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Fürstenberg

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Eileen / Deutsch

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"Das Leben des Galilei" von Bertholt Brecht

Erstellung eines fiktiven Rollenmonologs des Inquisitors

Verfasst von Eileen Fürstenberg

Aufgabenstellung:

  • Vorstellung der Person
  • Persönliche Situation
  • Weltanschauung Menschenbild
  • Position zu Galilei

Monolog: Inquisitor

Das ist unglaublich, was ich Tag für Tag als Inquisitor erleben darf. Dieser Galilei rauft mir die letzten Haare vom Kopf.

So ein Dummkopf, er will einfach nicht für wahr haben, dass die Sonne sich um die Erde dreht und unsere Welt gleichzeitig der Mittelpunkt unseres Weltalls ist. Seine Erkenntnisse der Gestirnbewegung und der Jupitertrabanten sind Betrug. Er will die Erde damit erniedrigen und gleichzeitig schadet er Gott.

Ich als alter Gelehrter der Kirche, mit viel Erfahrung und Weißheit bin mir durchaus sicher, dass er uns mit seinen verbreiteten Lehren in ein Unglück stürzen will, aber das werde ich ganz gewiss zu verhindern wissen. Die Wahrheit der Kirche darf sich niemand widersetzen und schon gar nicht Herr Galileo Galilei. Da kommt er, unverschämt wie er ist, nach Rom und denkt, dass er mit seinem ganzen kopernikanischen Quatsch die Welt verändern wird. Den Papst und mich wird er nicht umstimmen können, dafür sorge ich schon. Wir bleiben der Kirche treu.

Er verhetzt und besticht die Menschen, verbreitet Lügen, dass es kein Oben und Unten der Welt gäbe. Das Weltbild des göttlichen Aristoteles mit seinen Sphären, seinen kristallenen Gewölben, den Kreisläufen seiner Himmelskörper, dem Schiefenwinkel der Sonnenbahn ist ein Gebäude von solcher Ordnung und Schönheit, dass es unmöglich ist, diese Harmonie zu stören. Ich will keine Veränderungen und es wird auch niemals welche geben. Die Menschen tragen die Unruhen ihres eigenen Gehirns auf die unbewegliche Erde über und das muss zu vermeiden sein. Und hinzu kommt, dass er seine Schriften statt in Latein im Idiom der Fischweiber und Wollhändler verfasst sind. Er ist ein von Grund auf schlechter Mensch, dass kann keiner leugnen, auch nicht Gott. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, Gottes höchstes und geliebtestes Geschöpf, warum muss so ein Mensch die Ordnung stören? Das kann von Gott nicht gewollt sein. Unser Herr sieht nicht auf ein kleines, abseitiges und bewegliches Gestirnlein, er sieht auf die Erde, der Mittelpunkt des Universums und des Seins und Handelns.

Galilei hat schon als junger Mann über die Maschinen geschrieben und Sternkarten für die Schiffe entworfen, die Dinger scheinen eine große Hilfe zu sein- sicher und zuverlässig, aber trotzdem, auch wenn er Gutes tat, überwiegt das Negative und der heilige Herr wird das nicht dulden. Auch wenn einige Menschen von ihm begeistert sind, der Glaube an die Kirche ist viel größer und die Traditionen werden niemals zerbrechen und schon gar nicht an ketzerischen Behauptungen.

Wenn es nach mir ginge, verzeih mir Herr, dann können die Seefahrer die Seekarten gut nutzen, aber diese dummen und neuen Erkenntnisse müssen weg, sie bringen unser Leben durcheinander. Verlässt Galilei die Welt, verlassen uns auch seine Lehren- ja so wird es sein.

Herr Galilei, wissen sie in ihrer Naivität nicht, dass wenn ein dummer Mensch und ein kluger Mensch streiten, niemals der Dumme gewinnen kann? Traurig, aber sie werden sehen, sie werden schon noch sehen. Ich muss den Papst nur noch überzeugen, der im Moment von ihrer Rechentafel ganz begeistert ist, aber ich werde es schon schaffen ihn davon abzubringen und sicher nicht viel Zeit dafür verschwenden. Ich gebe den Hofdienern am besten schon einmal bescheid, dass sie die Folterinstrumente richten können, vielleicht noch ein wenig putzen, damit sie eines glanzvollen Todes sterben. Auch der größte Mann wird eines Tages untergehen. Für Neurer ist kein Platz auf dieser Welt. Sie könne froh sein, dass ihre reizvolle Tochter ahnungslos von ihrer Schwindelei ist. Das Einzige, was ihnen nur noch übrig bleibt ist, ihre Lehre zu widerrufen und das wird bei so einer großen Lüge schwer fallen. Das Volk wird sie beschimpfen, aber sie haben es auch verhetzt und dafür müssen sie geradestehen oder eben Geradehängen.

 

letzte Aktualisierung 9. März 2008