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Fürstenberg

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Eileen / Deutsch

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Macht und Menschlichkeit?

Diskussion erstellt von Eileen Fürstenberg

Aufgabenstellung

  • Ist es möglich an der Macht menschlich zu bleiben?
  • Bezogen auf  Bernhard Schlinks "Der Vorleser" und Heinrich Bölls "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".

Mit dieser Frage beschäftigen sich Bernhard Schlinks "Der Vorleser" und Heinrich Bölls "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".
Die Macht ist die Möglichkeit oder Fähigkeit über Personen oder Dinge zu bestimmen und sie zu beeinflussen. Sie wird bewusst ausgeübt und steht im engen Zusammenhang mit der Gewalt.
Die Menschlichkeit ist durch Verständnis, Einfühlungsvermögen, Rücksicht und Hilfsbereitschaft verbunden sowie einem tiefen Respekt und der Verpflichtung gegenüber der Würde des Mitmenschen.


Mit der Macht und ihrer menschlichen und unmenschlichen Seite beschäftigen sich beider Autoren in ihren Werken. Während Schlink sich mit der Problematik der Menschlichkeit in der Nazizeit auseinandersetzt geht Böll auf die Menschlichkeit in der Zeit um 1970 ein.


In "Der Vorleser" ist Hanna anfangs einer Macht ausgesetzt, die sie dazu treibt, sich als KZ-Aufseherin zu verdienen. In dieser Position übt sie wiederum eine unmenschliche Macht auf hilflose Häftlinge aus. Sie lässt dabei ein wenig menschliche Züge erkennen, indem sie sich von jugendlichen Häftlingen vorlesen lässt und damit versucht, ihnen die letzten Monate erträglich zu gestalten.
Das Verleugnen der Schuld in den Jahren nach der Nazizeit und vor der Gerichtsverhandlung ist als unmenschlich gegenüber den Opfern zu sehen.
Während der Gerichtsverhandlung wird sie mit der Macht des Richters und der Mitangeklagten konfrontiert. Hanna zeigt menschliche Züge, da sie sich bewusst wird, welche Schuld sie auf sich geladen hat. Die Mitangeklagten Wächterinnen offenbaren unmenschliche Charaktere, indem sie kollektive Falschaussagen tätigen und damit die Macht der Mehrheit ausnutzen. Der Richter hat anfangs die Möglichkeit menschlich zu richten. Als er jedoch die Falschaussagen ungeprüft akzeptiert zeigt er unmenschliche Züge gegenüber Hanna und der Wahrheit. Letztendlich resigniert Hanna vor der unmenschlichen Machtausübung und gesteht aufgrund des Geheimhaltens ihres Analphabetismus auch Taten ein, die sie nicht begangen hat.
In der Beziehung zu Michael ist Hanna die dominante Person und es lässt sich erkennen, dass sie Macht über ihn ausübt. Ausbrechende Gewalt gegenüber Michael während des Urlaubs zeigt unmenschliche Charakterzüge. Jedoch lässt sich in der Beziehung viel Menschliches erkennen. Hanna schenkt Michael trotz ihrer Überlegenheit aufgrund ihres Alters und ihrer Lebenserfahrung Geborgenheit, Akzeptanz, Aufmerksamkeit und weist ihn öfters auf die Wichtigkeit von Schule und Hausaufgaben für das spätere Leben hin.
In den Gerichtsverhandlungen nutzt Michael sein Wissen über Hannas Analphabetismus nicht aus, sondern zutiefst menschliche Züge, indem er Hannes Geheimnis bewahrt und sie nicht bloßstellt.


Im Gegensatz der Unterwerfung gegenüber einer Macht bei Schlink beschreibt Böll verschiedene Arten der aktiven Machtausübung.


Den Schlüssel zur Handlung und damit zur Machtausübung Katharinas ist der Tod ihrer Mutter. Der Journalist Tödges nutzt die Macht seines Wissens aus, um Katharinas Mutter mit Aussagen über ihre Tochter zu konfrontieren, denen sie aufgrund ihrer Herzkrankheit nicht gewachsen ist. Tödges nimmt auf die Krankheit keine Rücksicht und nutzt damit seine Macht unmenschlich aus. Katharina reagiert meiner Ansicht nach menschlich, indem sie den Journalisten erschießt, weil er ihre Mutter in den Tod trieb. Jedoch ist das Töten eines wehrlosen Menschen mit einer Waffe im Allgemeinen eine zutiefst unmenschliche Handlung, erst recht, wenn der Mensch keine Chance zur Gegenwehr hat. Sie versucht erfolglos Reue zu finden. Letztendlich stellt sie sich der Polizei.
Nachdem die Tat öffentlich wird üben viele Zeitungen ihre Macht der Pressefreiheit aus. Die Zeitungen bezichtigen sie eines nicht begangenen weiteren Mordes. Diese Tatsache lässt Parallelen zur Geschichte Hannas während der Gerichtsverhandlung erkennen.
Im Gegensatz zum Verhalten des Richters in Hannes Gerichtsverhandlung nutzt die Polizei hier alle legalen Möglichkeiten aus, um sich über den wahren Tatbestand zu informieren.
Als Katharina den Banditen Ludwig kennen lernt und ihn mit nach Hause nimmt zeigt sich die Unmenschlichkeit des Ausnutzens der Unwissenheit Katharinas durch Ludwig. Während Michael die Scham Hannas vor der Bloßstellung des Analphabetismus akzeptiert und schützt, nimmt Ludwig auf die Persönlichkeit Katharinas keine Rücksicht. Seine Reaktionen gegenüber Katharina sind als unmenschlich einzuschätzen.


Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass menschliche und unmenschliche Verhaltensweisen sehr dicht beieinander liegen können. Die Macht kann auf menschliche und unmenschliche Art ausgeübt werden.

letzte Aktualisierung 9. März 2008