bis hierher und nicht weiter. Enge mich nicht in meiner Selbsttätigkeit und Selbsterfahrung ein. Du kannst mir Brücken bauen, aber darüber gehen muss ich selbst."

10. Die Natur in der Erziehung

  • Kinder in unserer zivilisierten Gesellschaft sind von der Natur entfernt und haben nur wenig Gelegenheit, mit ihr in Berührung zu kommen (dies stellte Montessori bereits Mitte letzten Jahrhunderts fest)
  • Montessori sieht die Berücksichtigung der Natur als ein wichtiges Erziehungsprinzip
  • Kind soll, wenn möglich, von den Bindungen frei gemacht werden, die es in einem durch das Zusammenleben in der Stadt geschaffenen künstlichen Leben isolieren
  • Heute wird in Form von Kinderhygiene der Teil der Leibeserziehung gepflegt, der darin besteht, die Kinder in öffentlichen Anlagen etwas mehr mit der frischen Luft in Berührung zu bringen; sie einige Zeit Sonne und Wasser am Strand auszusetzen.
    • Auch einfachere und kürzere Kleider, Sandalen oder nackte Füße sind schüchterne Versuche zur Befreiung von übertriebenen Fesseln, welche die Kinder an das zivilisierte Leben binden
  • In Montessoris Vorstellungen hat sich die Natur nach und nach auf die Blumen und die für unsere Ernährung, unsere Arbeit oder unseren Schutz nützlichen Haustiere beschränkt.
  • "Natur flößt den meisten Menschen Angst ein"
  • Kinder laufen hinaus, wenn es regnet, ziehen ihre Schuhe aus, wenn sie Wasserpfützen sehen ...
    • Wir (Erwachsene) fragen uns hingegen ängstlich, was wir tun können, damit das Kind nach dem Morgengrauen weiterschläft, und wir ihm beibringen können, sich die Schuhe nicht auszuziehen und nicht auf der Wiese zu springen.
    • Wenn das von uns eingezwängte, durch die Gefangenschaft degenerierte Kind Insekten oder kleine harmlose Tiere tötet, so kommt uns dies "natürlich" vor; wir merken nicht, dass die Natur diesem kleinen Wesen bereits fremd ist.
      • Wir verlangen also von unseren Kindern, dass sie sich dem Gefängnis anpassen und uns dabei nicht lästig fallen.
    • Wenn Kinder jedoch mit Natur in Berührung kommen, dann zeigt sich ihre Kraft
      • Laufen z.B. kilometerweit
      • Eltern ließen ein kaum zweijähriges Kind selbst gehen - Kind tat dies mit Begeisterung und Entdeckungsfreude
        • Anstatt ihr Kind zu tragen, folgten die Eltern dem Kind.
  • Das Gefühl der Kinder für die Natur wächst mit der Übung, wie alles andere. Also muss das Kind Natur erleben können. Der Umgang mit Natur lässt sich nicht über Lehrbücher vermitteln.
  • Erwachsene erkennen die Interessen der Kinder nicht ausreichend und gehen nicht auf diese ein
    • Kind ist fasziniert von Gemüsegarten - "ein Garten mit Sachen zum Essen"; Mutter erachtet dem Garten keiner Bewunderung wert
  • Kinder graben gerne, denn jede Erdscholle, die sie bewegen, steckt voller Überraschungen und Geheimnisse
  • Montessori meint, Erwachsene (wir) sind bestrebt, die Tätigkeit der Kinder unseren eigenen Vorstellungen anzupassen, als dem kleinen Kind zu folgen, seine wirklichen Neigungen und Bedürfnisse zu interpretieren
    • Erwachsene haben Kind in künstlich festgelegte Tätigkeit gezwungen
      • Ein Samenkorn in die Erde setzen und auf das daraus entstehende Pflänzchen zu warten, das ist eine zu geringe Arbeit und eine zu lange Wartezeit für Kinder
      • Kinder wünschen, große Arbeiten zu vollbringen und ihre Tätigkeit direkt mit den Erzeugnissen der Natur in Verbindung zu bringen
  • Montessori hat beobachtet, welche Tätigkeit Kind in der Natur gerne ausübt
    • Angenehmste Arbeit für das Kind ist nicht das Säen, sondern vielmehr das Ernten
    • Ernten steigert das Interesse für das Säen, und je mehr einer das Ernten erfährt, desto stärker empfindet er den verborgenen Reiz des Säens
      • Die gelben Ähren, die sich im Winde wiegen und langsam bis in Schulterhöhe der Kinder wachsen, begeistern die kleine, auf die Ernte wartende Schar
  • Gerade durch die Tätigkeit bringen die Kinder die an Schönheit reichen Knospen ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit zum Aufbrechen
  • Also machen wir die Natur zu einem Erziehungsinhalt in unserem Leben und erheben wir die Naturbegegnung in unserem pädagogischen Handeln zu einem Grundprinzip!

 

Die Aufgabe der Eltern

  • Eltern sind die Wächter des Kindes, aber nicht seine Bauherren
  • Sie müssen das Kind pflegen und beschützen
  • Sind mit dem Kind eng verbunden
  • Eltern müssen das Recht des Kindes anerkennen
  • Die Gesellschaft muss den Kindern die vollkommenste und weiseste Fürsorge geben
  • Kinder sind die Menschheit von Morgen
  • Das die Rechte des Kindes vergessen und missachtet worden sind, dass man das Kind misshandelt, ja zu Grund gerichtet hat, dass man auch weiterhin seinen Wert, seine Macht und seine Natur verkennt, dies alles sollte der Menschheit Anlass zu ernsthafter Besinnung werden
  • Wenn Eltern und Kinder miteinander in Konflikt geraten, so hat dies Folgen
  • Folgen, die sich endlos über das ganze menschliche Leben hin ausbreiten
  • Montessori wandte sich aber nicht nur an die Eltern, sondern sie entwickelte auch Gebote für die Erzieher des jungen Kindes im "Kinderhaus" - und das sind dann "zwölf Gebote"
    • 1. Die Lehrer haben zunächst eine Pflicht materieller Ordnung: Minutiös die Umgebung zu prüfen dass sie sich sauber, glänzend, geordnet darstellt; die Folgen der Abnutzung durch den Gebrauch beheben, ausflicken, neu bemalen oder auch für anziehenden Schmuck sorgen.
    • 2. Der Lehrer muss den Gebrauch der Dinge lehren, ausführend zeigen, wie sich die Übungen des praktischen Lebens vollziehen: Und dies mit Anmut und Genauigkeit, damit alles in der Umgebung Befindliche von dem benutzt werden kann, der es wählt.
    • 3. Der Lehrer ist "aktiv" wenn er das Kind mit der Umgebung in Beziehung bringt: Er ist "passiv", wenn diese Beziehung erfolgt ist.
    • 4. Er muss die Kinder beobachten, damit ihre Kraft sich nicht vergebens verflüchtigt, wenn eines verborgene Geräusche sucht, oder eines der Hilfe bedarf.
    • 5. Er muss herbeieilen, wohin er gerufen wird.
    • 6. Er muss zuhören und antworten, wenn er dazu eingeladen wird.
    • 7. Er muss das Kind, das arbeitet, respektieren, ohne es zu unterbrechen.
    • 8. Er muss das Kind, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.
    • 9. Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das den anderen bei der Arbeit zusieht, ohne es zu stören, ohne es anzurufen, ohne es zur Arbeit zu zwingen.
    • 10. Er muss aber unermüdlich versuchen, demjenigen Kind Gegenstände anzubieten, das es schon einmal abgelehnt hat; das zu unterweisen, das noch nicht verstanden hat und Fehler macht. Und dies, indem er die Umgebung mit seinem Sorgen belebt, mit seinem bedachten Schweigen, mit seinem sanften Wort, mit der Gegenwart jemandes, der liebt.
    • 11. Der Lehrer will mit seiner Gegenwart das Kind spüren lassen, das sucht; sich verbergen dem, das gefunden hat.
    • 12. Der Lehrer erscheint dem Kind, das seine Arbeit vollendet und frei seine eigene Kraft erschöpft hat, und bietet ihm schweigend seine Seele an, wie einem geistigen Gegenstand.

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Maria Montessori "Zehn Grundsätze des Erziehens"

(Hrsg.: Ingeborg Becker-Textor)

Vorwort

  • Maria Montessori fordert die neue Lehrerin:  Der Begriff Lehrerin kann gleichgesetzt werden mit Erzieherin, Mutter, Vater - Menschen, die im Alltag mit Kindern zu tun haben und nicht unbedingt professionelle Pädagogen sein müssen
  • Die Erziehungsgedanken Montessoris lassen sich auch ohne Einsatz des nach ihr benannten Materials umsetzen
  • Eine optimale Ergänzung sind natürlich die Montessori - Materialien, weil sie auf den Grundprinzipien wie Freiheit, Selbsttätigkeit aufbauen und Lernprozesse wesentlich positiv beeinflussen
  • Einsatz des Materials nützt nichts, wenn die Haltung gegenüber dem Kind autoritär, bestimmend oder fordern ist
  • Das Kind steht neben dem Erwachsenen, ist quasi gleichberechtigt
  • Das Kind fordert "Hilf mir, es selbst zu tun."
  • Das Kind sagt ganz deutlich, dass es keine Einmischung oder aktive Hilfe will
  • Es will nur, dass der Erwachsene ihm Hilfestellung gibt, Brücken baut, damit es eine Aufgabe und letztlich sein Leben selbst bewältigen und meistern kann
  • Das Kind ist Baumeister seiner selbst
  • Montessoris Ziel für das frühe Kindesalter: "Unser erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben."

Maria Montessori - ihre Methode

  • Früher war das ausschließliche Ziel der Erziehung, auf das alle ihre Anstrengungen gerichtet waren, das Kind für das soziale Leben, das es einmal zu führen hätte, vorzubereiten. Deshalb war man vor allem darauf bedachte, dass es die Erwachsenen nachahme, man zwang es, die schöpferischen Kräfte seines Geistes unter dem Nachahmungstrieb zu ersticken, man lehrte es vorzugsweise, was zu wissen für unentbehrlich gehalten wurde, um in der zivilisierten Welt zu leben.
  • Kind wurde nicht nach seinem wahren Wesen eingeschätzt wurde
  • Das Kind war nur eine "Zukunft", es stellte nur ein "Werden" dar, deshalb zählte es nicht, bis es ein Erwachsener geworden war
  • Kind ist eine freie Persönlichkeit
  • Seine Seele bedarf unserer Fürsorge
  • Materielle Dinge können den Menschen in jedem Lebensalter verderben
  • Die soziale Umgebung, die wir uns geschaffen haben, passt nicht für das Kind, es versteht sie nicht
  • Kind kann sich der Gesellschaft nicht anpassen, von der es ausgeschlossen wird
  • Kind wird der Schule anvertraut, die oft zu einem Gefängnis wird
    • Verhängnisvolle Wirkung der Schule, in der mit alten Methoden unterrichtet wird
    • Kinder leiden darunter nicht nur körperlich, sondern auch moralisch
  • Unter allen Bedürfnissen des Kindes vernachlässigt man das menschlichste: die Ansprüche seines Geistes, seiner Seele. Der Mensch im Kinde bleibt uns verborgen.
  • Das Kind kann in der komplizierten Welt des Erwachsenen kein ihm gemäßes Leben führen
  • Mit den Beaufsichtigungen, den Ermahnungen, den Beleherungen und den Befehlen stört und hindert der Erwachsene die Entwicklung des Kindes
  • Alle aufkeimenden guten Kräfte werden erstickt, nur eines bleibt dem Kind: der heftige Wunsch, sich möglichst von allem und von allen zu befreien
  • Die Freiheit des Kindes kann nicht darin bestehen, dass wir es "sich selbst überlassen" oder es vernachlässigen
  • Wenn wir die Umgebung des Kindes sorgfältig vorbereiten, so ist dies schon eine große Aufgabe, da es sich darum handelt, eine neue Welt zu schaffen: Die Welt der Kinder
  • Kaum sind die kleinen Gegenstände , die die Kinder wirklich gebrauchen können vorbereitet, so ordnet sich ihre Tätigkeit in verblüffender Weise
  • selbst gestellt sein, da sie wissen, was sie wollen
  • Kind hat instinktiven Drang nach einer Tätigkeit, die alle seine Kräfte in Anspruch nimmt, denn nur so kann es seine Fähigkeiten vervollkommnen
  • Haus der Kinder
    • Einfache und praktische Gegenstände, deren Zweck es ist, der geistigen Entfaltung des Kindes zu dienen
    • Kleine, hübsche und leichte Möbel in lebhaften Farben
    • Fallen um, wenn sie angestoßen werden und sind leicht zu verrücken
    • Jedes Kind kann seinen Platz wählen und sich alles so zurechtrücken, wie es ihm gefällt
    • Da Möbel leicht sind, verraten sie jede ungeschickte Bewegung durch ein Geräusch
      • So lernt das Kind auf Bewegungen seines Körpers zu achten
    • Gegenstände aus Glas und Porzellan
      • Nach dem solche Gegenstände fallen gelassen und zerbrochen sind achtet das Kind auf die Bewegung seines Körpers
    • Die Umgebung selbst hilft ihm, sich ständig zu verbessern und wenn kleine Fehler passieren, dann greift die Lehrerin nicht ein, sie bleibt Zuschauerin
    • Nach und nach wird es dem Kinde so vorkommen, als höre es die Stimmen der Gegenstände, die in ihrer stummen Sprache reden und auf die kleinen Fehlleistungen hinweisen
    • Auch in der Schönheit der Gegenstände und der Umgebung liegt ein steter Ansporn für das Kind, tätig zu sein und seine Bemühungen zu verdoppeln
    • Alle Gegenstände sollen anziehend sein
      • die Staubtücher, Besen sollen bunt sein
      • kleine Bürsten
      • kleine runde oder rechteckige Seifenstücke
    • die Schönheit der Gegenstände zieht das Kind überall an und dringt in die Tiefe seines Gefühls ein
    • die menschliche Würde entspringt dem Gefühl der eigenen Unabhängigkeit
    • die Freude, die die Kleinen beim Arbeiten empfinden, lässt sie alles mit fast übermäßiger Begeisterung vollbringen
    • das was sie anspornt, ist die Verwertung latenter Energien und diese bestimmen auch die Dauer ihrer Tätigkeit
  • Betrachtung des Kindes als vollkommenes Wesen, als eigenständige und freie Persönlichkeit
  • Erwachsene haben die Pflicht, die Umgebung der Kinder vorzubereiten
  • Erwachsene müssen für das Kind Sorge tragen

1. Freiheit

  • Bedeutet nach Montessori: unabhängig, unbelastet, nicht beengt, nicht gebunden
  • Wie sieht es aus, wenn wir Disziplin und Freiheit in Bezug setzen?
    • Aktive Disziplin: Ein Mensch ist diszipliniert, wenn er Herr seiner selbst ist und folglich über sich selbst gebieten kann, wo es gilt, eine Lebensregel zu beachten
    • Dem Kind muss verboten werden, was andere Kinder kränkt, ihnen schaden kann oder was als unschicklich oder unfreundliche Handlung gilt
    • Lehrer muss viel Geduld als Aktivität mitbringen
    • Lehrer muss seine Stellung als Beobachter verstehen und empfinden
    • Verhinderungen von spontanen Bewegungen und das Aufzwingen von Handlungen sind zu vermeiden, es sei denn es handle sich um unnütze oder schädliche Handlungen, die unterdrückt und ausgerottet werden müssen
    • Die erste Form des erzieherischen Eingreifens sollte darauf gerichtet sein, das Kind auf dem Weg zur Unabhängigkeit zu führen
    • Man kann nicht frei sein, wenn man nicht unabhängig ist
  • Im Sinne Montessoris ist die Notwendigkeit einer gewissen Disziplin somit die Chance, Freiheit zu erreichen und zu leben
  • Es ist nicht von grenzenloser Freiheit die Rede, die Grenze ist bei der Gefährdung des Gemeinwohls
  • Was wäre Freiheit ohne Grenzen?
    • Um Freiheit wirklich ausleben zu können, müssen Kinder wissen, wie weit sie gehen können, was sie sich zumuten können
    • Freiheit bezieht sich auf das Denken und Handeln des Kindes
    • Durch das Aktivsein kann es Freiheit ausleben und irgendwann auch an seine Grenzen kommen
  • Kind kann durch diese freie Aktivität einen Menschen aufbauen
  • Die Folge seiner freien Aktivität ist das rechte Wachstum, besonders in psychischer Hinsicht
  • Speziellen Aktivitäten (die Aktivzyklen genannt werden) werden großer Bedeutung zugemessen
  • Psychische Phänomene (Repressionen), rühren von Mangel an diesen Aktivitäten
  • Repressionen nicht so sehr dadurch, dass eine Strenge Person ein Kind veranlasst, still zu sein, nicht zu sehr durch direkte Handlung eines Erwachsenen, sonder weil ein Mangel an Aktivität die Entwicklung angehalten hat
  • Das Schreckliche ist, dass diese Kinder nicht entwickelt sind
  • Der Mensch der werden soll, wird nicht nur weniger gut entwickelt sein, er wird deformiert sein, er wird einen deutlichen Defekt haben
  • Es ist Menschrecht, dass das Kind in der rechten Weise aufwächst, denn der Mensch muss in wenigen Jahren aus dem Kind hervorgehen
  • Die Erwachsenen müssen die Kinder verteidigen
  • Die Erwachsenen müssen die wahre Menschheit in diesen Kindern sehen
  • Das Alter von zwei bis drei Jahren ist das wichtigste Lebensalter
    • Alle psychischen Organe der Persönlichkeit werden während dieser Zeit gebildet, der ganze Mensch, der die Möglichkeit hat zu sein (Periode der Schöpfung)
  • Wenn die Kinder etwas freiwillig tun, also in Freiheit aktiv werden und handeln, dann sind sie ausgeglichen und zufrieden
  • Sie öffnen sich für neue Lernerfahrungen und wollen immer weiter vorankommen
  • Das Kind muss ein Umfeld haben, in dem es Eindrücke sammeln kann, denn über diese baut es seine Intelligenz auf
    • Der Bewegungsapparat stellt das Werkzeug dar, mit dessen Hilfe der Mensch auf eine äußere Umwelt einzuwirken, seine Persönlichkeit auszudrücken vermag
    • Bewegung ist nicht nur Ausdruck des Ichs, sondern ein unerlässlicher Faktor für den Aufbau des Bewusstseins
    • Bewegung ist wesentlicher Faktor zum Aufbau der Intelligenz
    • Die Wirklichkeit kann nur durch Bewegung aufgenommen werden
  • Kinder können sich viel besser entwickeln und entfalten, wenn dies in Freiheit möglich ist
  • Freiheit fordert von den Erwachsenen Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis
  • In Freiheit können Kinder auch selbst entdecken
  • Sie können ihren Forscherdrang ausleben und können Erkenntnisse gewinnen, die ihrem Entwicklungsgrad und ihrer Intelligenz entsprechen
  • Nicht der Erwachsene lehrt sie etwas, sondern sie lehren sich selbst etwas, und nicht selten können wir Erwachsenen sehr viel von den Beobachtungen der Kinder profitieren
  • Einschränkungen, die Erwachsene aussprechen, dienen nicht der Entwicklung der Kinder
  • Kinder möchte frei wählen können (Kinder wollen Materialien oder Aufgaben nicht vorgegeben bekommen, sondern sie möchten selbst entscheiden, ansonsten Unkonzentriertheit oder Lustlosigkeit)

2. Die vorbereitete Umgebung

  • Wenn wir den Menschen beobachten, so sehen wir, dass er eher versucht, sich die ihm gemäßeste Umgebung zu schaffen, als sich seiner Umwelt anzupassen.
  • Wenn ein Mensch nicht in einer geeigneten Umgebung lebt, dann kann er nicht alle seine Fähigkeiten normal entwickeln
  • Kind hat keine ihm angemessene Umgebung - es lebt ja in der Welt des Erwachsenen
    • Kind braucht Umgebung, die der Größe, den Kräften und den psychischen Fähigkeiten der Kinder entspräche
  • Laut Montessori- wie Möbel für Kinder sein sollten, wie Räume ausgestattet werden müssten:
    • Möbel müssen leicht sein und so aufgestellt, dass das Kind sie bequem umhertragen kann, die Bilder müssen so niedrig hängen, dass das Kind sie mühelos betrachten kann; das Kind muss im Stande sein, alles zu benützen, dessen es für die Ordnung des Hauses bedarf, und es muss alle Arbeiten des täglichen Lebens ausführen können; es muss fegen, die Teppiche kehren, sich waschen, sich anziehen usw.
    • Außerdem sollen die Gegenstände gediegen (gehaltvoll, rein und gut) und anziehend sein.
    • Kinderhaus soll in den kleinsten Einzelheiten schön und gefällig sein, denn Schönheit ermuntert zur Tätigkeit, zur Arbeit
    • Möbel im Kinderhaus sollen abwaschbar sein
      • Hygienische Gründe und sie geben Kindern Gelegenheit zu einer willkommenen Arbeit. Dabei lernen sie Acht geben, sehen die Flecken und gewöhnen sich mit der Zeit daran, für die Sauberkeit alles dessen, was sie umgibt, verantwortlich zu sein.
    • Kind verfügt noch nicht über geordnete Bewegungen und hat sich noch nicht in der Gewalt
      • Die kindlichen Muskeln vollführen viele ungeschickte Bewegungen, eben weil das Kind noch nicht die richtige Ökonomie und Geordnetheit gelernt hat.
    • Im Kinderhaus wird jeder Fehler, jede falsche Bewegung offenbar
    • Es sollen auch einige zerbrechliche Gegenstände vorhanden sein wie Gläser oder Vasen (für Bewegungserziehung des Kindes)
      • In seiner Umgebung lernt das Kind achtsam zu werden, aber man muss es lassen!
    • Kind hat Freude an der Arbeit, an der Tätigkeit, denn Tätigkeit ist es, die ihm zum Leben verhilft - und dies ist die Quelle, aus der alle seine Anstrengungen entspringen
  • Oft wird die Erreichung dieses Zieles mit allen Kräften verhindert.
    • In den Schulen zum Beispiel befestigt man Tische und Bänke am Boden; die Kinder sind lebhaft, bewegen sich oft ungeschickt und merken nicht, dass sie eigentlich Tische und Bänke umwerfen würden, wenn sie nicht festgemacht wären.
      • So wird Ordnung in der Schule erhalten, aber die Kinder erwerben niemals geordnete Bewegungen.
  • Eine schöne Umgebung, die das Kind leitet und die ihm Mittel bietet, seine Kräfte zu üben, erlaubt der Lehrerin, zeitweilig abwesend zu sein.
  • Die innere Empfänglichkeit bestimmt, was aus der Vielfalt der Umwelt jeweils aufgenommen werden soll und welche Situationen für das augenblickliche Entwicklungsstadium die vorteilhaftesten sind. Sie ist es, die bewirkt, dass das Kind auf gewisse Dinge achtet und auf andere nicht.
    • Während solcher Empfängnisperioden lernt das Kind, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden oder sein motorisches Muskelsystem bis in die feinsten Einzelheiten zu beherrschen.
  • Kinder sollen sich frei ausdrücken können und Bedürfnisse, Neigungen enthüllen, die verborgen bleiben oder unterdrückt werden, wenn keine geeignete Umgebung für spontane Aktivitäten vorhanden ist
  • Bei Gestaltung der Umgebung muss das Kind in den Mittelpunkt gestellt werden
    • Kind will, dass wir ihm helfen, alleine zurechtzukommen - "Hilf mir, es selbst zu tun!" Diese Forderung müssen wir in die Tat umsetzen!

3. Der absorbierende Geist und die sensiblen Perioden

  • Absorbieren bedeutet: aufsaugen, hinunterschlürfen
  • Begriff "absorbierende Geist": beschreibt eine Verhaltensweise des Kindes bzw. das Kind als ganzheitliches Wesen. Das Kind saugt auf, was es in seiner Umgebung sieht, erfährt, erlebt
  • "sensiblen Perioden" sind auch in der Entwicklung des Kindes festzustellen
    • Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die im Kindesalter auftreten
    • Sind von vorübergehender Dauer und dienen dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen
    • Sobald dies geschehen ist, so klingt die betreffenden Empfänglichkeit wieder ab
    • So entwickelt sich jeder Charakterzug aufgrund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne
  • Hat das Kind nicht die Möglichkeit gehabt, gemäß den innerlichen Direktiven seiner Empfänglichkeitsperioden zu handeln, so hat es die Gelegenheit versäumt, sich auf natürliche Weise eine bestimmte Fähigkeit anzueignen, und diese Gelegenheit ist für immer vorbei
  • Kind nimmt die Sprache durch eine andere Geistesform auf: Ein Form von Intelligenz, die sich von den Erwachsenen unterscheidet
  • Erwachsene nehmen Wissen mit Hilfe der Intelligenz auf, während es das Kind mit seinem psychischen Leben absorbiert
  • In dem es lebt, erlernt das Kind die Sprache seiner Rasse
  • Die Eindrücke dringen in seinen Geist ein und formen ihn
  • Unbewusst nimmt es alles in sich auf und wechselt allmählich vom Unbewussten zum Bewussten
  • sobald wir das Bewusstsein erlangen, kostet uns jedes neue Wissen harte Arbeit und Mühe
  • Die Sprache in ihrer ganzen Komplexität tritt in seinem Geist auf und auch die Fähigkeit, seine Bewegungen je nach den Erfordernissen seines Leben zu steuern
  • Die Bewegungen, die das Kind erlernt, werden von der jeweiligen besonderen Entwicklungsperiode bestimmt
  • Durch Erfahrungen in der Umgebung überprüft es in der Form des Spiels (Arbeit) die Dinge und Eindrücke, die sein unbewusster Geist empfangen hat
  • Durch die Arbeit wird es bewusst und baut den Menschen auf
  • Das Kind wird durch das Werk seiner Hände und seiner Erfahrung zum Menschen
  • Die Hände sind Werkzeug der menschlichen Intelligenz
  • Das Kind tritt ins Leben ein und beginnt seine geheimnisvolle Arbeit, nach und nach prägt es seine Persönlichkeit, die sowohl seiner Zeit auch seiner Umwelt entspricht
  • Es baut seinen Geist auf, bis sich das Gedächtnis bildet, die Fähigkeit zu verstehen und zu denken
  • Somit erreicht es schließlich sein sechstes Lebensjahr
  • Erste Periode der menschlichen Entwicklung ist die wichtigste, weil sich der Charakter bildet
  • Das Kind wird in seinem späteren Leben nie mehr so viel und so unterschiedliche Dinge lernen, sich so differenziertes Wissen aneignen, scheinbar spielend im Vorbeigehen eine Sprache erwerben wie in den ersten sechs Lebensjahren

4. Das Kind als Baumeister des Menschen

  • Kind ist der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde
  • Stirbt die Mutter, so wächst das Kind dennoch heran und vollbringt den Aufbau des Menschen
    • Kenntnis der Sprache stammt nicht von der Mutter, sondern das Kind eignet sich die Sprache so wie die Angewohnheiten und Gebräuche der Menschen an, unter denen es lebt.
      • Kind formt von sich aus den zukünftigen Menschen, in dem es seine Umwelt absorbiert.
  • Ein Grundsatz Montessoris, der aus dem Verständnis "Kind als Baumeister des Menschen" abzuleiten wäre: "Sie müssen als Erwachsener dem Kind ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Entwicklungen optimal vollziehen können."
  • Nach Auffassung Montessoris kümmern sich die Erwachsenen (sie spricht von den Lehrerinnen) um viel zu viel
  • Erwachsener muss seine Rolle neu definieren- er ist Wegbegleiter oder im Wortlaut Montessoris- Fremdenführer für den Reisenden (Kind)
  • Erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben. (S.77: Beispiel des roten Stammes (vom Baum))

 

5. Die Polarisation der Aufmerksamkeit

  • Kinder konzentrieren sich, versinken in eine Betrachtung, in tiefe Aufmerksamkeit
  • Aufmerksamkeit, wie es die Kinder zeigen, ist ein Phänomen
    • Sie scheinen ihre Umgebung zu verlassen, schalten ab und reagieren nicht, es sei denn die Mutter, der Vater oder die Erzieherin stören sie
    • Diese Störung wirkt wie ein Zerbrechen der Aufmerksamkeit und es dauert oft lange, bis das Kind wieder in eine Aktivität bzw. Beschäftigung zurückfindet
  • Die Organisation des psychischen Lebens beginnt mit dem Phänomen der Aufmerksamkeit
  • Wenn eine Polarisation der Aufmerksamkeit stattfand, begann sich das Kind vollständig zu verändern
    • Es wurde ruhiger, fast intelligenter und mitteilsamer
    • Es offenbarte außergewöhnliche innere Qualitäten
  • Nachdem das Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit stattgefunden hatte, schien sich in ähnlicher Weise alles Unorganisierte und Unbeständige im Bewusstsein des Kindes zu einer inneren Schöpfung zu organisieren
  • Das ließ an das Leben eines Menschen denken, das sich zwischen den Dingen in einem niederen chaotischen Zustand verlieren kann, bis eine besondere Sache es intensiv ansieht und fixiert, dann erlebt der Mensch die Offenbarung seiner selbst und er fühlt, dass er zu leben beginnt
  • Es zeigt sich als normaler Anfang des inneren Lebens der Kinder und begleitet ihre Entwicklung
  • Auf diese Weise offenbart sich die Seele des Kindes
  • Montessori fordert die "neue Lehrerin"
  • Nicht nur "neue" Erwachsene sind nötig, sonder auch eine "neue" Pädagogik
  • Die immer noch vorherrschende Angebots- und Aufforderungspädagogik muss abgelöst werden von einer Entwicklungspädagogik
  • Entwicklungspädagogik möglich durch
    • Die Vorbereitende Umgebung durch den Erwachsenen, Raum für eine gesunde Entwicklung
    • Sensible Perioden der Entwicklung des Kindes
    • Kind ist Baumeister seines Selbst
    • Keine Unterdrückung des Kindes
  • Kind hat eine Tendenz zur Vollkommenheit und das zeigt sich darin, dass es seine Tätigkeiten fortsetzt, wiederholt, bis es selbst mit dem Erreichten zufrieden ist
  • Das Kind bestätigt sich damit selbst, erfährt Selbstsicherheit und ist stolz auf seine Leistung
  • Der Erwachsene muss Respekt vor der "Lern- und Arbeitsleistung" des Kindes haben

6. Lernen mit der Drei-Stufen-Lektion

  • Umgebung des Erwachsenen erachtet sie als "keine lebensbringende Umwelt für das Kind, sondern eher als Anhäufung von Hindernissen, zwischen denen das Kind Abwehrkräfte entwickelt, zur verbildenden Anpassung genötigt wird und allerlei Subventionseinflüssen unterliegt"
  • Montessori hat frühzeitig entdeckt, dass Kinder mit ihren Sinnen sehr differenziert wahrnehmen. Die Verknüpfung zwischen Wahrnehmung und Sprache bedarf jedoch noch stärkerer Aufmerksamkeit.
  • Es ist zwar wünschenswert, die Erziehung der Sinne als Grundlage für geistige Vorstellungen zu betreiben, aber es ist zu gleicher Zeit auch sehr ratsam, die Sprache an diese Sinneswahrnehmungen zu knüpfen.
    • Zu diesem Zweck hat Montessori die Drei-Stufen, aus denen nach Séguin der Unterricht besteht, zur Anwendung bei den Kleinen vortrefflich gefunden.
      • 1. Stufe: Die Assoziation der Sinneswahrnehmung mit den Namen. Sie geben dem Kind zum Beispiel zwei Farben, rot und blau. Indem wir rot vorzeigen, sagen wir einfach: Dies ist rot- entsprechend bei blau. Dann legen wir die Spulen vor den Augen des Kindes auf den Tisch.
      • 2. Stufe: Erkennen des dem Namen entsprechenden Gegenstandes. Wir sagen zum Kind: "Gib mir rot- blau."
      • 3. Stufe: Erinnerung an den den Gegenstand bezeichnenden Namen. Man zeigt dem Kind den Gegenstand und fragt: "Was ist diese?2 Und es soll antworten: "rot."
    • Séguin besteht fest auf diesen Drei-Stufen und verlangt, dass man die Farben einige Zeit vor den Augen der Kinder liegen lasse.
    • Er rät, Farben nie einzeln, sondern immer zwei zugleich zu zeigen, da der Gegensatz das Farbengedächtnis unterstützt.
  • Bei normalen Kindern geht jedoch den Drei-Stufen Séguins noch eine voraus, welche die eigentliche Erziehung der Sinne enthält! Es handelt sich dabei um die Erwerbung eines feinen Unterscheidungsvermögens, das nur auf dem Weg der Selbsterziehung zu erlernen ist.
    • Beispiel: Montessori sitzt mit kleinem (noch nicht drei Jahre altem) Mädchen am Tisch
    • Auf dem Tisch lagen zwei Farbspulen in Paaren. Das heißt zwei rot, zwei blau, zwei gelb.
    • Auf der 1. Stufe legte ich eine der Spulen vor das Kind und forderte es auf, dazu die gleiche zu finden. Dies wiederholte Montessori für alle drei Farben und zeigte, wie sie sorgfältig paarweise anzuordnen seien.
    • Hierauf ging Montessori zu den Drei-Stufen Séguin über
    • Das Mädchen lernte die drei Farben kennen und den Namen einer jeden angeben
  • Montessori beauftragt Erwachsenen alle Materialien im Sinne der Drei-Stufen-Lektion einzuführen.
    • Drei-Stufen-Lektion und Material sind quasi untrennbar voneinander, dazu gehört außerdem noch die Sinneswahrnehmung.

7. Die Lektion der Stille

  • Nach Montessoris Ansicht fehlt die Stille im menschlichen Leben
  • "Lektion der Stille" oder "Lektion des Schweigens"
  • Man muss das Schweigen demonstrieren, um es kennenzulernen
  • Weil man die Stille nicht kennt, verwechselt man sie mit einer gewissen Verminderung von Geräuschen, die auch eine Verminderung von Unruhe bringt
  • Stille hat einen hohen inneren Wert und das die Menschen, die sich zu vervollkommnen suchen oder die mit Intelligenz auf ein sehr hohes Niveau gelangen wollen, diese Stille haben müssen
  • Je stiller wir sind, desto intensiver nehmen wir auf, desto besser können wir zuhören
  • Montessori spricht vom Lehren der Stille, von der Lektion
    • Stille muss aber zur Normalität werden, darf nicht "künstlich" sein
      • Das ist das Ziel, dass Montessori erreichen will
      • Der Weg oder ihr Weg dorthin ist ihre "Lektion der Stille"
  • Stille ist die Einstellung jeder Bewegung und nicht die Einstellung von Geräuschen, die über das normale, im Raum geduldete Geräusch hinausgehen
  • Ein Befehl würde nicht zur Stille führen
  • Es gibt mehrere Grade der Stille
  • Wo sich nichts, aber auch gar nichts bewegt, herrscht absolute Stille
  • In den Willen, die Unbeweglichkeit zu erreichen, lenken die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf alle Teile des Körpers
  • Während sie sich in diesem Bemühen versuchen, entsteht wirklich eine Stille, die anders ist als das, was man gewöhnlich darunter versteht
    • Es scheint, dass das Leben allmählich entschwindet, dass sich der Saal nach und nach leert, als befände sich keiner mehr darin
    • Die Kleinen sind von dieser Stille fasziniert, als hätten sie einen wirklichen Sieg errungen

8. Isolierung einer Eigenschaft im Material - Begrenzung des Materials

  • Jedes Material hat ganz verschiedene Eigenschaften: Gewicht, Rauheit, Farbe, Form, Maß, Klang usw.
    • Montessoris Prinzip ist, jeweils nur eine Eigenschaft herauszuheben, zu isolieren und so zu einer vertieften Wahrnehmung zu gelangen
  • Unter den vielen Eigenschaften des Gegenstandes ist eine einzige zu isolieren
    • Es müssen Gegenstände vorbereitet werden, die untereinander vollkommen gleich sind, mit Ausnahme der sich ändernden Eigenschaft.
      • Falls wir Gegenstände zurechtlegen wollen, die zum Beispiel zur Unterscheidung von Farben dienen, müssen sie gleich im Stoff, Form und Abmessungen sein und nur in der Farbe differieren.
    • Bei diesem Verfahren lässt sich eine große Klarheit bei der Differenzierung der Dinge erreichen, und es wird offenkundig, dass gerade Klarheit die Grundlage für das Interesse am "Unterscheiden" bildet.
    • Von der psychologischen Seite her ist bekannt, dass die Sinne soweit wie möglich isoliert werden müssen, will man einzelne Eigenschaften besser hervorheben.
    • Isolierungsprozess kann zweifacher Natur sein: Er kann sich auf den von jedem Umwelteinfluss isolierten Menschen beziehen (Mensch soll nichts sehen - so ist er im Dunkeln usw. S.107) und auf das Material, das eine einzige, graduell abgestufte Eigenschaft aufweist.
  • Führt man die Wahrnehmung der einzelnen Sinnesbereiche zusammen, so gelangt man zu einem ganzheitlichen Bild, zu ganzheitlicher Wahrnehmung, man lernt die Dinge als Ganzes kennen.
    • So hat eine Textilie eine bestimmte Form, eine bestimmte Farbe, eine bestimmte Struktur, einen besonderen Grad an Rauheit oder Glätte, ist grob- oder feingewebt usw.
    • Je mehr Sinneswahrnehmungen wir machen, desto konkreter und vollständiger wird demnach das Bild eines Materials in uns.
  • Genauso wichtig wie die Isolierung einer Eigenschaft eines Materials ist Montessori aber auch die Begrenzung des Materials in der Menge.
    • Material muss "mengenmäßig begrenzt" sein!
    • Wir glauben zu Unrecht, das "an Spielzeug reichste", das "an Hilfsmitteln reichste" Kind könne sich am besten entwickeln. Stattdessen beschwert die ungeordnete Vielzahl von Dingen die Seele mit neuem Chaos und bedrückt sie durch Entmutigung.
    • In der "Begrenzung" der Hilfsmittel, die das Kind dazu führen, Ordnung in seinen Geist zu bringen
  • Montessori meint, dass wir die "Neue Lehrerin"- den neuen Erwachsenen- brauchen, die davon überzeugt ist, dass im Wenigen mehr liegt, dass die Wahrnehmung geschult wird durch die Isolierung der Sinne
  • Kinder die noch klein sind, können die ganze Welt noch nicht erfassen - schlafen vor Müdigkeit ein, weil sie so viele Dinge gesehen haben
  • Mit "Sinnesübungen" können Kinder lernen, zu unterscheiden und zu klassifizieren
    • Denn Sinnesmaterial analysiert und stellt die Eigenschaften der Dinge dar: Dimensionen, Formen, Farben, Glätte oder Rauheit der Oberflächen, Gewicht, Temperatur, Geschmack, Töne ... Eigenschaften wie groß, lang, warm, schwer, rau, dick, wohlriechend ...
    • Eigenschaften der Gegenstände unterscheiden sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Quantität - können mehr oder weniger, hoch oder niedrig ... sein
    • Sinnesmaterial eignet sich dazu, all diese Dinge zu unterscheiden
  • Unsere Selbsterziehung muss vor der Erziehung des Kindes stehen, damit wir das Kind in seinem Aufbau nicht behindern.
  • Kind wendet sich den Gegenständen zu, die seinen Bedürfnissen entsprechen
    • Wenn es sie findet, entfaltet es seine Kräfte, macht Muskel- oder Sinnesübungen und ist dann zufrieden.
    • Wenn es sie nicht findet, ist es unruhig wie über unbefriedigte Bedürfnisse

9. Die neue Lehrerin

  • Montessori spricht von einer Lehrerin, meint aber alle Erwachsenen aus der Umgebung des Kindes
  • Montessori setzt strenge Maßstäbe an, denn wenn die Lehrerin nicht den Anforderungen ihrer Pädagogik entspricht, ihre Grundprinzipien verinnerlicht hat, dann kann ihre Arbeit nicht zum Erfolg führen
  • Montessori fordert:
    • Die Lehrerin muss schweigen, statt reden
    • Sie muss beobachten, statt unterrichten
    • Sie muss Demut, statt stolze Würde zeigen
  • Erwachsene beobachten, nehmen wahr, staunen und lernen vom Kind
  • Die Lehrerin beobachtet das "innere Leben des Menschen"
  • Montessori-Lehrerin muss ihr Vorstellungsvermögen wach halten, denn sie hat ein Kind vor sich, das sozusagen noch nicht existiert
  • Die Lehrerin muss ein Glauben haben, dass sich das Kind offenbaren wird durch die Arbeit
  • Sie müssen sich von jeder vorgefassten Meinung lösen, die das Niveau betrifft, auf dem sich die Kinder befinden können
  • Sie muss in der Vorstellung den Typ des Kindes sehen, der in einem geistigen Bereich lebt
  • Die Lehrerin muss daran glauben, dass das Kind, das sie vor sich hat, seine wahre Natur zeigen wird, wenn es seine Arbeit gefunden hat, die es anzieht
  • Es gibt drei Aspekte bei ihrem Verhalten:
    • Erstes Stadium:
      • Die Lehrerin wird zum Wächter und Aufseher der Umgebung
      • Sie konzentriert sich auf die Umgebung, weil von ihr die Genesung auf die Anziehungskraft, die den Willen der Kinder polarisieren wird, ausgehen soll
    • Zweites Stadium:
      • Die Lehrerin muss verführerisch sein, sie muss die Kinder anziehen
      • Die Lehrerin muss wie eine Flamme sein, deren Wärme aktiviert, lebendig macht und einlädt
      • Sie muss mit den Kindern arbeiten, indem sie alle ermutigt und alle anerkennt und eine einnehmende Fröhlichkeit an den Tag legt
    • Drittes Stadium:
      • Die Lehrerin darf nicht eingreifen
      • Das Kind konzentriert sich endlich auf eine Arbeit
      • Das Interesse des Kindes konzentriert sich nicht nur auf die Arbeit, sondern öfters auf den Wunsch, die Schwierigkeiten zu überwinden
      • Lob, Hilfe und auch nur ein Blick können genügen, um das Kind zu unterbrechen und die Aktivität zu zerstören
      • Das Prinzip, das der Lehrerin zum Erfolg hilft, ist Folgendes: Sobald die Konzentration beginnt, muss sie tun, als ob das Kind nicht existiere
      • Sie kann natürlich schauen, was das Kind tut, aber mit einem schnellen Blick, ohne dass sie es merken lässt
      • Erzieher, Mutter, Vater, Lehrer sind nicht überflüssig
      • Lehrerin hat dem Menschsein in einer wesentlichen Periode seiner Bildung geholfen
  • Wenn wir bessere Bedingungen für die Kinder herstellen wollen, so müssen wir an die Eltern denken
    • Erwachsene müssen besser sein - sie müssen weniger stolz sein, weniger an sich selbst denken, weniger diktatorisch sein
    • Kinder werden unterdrückt, wenn sie nicht die besondere Aktivität entfalten können, welche die Natur von der menschlichen Persönlichkeit verlangt, damit sie sich gut entwickeln
    • Ungeordnete seelische Bewegungen von Kindern ergeben sich aus zwei Quellen:
      • Geistige Unterernährung
      • Mangel an Aktivität
    • Die Kinder sind fähig, aus der Umgebung zu absorbieren
    • Werden sie von der Welt isoliert, so wird ihnen etwas Fundamentales fehlen
    • Wenn sie stillsitzen müssen und sich nicht bewegen, nicht berühren dürfen, so wird ihre natürliche Aktivität unterdrückt
    • Der Erwachsene hat eine lenkende und nicht eine lehrende Funktion
  • Jeder Erwachsene ist Repräsentant der Gesellschaft und muss dem Kind helfen, sich mit den Regeln vertraut zu machen
  • Mit der Aussage "Hilf mir, es selbst zu tun." weist es den Erwachsenen in seine erzieherischen Grenzen
  • Es sagt: "Bis hierher und nicht weiter. Enge mich nicht in meiner Selbsttätigkeit und Selbsterfahrung ein. Du kannst mir Brücken bauen, aber darüber gehen muss ich selbst."

10. Die Natur in der Erziehung

  • Kinder in unserer zivilisierten Gesellschaft sind von der Natur entfernt und haben nur wenig Gelegenheit, mit ihr in Berührung zu kommen
  • Montessori sieht die Berücksichtigung der Natur als ein wichtiges Erziehungsprinzip
  • Heute wird in Form von Kinderhygiene der Teil der Leibeserziehung gepflegt, der darin besteht, die Kinder in öffentlichen Anlagen etwas mehr mit der frischen Luft in Berührung zu bringen; sie einige Zeit Sonne und Wasser am Strand auszusetzen.
    • Auch einfachere und kürzere Kleider, Sandalen oder nackte Füße sind schüchterne Versuche zur Befreiung von übertriebenen Fesseln, welche die Kinder an das zivilisierte Leben binden
  • In Montessoris Vorstellungen hat sich die Natur nach und nach auf die Blumen und die für unsere Ernährung, unsere Arbeit oder unseren Schutz nützlichen Haustiere beschränkt.
  • "Natur flößt den meisten Menschen Angst ein"
    • Wenn Kinder jedoch mit Natur in Berührung kommen, dann zeigt sich ihre Kraft
      • Laufen z.B. kilometerweit
  • Das Gefühl der Kinder für die Natur wächst mit der Übung, wie alles andere.
  • Also muss das Kind Natur erleben können.
  • Der Umgang mit Natur lässt sich nicht über Lehrbücher vermitteln.
  • Erwachsene erkennen die Interessen der Kinder nicht ausreichend und gehen nicht auf diese ein
    • Kind ist fasziniert von Gemüsegarten - "ein Garten mit Sachen zum Essen"; Mutter erachtet dem Garten keiner Bewunderung wert
  • Kinder wünschen, große Arbeiten zu vollbringen und ihre Tätigkeit direkt mit den Erzeugnissen der Natur in Verbindung zu bringen
  • Montessori hat beobachtet, welche Tätigkeit Kind in der Natur gerne ausübt
    • Angenehmste Arbeit für das Kind ist nicht das Säen, sondern vielmehr das Ernten
    • Ernten steigert das Interesse für das Säen, und je mehr einer das Ernten erfährt, desto stärker empfindet er den verborgenen Reiz des Säens
  • Gerade durch die Tätigkeit bringen die Kinder die an Schönheit reichen Knospen ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit zum Aufbrechen
  • Also machen wir die Natur zu einem Erziehungsinhalt in unserem Leben und erheben wir die Naturbegegnung in unserem pädagogischen Handeln zu einem Grundprinzip!

Die Aufgabe der Eltern

  • Eltern sind die Wächter des Kindes, aber nicht seine Bauherren
  • Sie müssen das Kind pflegen und beschützen
  • Sind mit dem Kind eng verbunden
  • Eltern müssen Offenheit und Bereitschaft zeigen
  • Eltern müssen das Recht des Kindes anerkennen
  • Die Gesellschaft muss den Kindern die vollkommenste und weiseste Fürsorge geben
  • Kinder sind die Menschheit von Morgen
  • Montessori wandte sich aber nicht nur an die Eltern, sondern sie entwickelte auch Gebote für die Erzieher des jungen Kindes im "Kinderhaus" - und das sind dann "zwölf Gebote"
    • 1. Die Lehrer haben zunächst eine Pflicht materieller Ordnung: Minutiös die Umgebung zu prüfen dass sie sich sauber, glänzend, geordnet darstellt; die Folgen der Abnutzung durch den Gebrauch beheben, ausflicken, neu bemalen oder auch für anziehenden Schmuck sorgen.
    • 2. Der Lehrer muss den Gebrauch der Dinge lehren, ausführend zeigen, wie sich die Übungen des praktischen Lebens vollziehen: Und dies mit Anmut und Genauigkeit, damit alles in der Umgebung Befindliche von dem benutzt werden kann, der es wählt.
    • 3. Der Lehrer ist "aktiv" wenn er das Kind mit der Umgebung in Beziehung bringt: Er ist "passiv", wenn diese Beziehung erfolgt ist.
    • 4. Er muss die Kinder beobachten, damit ihre Kraft sich nicht vergebens verflüchtigt, wenn eines verborgene Geräusche sucht, oder eines der Hilfe bedarf.
    • 5. Er muss herbeieilen, wohin er gerufen wird.
    • 6. Er muss zuhören und antworten, wenn er dazu eingeladen wird.
    • 7. Er muss das Kind, das arbeitet, respektieren, ohne es zu unterbrechen.
    • 8. Er muss das Kind, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.
    • 9. Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das den anderen bei der Arbeit zusieht, ohne es zu stören, ohne es anzurufen, ohne es zur Arbeit zu zwingen.
    • 10. Er muss aber unermüdlich versuchen, demjenigen Kind Gegenstände anzubieten, das es schon einmal abgelehnt hat; das zu unterweisen, das noch nicht verstanden hat und Fehler macht. Und dies, indem er die Umgebung mit seinem Sorgen belebt, mit seinem bedachten Schweigen, mit seinem sanften Wort, mit der Gegenwart jemandes, der liebt.
    • 11. Der Lehrer will mit seiner Gegenwart das Kind spüren lassen, das sucht; sich verbergen dem, das gefunden hat.
    • 12. Der Lehrer erscheint dem Kind, das seine Arbeit vollendet und frei seine eigene Kraft erschöpft hat, und bietet ihm schweigend seine Seele an, wie einem geistigen Gegenstand.

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Montessori - "Kinder lernen schöpferisch"

Becker-Textor, Ingeborg (1994): Maria Montessori. Kinder lernen schöpferisch. Die Grundgedanken für den Erziehungsalltag mit Kleinkindern. 2. Auflage. Freiburg, Basel, Wien: Herder Verlag, S. 13-32. 

 

1. Maria Montessori- ihre Grundprinzipien

  • Zentraler Punkt aller Überlegungen Montessoris und somit ihres ganzen Erziehungskonzeptes ist ihre Grundhaltung dem Kind gegenüber.
  • Sie glaubt an die verborgenen schöpferischen Kräfte im Menschen und erachtet ihre Aufgabe darin, diese zu wecken, zu aktivieren und zu motivieren, um den Menschen dadurch zu harmonisieren und zu normalisieren.
    • Nur darin sieht Montessori eine Möglichkeit zur Lösung der Menschheitsprobleme
  • Montessori vergleicht ihre Arbeit im erzieherischen Bereich mit der Arbeit des Arztes, ihre Erziehungsmethoden mit der Hygiene
    • Deshalb stellt sie die Normalität des Menschen gleich mit seiner absoluten Gesundheit, sowohl im physischen wie auch im psychischen Bereich.
  • Wichtige Kernpunkte in der Montessori- Pädagogik sind:
    • Die Schulung der Wahrnehmungsfunktionen
      • Montessori wählt bestimmtes Arbeitsmaterial aus im Hinblick auf die Fähigkeit des Kindes, die Welt erst sinnlich, später auch begrifflich zu erfassen. Das Kind soll dabei seine Beobachtungsgabe, sein Zuordnungs- und Unterscheidungsvermögen üben und so vom konkreten Schauen zum abstrakten Denken gelangen.
  • Programmierte Vorbereitung durch die Erzieherin, Übung, Präzision und Vervollkommnung durch die Aktivität des Kindes
    • Durch die programmierte Vorbereitung durch die Erzieherin übt das Kind den Umgang mit dem Material und erreicht damit durch zunehmende Präzision die Vervollkommnung seines sinnlichen Erfahrungsraumes. Montessori sieht diesen Prozess als Voraussetzung zur Entwicklung zwischenmenschlicher, persönlicher Fähigkeiten an.
  • Selbstwertungsprozess und Individualität
    • Durch Material bringt Montessori das Kind zur Selbsterfahrung und gleichzeitig zur Selbsterziehung und Selbstdisziplin. Sie geht davon aus, dass das "normalisierte Kind" ausreichend Eigenmotivation besitzt. Das Material in Verbindung mit dem Arbeitstempo ist der Individualität und dem Entwicklungsstand des Kindes angemessen.
  • Bewegung, Aktivität und Arbeit
    • Aktive Erziehung hält Montessori für sehr wichtig. Sie versteht unter diesem Begriff Übungen im sensorischen Bereich, Übungen des praktischen Lebens, in denen man "tun durch Tun lernt". Das Kind lernt Arbeitshaltungen und Ordnungen kennen und hat einen Ausgleich zur geistigen Arbeit.
  • Freiheit und Spontaneität
    • Das normalisierte Kind entscheidet sich spontan für ein bestimmtes Arbeitsmaterial und drückt seine spontane Individualität innerhalb einer "expansiven Erziehung" dadurch aus, dass es sich in interessante, selbstgewählte Aufgaben vertieft.
  • Die vorbereitete Umgebung
    • Eine der Kinder angepasste Umgebung mit geregelten Anreizen in abgestuftem Material.
  • Sensitive Perioden
    • Im Alter von 0 bis 6 Jahren zeigt Kind eine außergewöhnliche Sensibilität für bestimmte Lernprozesse -> sensitive Perioden
    • Die Gesamtentwicklung von 0 bis 6 Jahren -> formative Periode
    • In dieser Zeit werden Umweltreize aufgenommen, absorbiert und miteinander in Beziehung gesetzt.
  • Rhythmus, Gleichgewicht, Ordnung
    • Mensch ist rhythmisches Geschöpf, das zu seiner optimalen Entfaltung Freiheit innerhalb bestimmter Grenzen braucht.
    • Nur so gelangt Mensch zur Selbstbeherrschung und ist in der Lage, soziale Beziehungen aufzubauen.
  • Entdeckungen und Entwicklungen
    • Normalisiertes Kind soll beobachtet werden und kindliche Entwicklung (die normal und natürlich ist) soll erforscht werden
      • Dadurch glaubt Montessori die "Pädagogik vom Kinde aus" aufzeigen zu können
      • Ziel Montessoris Pädagogik ist eine neue Menschheit, die ihr Leben meistern kann.
  • Kind als Baumeister des Menschen
    • Kind hat einen Bauplan der Seele in sich und arbeitet sich im Grunde selbst zum Menschen empor
    • Umwelt hat Kind nur Material zu liefern und seine Entwicklungsbedürfnisse zu erspüren und zu beachten
  • Der neue Lehrer
    • Lehrer bzw. Lehrerin -> Beobachter, der den Lernprozess des Kindes verfolgt und wenn nötig in Kommunikation mit dem Kind tritt. (Er muss auf das Kind hören, wenn es sagt: "Hilf mir, es selbst zu tun.")
  • Wissen, Lieben, Dienen
    • Grundsätze (im praktischen pädagogischen Konzept) sind notwendig, um dem Kind in vorbereiteter Umgebung zur Normalisation zu verhelfen.
  • Vergleichen wir Montessori-Material mit anderen didaktischen Materialien, so stellen wir fest, dass heute die kindliche Aktivität auf ein vom Erwachsenen bestimmtes Ziel gerichtet wird.
    • Ist dieses Ziel erreicht, so ist damit auch die Arbeitsmöglichkeit für das Kind beendet
  • Beim Montessori-Material dagegen bleibt die Aktivität erhalten, da es keine begrenzte Zielsetzung gibt. Kind kann bei einer Arbeit verweilen oder variieren.
  • Material wird in offenen Schränken angeboten, ist ansprechend in Form und Farbe, ist eindeutig und hat begrenzte Überschaubarkeit.
  • Bevor Kinder selbständig mit Material arbeiten, geht Einführung seitens der Erzieherin voraus
    • Drei-Stufen-Lektion!

 

 

2. Montessori-Pädagogik heute

  • Viele Eltern, aber auch Erzieherinnen/ Lehrerinnen sehen in der Montessori-Pädagogik Chance zur Überwindung von Erziehungsproblemen, aber auch zur kognitiven Förderung der Kinder
  • Mit der Ausbreitung des Integrationsgedankens hat die Montessori-Pädagogik auch Eingang in viele Integrationskindergärten gefunden
  • Integrationsgruppen in unserem heutigen Sinn, gemeinsame Förderung behinderter und nichtbehinderter Kinder innerhalb eines fundierten Konzeptes, hat Montessori niemals eingerichtet oder propagiert.
  • Montessori unterschied nicht nach Altersjahrgängen, sondern fasste in der Regel drei Altersjahrgänge in einer Lerngemeinschaft zusammen
    • Dies entspricht dem heute in unseren Kindergärten praktizierten Konzept der altersgemischten Gruppe mit 3- bis 6-jährigen Kindern
      • Die jüngeren Kinder sollen von den älteren angeregt und diese wiederum zur Hilfe für die jüngeren Spielkameraden aufgefordert werden.
  • Kinder lernen selbst aus sich heraus, Material hilft ihnen dabei
  • "Kinder lernen schöpferisch" - Kind "schöpft" aus seinem Inneren; sein innerer Bauplan, seine sensiblen Perioden, die vorbereitete Umgebung, das Material eröffnen ihm neue Möglichkeiten aktiv tätig zu werden, Entdeckungen zu machen- in Freiräumen, die ihm die Eltern/ Lehrer einräumen
  • In der Montessori-Pädagogik hat Kind Recht auf Spontaneität und freie Entfaltung
  • "Hilf mir es selbst zu tun." Kind meint: "Zeig mir, wie es geht. Tu es aber nicht für mich. Ich kann und will es selber tun. Hab auch Geduld mit mir ..." Fehler, die ein Kind macht, wird es erkennen. Das Material zeigt es dem Kind und Kind wird üben.
  • Kinder - selbstgewählte Arbeit; können diese alleine, zu zweit oder mit mehreren Kindern ausüben
  • Beim Frühstück bildet sich z.B. die Gemeinschaft
  • Jedes Material ist, mit einzelnen Ausnahmen, nur einmal da -> das bringt seine Bedeutung zum Bewusstsein und es erhöht seine Anziehungskraft
  • Kinderhaus ist kein Ersatz für das Elternhaus und seine Werte und Bildungsmöglichkeiten, sondern eine Ergänzung der häuslichen Umgebung
  • Gespräch entsteht am Ende der Woche darüber, ob alles im Kinderhaus schön war oder zukünftig etwas zu ändern ist (mit Kindern)
  • Für Montessori ist die Einbeziehung der Bewegung ein Fundamentalprinzip ihrer Pädagogik
    • Kinder werden nervös in der Enge des Wohnens mit dem Erwachsenen
    • Kind inkarniert seinen Geist durch das Tun, der Geist ordnet sich die Bewegung zu und wird in der rechten Umgebung der Möglichkeiten leiblicher und zugleich geistiger Bewegungen inne.
  • Für Montessori ist es lebensnotwendig, dass unter den heutigen Verhältnissen Kinder in Kinderhaus und Schule eine naturnahe, aber gestaltete Umgebung geschaffen wird, in der sie durch spielhaftes und zielgerichtetes Tun zur Bildung kommen.
  • Charakteristikum der vorbereiteten Umgebung ist Ordnung
    • Mit Ordnung verbunden sind Schönheit und der Reichtum des Lebens
  • Montessori zählt zu den Reformpädagogen, die ganz bewusst auf die Bedürfnisse von Kindern aufmerksam machen wollten, die der Welt klarmachen wollte, dass die frühe Kindheit für die menschliche Entwicklung der wichtigste Zeitraum ist, dass Versäumnisse in dieser Zeit nicht mehr aufgeholt werden können.

Kritik an der Montessori-Pädagogik

Aden-Grossmann, Wilma (2002): Kindergarten. Eine Einführung in seine Entwicklung und Pädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 83-­92; 147-162.

Becker-Textor, Ingeborg (2007, 2008): Maria Montessori. Zehn Grundsätze des Erziehens. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH.

Becker-Textor, Ingeborg (1994): Maria Montessori. Kinder lernen schöpferisch. Die Grundgedanken für den Erziehungsalltag mit Kleinkindern. 2. Auflage. Freiburg, Basel, Wien: Herder Verlag, S. 13-32.

 

  • Es gibt in Deutschland etwa 600 Kindertagesstätten (Kinderhäuser), die nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik arbeiten
  • Ein Kritikpunkt besteht bis heute darin, dass Maria Montessori es den Kindern nicht gestattete, mit den Materialien zu spielen
    • Das didaktische Material sollte der Übung und der Vorbereitung der einzelnen Organe und Funktionen des kindlichen Organismus für die kindliche Arbeit dienen und war deshalb auch kein Spielzeug
  • Fröbel, der die pädagogische Bedeutung des Spiels für die Kindheit entdeckt hat, versuchte in seinen Kindergärten das Spiel zu erzieherischen Zwecken einzusetzen
  • Die Fröbel-Bewegung interpretierte jegliche Tätigkeit des Kindes als Spiel und die Begriffe Spiel und Arbeit wurden als Gegensätze gedeutet
  • Montessori verwendete das Verb "arbeiten" für kindliche Handlungen, da das Kind sich selbst aufbaut 
  • Die mit am häufigsten geäußerte Kritik an Montessori bezieht sich auf ihre Bemerkungen bezüglich der Phantasie
  • Während Fröbel der Phantasie und dem Spiel viel Bedeutung zugesprochen hatte, betrachtet Montessori die Phantasie als unzureichende Wirklichkeitserfahrungen
  • Ein weiterer häufig genannter Kritikpunkt bezieht sich auf die Phasentheorien
    • Montessori sehe die menschliche Entwicklung als einen starren Bauplan, da sie wiederholt von dem inneren Bauplan, welcher die Entwicklung des Menschen steuere, spricht
  • Ein weiterer Kritikpunkt an der Pädagogik Montessoris war und ist, dass man glaubt, dass durch die Grenzen des von ihr eingesetzten Materials die Freiheit eingeschränkt würde (Montessori: Freiheit wird oft vermischt mit Abwechslung. Freiheit bezieht sich aber auf das Denken und Handeln des Kindes.)
  • Auch Heard Kilpatrick vertrat die Auffassung, man müssen den Kindern mehr Freiheit verschaffen und er bezeichnete ihre Materialen als "magere Kost", die "einzigartig wenig Abwechslung" böten
    • Weiterhin vertrat er die Auffassung, dass ein normales Kind sich beim Umgang mit diesen Materialien bald langweiligen würde
  • der Vorgang der Identifizierung mit einem Gegenüber, mit dessen Hilfe Kinder Bindungen entwickeln und denen sie positive Gefühle entgegenbringen, scheint ausgelassen worden zu sein
    • Gerade die emotionale Dimension scheint Montessori ausgelassen zu haben. 
  • Kritik an der Betonung der Einzelarbeit anstelle der Gruppenarbeit
    • Dabei habe Montessori zwar die Individualität des Kindes gefördert, aber seine Sozialbeziehungen nicht hinreichend berücksichtigt
  • Auch die Rolle des Leiters wurde des häufigeren kritisch beleuchtet, da dieser weitgehend durch das Material ersetzt würde
    • Dabei könne nicht mehr von einem pädagogischen Bezug zwischen Erzieher und Kind die Rede sein.
  • Die Pädagogik Montessoris wird in Deutschland nur in z.T. recht teuren privaten Einrichtungen gepflegt und ist damit in der Regel nur Kindern der gehobenen Mittelschicht zugänglich

Qualitätssicherung an Montessori-Einrichtungen

  • Verwendung des Namens Montessori ist nicht geschützt
  • Es gibt keine Instanz, die den Betrieb einer Montessori-Einrichtung verbindlich autorisieren bzw. überwachen könnte
    • Es gibt es klare Anhaltspunkte zur Bestimmung, ob eine Schule oder eine Kita nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik arbeitet:
      • durch die durchgängige Anstellung von PädagogInnen an der Einrichtung, die einen der Ausbildungsgänge Montessori-Diplom bzw. Montessori-Zertifikat gemäß verabschiedeter Standards absolviert haben
      • durch vorhandene und zunehmend detailliertere Montessori-spezifische pädagogische Standards und Qualitätssicherungsverfahren für Einrichtungen der Elementar-/Primar-/Sekundarstufe.

Grundprinzipien Waldorfpädagogik

Das Grundprinzip der Waldorfpädagogik: Nachahmung

  • Heitere Mienen der Erzieher und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe
  • Wenn die Nachahmung gesunder Vorbilder in solcher Atmosphäre der Liebe möglich ist, dann ist das Kind im richtigen Element
  • Die Kinder haben ein tiefgreifendes Interesse an den Vorgängen der Welt und eine große Freude oder Befriedigung daran, diese Vorgänge nachzuahmen
  •  Liebe und Freude sind die Prinzipien, die immer in der Erziehung vorhanden sein sollten, im ersten Jahrsiebt sind sie besonders wichtig
  • Der Erwachsene ist in dieser Zeit das Vorbild, alles, was dem Kind vorgelebt wird, nimmt es auf und verinnerlicht es
  • Die grundlegenden menschlichen Fähigkeiten wie Gehen und Sprechen lernt das Kind durch die Nachahmung
  • Für alles Lernen ist Beziehung, Freude und Bewegung wichtig
  • Im Spiel findet eine Verknüpfung von motorischen, sozialen und gedanklichen Prozessen statt und fördert damit die Vernetzung im Gehirn (sensorische Integration)
  • Ermahnungen oder Belehrungen sprechen nur den Intellekt des Kindes an
  • So nimmt das Kind nicht nur äußere Handlungen über die Nachahmung auf, sondern unsere Mitmenschlichkeit unserer Umgebung
  • Dies bildet später die Grundlage für eigenes verantwortliches und moralisches Handeln

Gesamtkonzeption der Pädagogik

  • "Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen."
  • Die Erziehung zur Freiheit ist ein hohes Ideal und es bedarf einer genauen Kenntnis der kindlichen Entwicklung, damit dieses Ziel Realität werden kann
  • In den ersten sieben Jahren ist das Kind noch ganz damit beschäftigt, die Welt und sich selbst kennenzulernen
  • Es ist die Phase des größten körperlichen Wachstums
  • Für dieses Wachstum und die Reifung seiner Organe braucht das Kind viele Lebenskräfte
  • Diese Kräfte regenerieren sich in einem rhythmischen Tagesablauf, in dem sich Phasen der Aktivität mit Phasen der Ruhe regelmäßig abwechseln
  • Feste Tageszeiten für das Essen und Schlafen und eine gewisse gleichbleibende Struktur des Tages geben dem Kind Sicherheit und helfen ihm, seinen eigenen Rythmus zu finden
  • Wenn sich jeden Tag der vertraute Ablauf wiederholt, kann das Kind abends einschlafen in der Gewissheit, dass morgen alles wieder seine Ordnung hat
  • Im Waldorfkindergarten erleben die Kinder auch eine Strukturierung der Woche durch eine spezielle Prägung der einzelnen Wochentage
  • Die Wochen stehen wiederum unter dem Zeichen der Jahreszeiten und der Jahresfeste
  • Am Wechsel der Jahreszeiten erleben die Kinder die Vorgänge in der Natur in lebendiger und tiefer Weise
  • Sie spüren die unterschiedliche Stimmungen im Jahreslauf: Frühling - Erwachen des Lebens und Aufbruch, Sommer - Fülle und Lebenskraft, Herbst - Ernte und Einkehr, Winter - Ruhe und Innerlichkeit
  • In den Jahresfesten (Erntedankzeit, Michaeli, St. Martin, Advent, die Heiligen Drei Könige, Fasching, Ostern, Pfingsten und Johanni) finden die Kinder zu ihrer natürlichen Religiosität
  • Das Feiern der Jahresfeste kann in jeder Familie eine eigene Tradition und Verbundenheit schaffen, die oft ein Leben lang trägt
  • Die Stimmung der Jahresfeste spiegelt sich in der Raumgestaltung (Jahreszeitentisch, Blumenschmuck)
  • Jeder Waldorfkindergarten ist christlich geprägt, aber nicht konfessionell gebunden
  • In anderen Ländern und Kulturen werden die Impulse der Waldorfpädagogik gemäß der dortigen Kultur umgesetzt
  • Das christliche Element lebt dort in der Akzeptanz der anderen Religionen und Kulturen
  • Im Kindergartenalter lieben die Kinder rhythmische Geschichten, also Geschichten, in denen derselbe Sachverhalt immer wieder wiederholt und erweitert wird
  • Die Geschichten regen die Gedächtnisleistung enorm an, ohne es einseitig intellektuell zu belasten
  • Das Spiel der Kinder ist in ihrer fröhlichen, lauten oder besinnlichen Art eine wichtige und ernste Angelegenheit
  • Es ist wichtig, die Kinder in ihrem Freispiel zu beobachten und zu bemerken, wann das Kind Hilfe oder Anregung für sein Spiel braucht
  • Das Kind will mit allen Sinnen erleben, sich mit dem ganzen Körper bewegen, mit Händen und Füßen tätig sein, seine Umwelt ergreifen, begreifen
  • Die schönsten Spiele entstehen dort, wo es "nichts" zum Spielen gibt, es aber sinnlich stark angeregt wird, z.B. in der Natur
  • Im Freispiel darf (soll) ein schöpferisches Chaos entstehen, da Phantasie Freiräume und Anregung durch das Zufällige braucht
  • Das Spiel des Kindes sollte schöpferisch und frei sein
  • Das Spielzeug sollte ihm viel Raum für die eigene Phantasie lassen
  • Je einfacher das Spielmaterial ist, desto vielfältiger ist es zu verwenden
  • Das Spielzeug im Waldorfkindergarten ist schnell aufgezählt, denn es handelt sich in der Regel um einfache Gegenstände, die die Phantasie der Kinder anregen sollen und deshalb sehr einfach gestaltet sind
  • Es gibt Tücher, Bretter, Holzklötze, Körbe, Muscheln, Kastanien, Obstkerne, Eicheln, Steine, Tannenzapfen, ein paar gestrickte oder geschnitzte Tiere, einige einfache Stoffpuppen, eine Einrichtung für die Puppenstube, Nadel, Faden, Wolle, Stühle und Tische
  • Dies ist sozusagen das "Urmaterial", aus dem man fast alles herstellen kann
  • Die Sinne der Kinder sollen möglichst vielfältig angesprochen werden
  • Das Kind erlebt den unterschiedlichen Sinneseindruck, wenn es einen Stein in die Hand nimmt, die Kühle, Schwere und Glätte spürt, oder einen Tannenzapfen, der viel wärmer ist, aber keine geschlossene Oberfläche hat, der rau ist und vielleicht noch ein bisschen nach Wald riecht
  • Die Kastanien liegen von ihrer Qualität her dazwischen, sind glatt und rund wie der Stein, aber nicht so kalt und schwer
  • Die Muscheln erinnern an den Urlaub am Meer, man kann die verschiedenen Formen betrachten und mit den Fingern nachfahren
  • In der Raumgestaltung sollten die Kinder Klarheit und Ordnung und außerdem wohliges Geborgenheitsgefühl erleben
  • Denn nur aus der Geborgenheit heraus kann das Kind schöpferisch tätig werden
  • Ähnliches gilt für die äußeren Hüllen des Kindes, die Kleidung
  • Sie sollte dem Kind genügend Bewegungsfreiheit lassen
  • Jeder Waldorfkindergarten ist ganz individuell und doch kann man verschiedene Merkmale fast überall wiederfinden
  • Die Wände sind in der Regel zartrosa lasiert, diese Farbe in Verbindung mit der Maltechnik vermittelt eine Geborgenheit, die an die Situation des Kindes in der Schwangerschaft erinnert
  • Die Vorhänge, Spieltücher oder "Wände" der Spielhäuser passen sich harmonisch in dieses Gefüge ein und sind meistens mit Pflanzenfarben gefärbt, die einen weicheren, lebendigeren Farbton haben als chemische Farben
  • Die Möbel sind aus Holz und alle Spielmaterialien bestehen aus Naturmaterial
  • Der Kindergarten ist klar und übersichtlich gegliedert
  • Jedes Spielzeug hat seinen Platz
  • Diese äußere Ordnung gibt den Kindern Sicherheit und Halt
  • Der ganze Raum lebt in der Stimmung der entsprechenden Jahres- oder Festeszeit
  • Auf dem Jahreszeitentisch wird das Geschehen in der Natur versinnbildlicht
  • Die Kleidung ist unsere äußere Hülle: Die Haut muss atmen können, Schweiß wird aufgenommen und der Körper soll in angemessener Weise gewärmt werden
  • Wenn man sich diese Anforderungen verdeutlicht, kommt man schnell zu Kinderkleidung aus Naturfasern
  • Die Haut ist so etwas wie die äußere Lunge des Kindes und man sollte sie vor zu großer Belastung und Verschmutzung schützen
  • Die Kleidung ist auch Ausdruck unserer Individualität
  • Daher ist eine gewisse Zurückhaltung bei plakativen Mustern, Aufdrucken oder Farben zu empfehlen
  • Die Farbe der Kleidung beeinflusst die seelische Gestimmtheit des Kindes, rot hilft sehr aktiven Kindern ruhiger zu werden und blau hilft melancholischen Kindern aktiver zu werden
  • Bei der Ernährung schließlich sollte man ebenfalls auf Qualität und Ausgewogenheit achten, den Menschen in seiner Gesamtheit ansprechen und Einseitigkeiten vermeiden
  • Bei der Ernährung schließlich ist ebenfalls auf Gesundheit und Ausgewogenheit zu achten
  • Es ist sinnvoll, Nahrungsmittel verschiedener Pflanzenteile (Wurzel, Stängel, Blatt, Blüte oder Frucht) zu kombinieren, denn in jedem dieser Pflanzenteile findet während des Wachstums eine andere Wechselwirkung mit den Kräften aus der Umgebung statt
  • Dadurch werden dem menschlichen Organismus unterschiedliche Anregungen geboten: die Wurzeln regen die Nerven-Sinnes-Prozesse an, die Blattorgane wirken auf das rhythmische System und die Blüten oder Früchte auf die Stoffwechselvorgänge
  • Man sollte daher darauf achten, den Menschen in seiner Gesamtheit anzusprechen und Einseitigkeiten zu vermeiden
  • Produkte aus der biologischen Landwirtschaft erhöhen nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern leisten auch einen Betrag zur Gesunderhaltung der Erde, besonders die Produkte aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft

Die Grundlage der Waldorfpädagogik

  • Zu dem Menschenbild gehört auch der Gedanke von Reinkarnation und Karma, das ist vielleicht der wesentlichste Unterschied zur traditionellen Pädagogik
  • Die geistige "Substanz" des Menschen ist unsterblich, sie lebt und entwickelt sich in neuen Inkarnationen weiter
  • Der Mensch ist für sein Schicksal selbst verantwortlich und hat die Aufgabe, es hier auf der Erde zu gestalten
  • Erzieher soll dem Kind je nach Entwicklungsstand als Vorbild, Autorität oder Gegenüber dienen
  • Es gibt kein festgelegtes Programm in der Waldorfpädagogik, jeder Pädagoge ist aufgefordert, aus eigener Verantwortung die Erziehung der Kinder zu gestalten

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Vergleich Montessori - Steiner

MontessoriSteiner
Unter den vielen Eigenschaften des Gegenstandes ist eine einzige zu isolierenUnter den vielen Eigenschaften des Gegenstandes ist keine einzige zu isolieren
Führt man die Wahrnehmung der einzelnen Sinnesbereiche zusammen, so gelangt man zu einem ganzheitlichen Bild, zu ganzheitlicher Wahrnehmung
Begrenzung des Materials in der MengeBegrenzung des Materials in der Menge
Bevor Kinder selbständig mit Material arbeiten, geht Einführung seitens der Erzieherin vorausSpielzeug soll viel Raum für die eigene Phantasie lassen
Spielmaterialien bestehen aus Naturmaterial
Berücksichtigung der NaturBerücksichtigung der Natur
Kind muss Natur erleben könnenKind muss Natur erleben können
Kind gleichberechtigt neben dem Erwachsenen
Selbsterziehung des ErziehersSelbsterziehung des Erziehers
Erwachsener ist Gegenüber
Erwachsener ist Autorität
Erwachsene bleiben BeobachterErwachsener ist Vorbild
Erwachsene müssen Schweigen
Erwachsene sollen nur dann eingreifen, wenn Kinder das Material nicht in der vorgesehenen Weise handhaben
Erwachsene sind vorurteilslosErwachsene sind vorurteilslos
Erwachsene müssen die Kinder anziehen
Erwachsene müssen die Kinder anerkennenErwachsene müssen die Kinder anerkennen
Erwachsene müssen eine einnehmende Fröhlichkeit besitzenErwachsene müssen Fröhlichkeit besitzen, heiter sein
Erwachsene müssen weniger diktatorisch sein
Erwachsene haben keine lehrende Funktion
Erwachsene müssen Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Kinder haben
keine Beleherungen der Erwachsenen
Keine Befehle der Erwachsenen
keine Einmischung durch die ErwachsenenErwachsener gibt Hilfe und Anregungen
Erwachsene müssen Kindern verbieten, was andere Kinder kränkt, ihnen schaden kann oder was als unschicklich oder unfreundliche Handlung gilt
Erwachsene müssen Fürsorge tragen
Erwachsene müssen Kinder pflegen
Erwachsene müssen Kinder beschützen
Erwachsene müssen Recht des Kindes anerkennen
Erwachsenen müssen die Kinder verteidigen
Erwachsene müssen die Umgebung des Kindes vorbereiten
- Umgebung muss Klarheit, Ordnung hervorrufen
- Kindergarten ist klar und übersichtlich gegliedert
- jedes Spielzeug hat seinen Platz
Erwachsene müssen die Umgebung des Kindes vorbereiten
- Umgebung muss Klarheit, Ordnung und ein Geborgenheitsgefühl hervorrufen
- Kindergarten ist klar und übersichtlich gegliedert
- jedes Spielzeug hat seinen Platz
Erwachsenen müssen die wahre Menschheit in den Kindern sehen
Kind ist eine freie, eigenständige Persönlichkeit
Kind ist vollkommenes Wesen
Kinder lehren sich selbst etwasKind ahmt Erwachsene nach
Kinder dürfen Fehler machen
Kinder möchte frei wählen können
Kind hat Drang nach einer Tätigkeit
Intelligenz des Kindes wird durch das Umfeld aufgebaut
der Bewegungsapparat des Kindes wirkt auf die äußere Umwelt ein Für alles Lernen ist Beziehung, Freude und Bewegung wichtig
Durch Bewegungsapparat Ausdruck der Persönlichkeit
Durch Bewegung Aufbau des Bewusstseins
Durch Bewegung Aufbau der Intelligenz
Durch Bewegung Aufnahme der Wirklichkeit
Durch die Arbeit wird es bewusst und baut den Menschen auf
Arbeit prägt die Persönlichkeit des KindesSpiel prägt die Persönlichkeit des Kindes
Phänomen der Aufmerksamkeit
FreiheitDas Kind soll frei sein, Freiheit durch Kleidung, Freiheit des Erziehers
ArbeitSpiel
Verwenden die Kinder das Spielzeug phantasiemäßig, dann werden die Kinder ermahntPhantasie
Unabhängigkeit
Aktivität
Lernen mit der Drei-Stufen-Lektion
Stille (Einstellung jeder Bewegung)
Mensch ist rhythmisches GeschöpfMensch ist rhythmisches Geschöpf
rhythmischen Tagesablauf
Strukturierung der Woche
Jahreszeiten
Jahresfeste
rhythmische Geschichten
Eltern und Erzieher sollen sich austauschenEltern und Erzieher sollen sich austauschen


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