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Fürstenberg

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Erziehungswissenschaften

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Maria Montessori "Zehn Grundsätze des Erziehens"

(Hrsg.: Ingeborg Becker-Textor)

Vorwort

  • Maria Montessori fordert die neue Lehrerin:  Der Begriff Lehrerin kann gleichgesetzt werden mit Erzieherin, Mutter, Vater - Menschen, die im Alltag mit Kindern zu tun haben und nicht unbedingt professionelle Pädagogen sein müssen
  • Die Erziehungsgedanken Montessoris lassen sich auch ohne Einsatz des nach ihr benannten Materials umsetzen
  • Eine optimale Ergänzung sind natürlich die Montessori - Materialien, weil sie auf den Grundprinzipien wie Freiheit, Selbsttätigkeit aufbauen und Lernprozesse wesentlich positiv beeinflussen
  • Einsatz des Materials nützt nichts, wenn die Haltung gegenüber dem Kind autoritär, bestimmend oder fordern ist
  • Das Kind steht neben dem Erwachsenen, ist quasi gleichberechtigt
  • Das Kind fordert "Hilf mir, es selbst zu tun."
  • Das Kind sagt ganz deutlich, dass es keine Einmischung oder aktive Hilfe will
  • Es will nur, dass der Erwachsene ihm Hilfestellung gibt, Brücken baut, damit es eine Aufgabe und letztlich sein Leben selbst bewältigen und meistern kann
  • Das Kind ist Baumeister seiner selbst
  • Montessoris Ziel für das frühe Kindesalter: "Unser erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben."

Maria Montessori - ihre Methode

  • Früher war das ausschließliche Ziel der Erziehung, auf das alle ihre Anstrengungen gerichtet waren, das Kind für das soziale Leben, das es einmal zu führen hätte, vorzubereiten. Deshalb war man vor allem darauf bedachte, dass es die Erwachsenen nachahme, man zwang es, die schöpferischen Kräfte seines Geistes unter dem Nachahmungstrieb zu ersticken, man lehrte es vorzugsweise, was zu wissen für unentbehrlich gehalten wurde, um in der zivilisierten Welt zu leben.
  • Kind wurde nicht nach seinem wahren Wesen eingeschätzt wurde
  • Das Kind war nur eine "Zukunft", es stellte nur ein "Werden" dar, deshalb zählte es nicht, bis es ein Erwachsener geworden war
  • Kind ist eine freie Persönlichkeit
  • Seine Seele bedarf unserer Fürsorge
  • Materielle Dinge können den Menschen in jedem Lebensalter verderben
  • Die soziale Umgebung, die wir uns geschaffen haben, passt nicht für das Kind, es versteht sie nicht
  • Kind kann sich der Gesellschaft nicht anpassen, von der es ausgeschlossen wird
  • Kind wird der Schule anvertraut, die oft zu einem Gefängnis wird
    • Verhängnisvolle Wirkung der Schule, in der mit alten Methoden unterrichtet wird
    • Kinder leiden darunter nicht nur körperlich, sondern auch moralisch
  • Unter allen Bedürfnissen des Kindes vernachlässigt man das menschlichste: die Ansprüche seines Geistes, seiner Seele. Der Mensch im Kinde bleibt uns verborgen.
  • Das Kind kann in der komplizierten Welt des Erwachsenen kein ihm gemäßes Leben führen
  • Mit den Beaufsichtigungen, den Ermahnungen, den Beleherungen und den Befehlen stört und hindert der Erwachsene die Entwicklung des Kindes
  • Alle aufkeimenden guten Kräfte werden erstickt, nur eines bleibt dem Kind: der heftige Wunsch, sich möglichst von allem und von allen zu befreien
  • Die Freiheit des Kindes kann nicht darin bestehen, dass wir es "sich selbst überlassen" oder es vernachlässigen
  • Wenn wir die Umgebung des Kindes sorgfältig vorbereiten, so ist dies schon eine große Aufgabe, da es sich darum handelt, eine neue Welt zu schaffen: Die Welt der Kinder
  • Kaum sind die kleinen Gegenstände , die die Kinder wirklich gebrauchen können vorbereitet, so ordnet sich ihre Tätigkeit in verblüffender Weise
  • selbst gestellt sein, da sie wissen, was sie wollen
  • Kind hat instinktiven Drang nach einer Tätigkeit, die alle seine Kräfte in Anspruch nimmt, denn nur so kann es seine Fähigkeiten vervollkommnen
  • Haus der Kinder
    • Einfache und praktische Gegenstände, deren Zweck es ist, der geistigen Entfaltung des Kindes zu dienen
    • Kleine, hübsche und leichte Möbel in lebhaften Farben
    • Fallen um, wenn sie angestoßen werden und sind leicht zu verrücken
    • Jedes Kind kann seinen Platz wählen und sich alles so zurechtrücken, wie es ihm gefällt
    • Da Möbel leicht sind, verraten sie jede ungeschickte Bewegung durch ein Geräusch
      • So lernt das Kind auf Bewegungen seines Körpers zu achten
    • Gegenstände aus Glas und Porzellan
      • Nach dem solche Gegenstände fallen gelassen und zerbrochen sind achtet das Kind auf die Bewegung seines Körpers
    • Die Umgebung selbst hilft ihm, sich ständig zu verbessern und wenn kleine Fehler passieren, dann greift die Lehrerin nicht ein, sie bleibt Zuschauerin
    • Nach und nach wird es dem Kinde so vorkommen, als höre es die Stimmen der Gegenstände, die in ihrer stummen Sprache reden und auf die kleinen Fehlleistungen hinweisen
    • Auch in der Schönheit der Gegenstände und der Umgebung liegt ein steter Ansporn für das Kind, tätig zu sein und seine Bemühungen zu verdoppeln
    • Alle Gegenstände sollen anziehend sein
      • die Staubtücher, Besen sollen bunt sein
      • kleine Bürsten
      • kleine runde oder rechteckige Seifenstücke
    • die Schönheit der Gegenstände zieht das Kind überall an und dringt in die Tiefe seines Gefühls ein
    • die menschliche Würde entspringt dem Gefühl der eigenen Unabhängigkeit
    • die Freude, die die Kleinen beim Arbeiten empfinden, lässt sie alles mit fast übermäßiger Begeisterung vollbringen
    • das was sie anspornt, ist die Verwertung latenter Energien und diese bestimmen auch die Dauer ihrer Tätigkeit
  • Betrachtung des Kindes als vollkommenes Wesen, als eigenständige und freie Persönlichkeit
  • Erwachsene haben die Pflicht, die Umgebung der Kinder vorzubereiten
  • Erwachsene müssen für das Kind Sorge tragen

1. Freiheit

  • Bedeutet nach Montessori: unabhängig, unbelastet, nicht beengt, nicht gebunden
  • Wie sieht es aus, wenn wir Disziplin und Freiheit in Bezug setzen?
    • Aktive Disziplin: Ein Mensch ist diszipliniert, wenn er Herr seiner selbst ist und folglich über sich selbst gebieten kann, wo es gilt, eine Lebensregel zu beachten
    • Dem Kind muss verboten werden, was andere Kinder kränkt, ihnen schaden kann oder was als unschicklich oder unfreundliche Handlung gilt
    • Lehrer muss viel Geduld als Aktivität mitbringen
    • Lehrer muss seine Stellung als Beobachter verstehen und empfinden
    • Verhinderungen von spontanen Bewegungen und das Aufzwingen von Handlungen sind zu vermeiden, es sei denn es handle sich um unnütze oder schädliche Handlungen, die unterdrückt und ausgerottet werden müssen
    • Die erste Form des erzieherischen Eingreifens sollte darauf gerichtet sein, das Kind auf dem Weg zur Unabhängigkeit zu führen
    • Man kann nicht frei sein, wenn man nicht unabhängig ist
  • Im Sinne Montessoris ist die Notwendigkeit einer gewissen Disziplin somit die Chance, Freiheit zu erreichen und zu leben
  • Es ist nicht von grenzenloser Freiheit die Rede, die Grenze ist bei der Gefährdung des Gemeinwohls
  • Was wäre Freiheit ohne Grenzen?
    • Um Freiheit wirklich ausleben zu können, müssen Kinder wissen, wie weit sie gehen können, was sie sich zumuten können
    • Freiheit bezieht sich auf das Denken und Handeln des Kindes
    • Durch das Aktivsein kann es Freiheit ausleben und irgendwann auch an seine Grenzen kommen
  • Kind kann durch diese freie Aktivität einen Menschen aufbauen
  • Die Folge seiner freien Aktivität ist das rechte Wachstum, besonders in psychischer Hinsicht
  • Speziellen Aktivitäten (die Aktivzyklen genannt werden) werden großer Bedeutung zugemessen
  • Psychische Phänomene (Repressionen), rühren von Mangel an diesen Aktivitäten
  • Repressionen nicht so sehr dadurch, dass eine Strenge Person ein Kind veranlasst, still zu sein, nicht zu sehr durch direkte Handlung eines Erwachsenen, sonder weil ein Mangel an Aktivität die Entwicklung angehalten hat
  • Das Schreckliche ist, dass diese Kinder nicht entwickelt sind
  • Der Mensch der werden soll, wird nicht nur weniger gut entwickelt sein, er wird deformiert sein, er wird einen deutlichen Defekt haben
  • Es ist Menschrecht, dass das Kind in der rechten Weise aufwächst, denn der Mensch muss in wenigen Jahren aus dem Kind hervorgehen
  • Die Erwachsenen müssen die Kinder verteidigen
  • Die Erwachsenen müssen die wahre Menschheit in diesen Kindern sehen
  • Das Alter von zwei bis drei Jahren ist das wichtigste Lebensalter
    • Alle psychischen Organe der Persönlichkeit werden während dieser Zeit gebildet, der ganze Mensch, der die Möglichkeit hat zu sein (Periode der Schöpfung)
  • Wenn die Kinder etwas freiwillig tun, also in Freiheit aktiv werden und handeln, dann sind sie ausgeglichen und zufrieden
  • Sie öffnen sich für neue Lernerfahrungen und wollen immer weiter vorankommen
  • Das Kind muss ein Umfeld haben, in dem es Eindrücke sammeln kann, denn über diese baut es seine Intelligenz auf
    • Der Bewegungsapparat stellt das Werkzeug dar, mit dessen Hilfe der Mensch auf eine äußere Umwelt einzuwirken, seine Persönlichkeit auszudrücken vermag
    • Bewegung ist nicht nur Ausdruck des Ichs, sondern ein unerlässlicher Faktor für den Aufbau des Bewusstseins
    • Bewegung ist wesentlicher Faktor zum Aufbau der Intelligenz
    • Die Wirklichkeit kann nur durch Bewegung aufgenommen werden
  • Kinder können sich viel besser entwickeln und entfalten, wenn dies in Freiheit möglich ist
  • Freiheit fordert von den Erwachsenen Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis
  • In Freiheit können Kinder auch selbst entdecken
  • Sie können ihren Forscherdrang ausleben und können Erkenntnisse gewinnen, die ihrem Entwicklungsgrad und ihrer Intelligenz entsprechen
  • Nicht der Erwachsene lehrt sie etwas, sondern sie lehren sich selbst etwas, und nicht selten können wir Erwachsenen sehr viel von den Beobachtungen der Kinder profitieren
  • Einschränkungen, die Erwachsene aussprechen, dienen nicht der Entwicklung der Kinder
  • Kinder möchte frei wählen können (Kinder wollen Materialien oder Aufgaben nicht vorgegeben bekommen, sondern sie möchten selbst entscheiden, ansonsten Unkonzentriertheit oder Lustlosigkeit)

2. Die vorbereitete Umgebung

  • Wenn wir den Menschen beobachten, so sehen wir, dass er eher versucht, sich die ihm gemäßeste Umgebung zu schaffen, als sich seiner Umwelt anzupassen.
  • Wenn ein Mensch nicht in einer geeigneten Umgebung lebt, dann kann er nicht alle seine Fähigkeiten normal entwickeln
  • Kind hat keine ihm angemessene Umgebung - es lebt ja in der Welt des Erwachsenen
    • Kind braucht Umgebung, die der Größe, den Kräften und den psychischen Fähigkeiten der Kinder entspräche
  • Laut Montessori- wie Möbel für Kinder sein sollten, wie Räume ausgestattet werden müssten:
    • Möbel müssen leicht sein und so aufgestellt, dass das Kind sie bequem umhertragen kann, die Bilder müssen so niedrig hängen, dass das Kind sie mühelos betrachten kann; das Kind muss im Stande sein, alles zu benützen, dessen es für die Ordnung des Hauses bedarf, und es muss alle Arbeiten des täglichen Lebens ausführen können; es muss fegen, die Teppiche kehren, sich waschen, sich anziehen usw.
    • Außerdem sollen die Gegenstände gediegen (gehaltvoll, rein und gut) und anziehend sein.
    • Kinderhaus soll in den kleinsten Einzelheiten schön und gefällig sein, denn Schönheit ermuntert zur Tätigkeit, zur Arbeit
    • Möbel im Kinderhaus sollen abwaschbar sein
      • Hygienische Gründe und sie geben Kindern Gelegenheit zu einer willkommenen Arbeit. Dabei lernen sie Acht geben, sehen die Flecken und gewöhnen sich mit der Zeit daran, für die Sauberkeit alles dessen, was sie umgibt, verantwortlich zu sein.
    • Kind verfügt noch nicht über geordnete Bewegungen und hat sich noch nicht in der Gewalt
      • Die kindlichen Muskeln vollführen viele ungeschickte Bewegungen, eben weil das Kind noch nicht die richtige Ökonomie und Geordnetheit gelernt hat.
    • Im Kinderhaus wird jeder Fehler, jede falsche Bewegung offenbar
    • Es sollen auch einige zerbrechliche Gegenstände vorhanden sein wie Gläser oder Vasen (für Bewegungserziehung des Kindes)
      • In seiner Umgebung lernt das Kind achtsam zu werden, aber man muss es lassen!
    • Kind hat Freude an der Arbeit, an der Tätigkeit, denn Tätigkeit ist es, die ihm zum Leben verhilft - und dies ist die Quelle, aus der alle seine Anstrengungen entspringen
  • Oft wird die Erreichung dieses Zieles mit allen Kräften verhindert.
    • In den Schulen zum Beispiel befestigt man Tische und Bänke am Boden; die Kinder sind lebhaft, bewegen sich oft ungeschickt und merken nicht, dass sie eigentlich Tische und Bänke umwerfen würden, wenn sie nicht festgemacht wären.
      • So wird Ordnung in der Schule erhalten, aber die Kinder erwerben niemals geordnete Bewegungen.
  • Eine schöne Umgebung, die das Kind leitet und die ihm Mittel bietet, seine Kräfte zu üben, erlaubt der Lehrerin, zeitweilig abwesend zu sein.
  • Die innere Empfänglichkeit bestimmt, was aus der Vielfalt der Umwelt jeweils aufgenommen werden soll und welche Situationen für das augenblickliche Entwicklungsstadium die vorteilhaftesten sind. Sie ist es, die bewirkt, dass das Kind auf gewisse Dinge achtet und auf andere nicht.
    • Während solcher Empfängnisperioden lernt das Kind, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden oder sein motorisches Muskelsystem bis in die feinsten Einzelheiten zu beherrschen.
  • Kinder sollen sich frei ausdrücken können und Bedürfnisse, Neigungen enthüllen, die verborgen bleiben oder unterdrückt werden, wenn keine geeignete Umgebung für spontane Aktivitäten vorhanden ist
  • Bei Gestaltung der Umgebung muss das Kind in den Mittelpunkt gestellt werden
    • Kind will, dass wir ihm helfen, alleine zurechtzukommen - "Hilf mir, es selbst zu tun!" Diese Forderung müssen wir in die Tat umsetzen!

3. Der absorbierende Geist und die sensiblen Perioden

  • Absorbieren bedeutet: aufsaugen, hinunterschlürfen
  • Begriff "absorbierende Geist": beschreibt eine Verhaltensweise des Kindes bzw. das Kind als ganzheitliches Wesen. Das Kind saugt auf, was es in seiner Umgebung sieht, erfährt, erlebt
  • "sensiblen Perioden" sind auch in der Entwicklung des Kindes festzustellen
    • Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die im Kindesalter auftreten
    • Sind von vorübergehender Dauer und dienen dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen
    • Sobald dies geschehen ist, so klingt die betreffenden Empfänglichkeit wieder ab
    • So entwickelt sich jeder Charakterzug aufgrund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne
  • Hat das Kind nicht die Möglichkeit gehabt, gemäß den innerlichen Direktiven seiner Empfänglichkeitsperioden zu handeln, so hat es die Gelegenheit versäumt, sich auf natürliche Weise eine bestimmte Fähigkeit anzueignen, und diese Gelegenheit ist für immer vorbei
  • Kind nimmt die Sprache durch eine andere Geistesform auf: Ein Form von Intelligenz, die sich von den Erwachsenen unterscheidet
  • Erwachsene nehmen Wissen mit Hilfe der Intelligenz auf, während es das Kind mit seinem psychischen Leben absorbiert
  • In dem es lebt, erlernt das Kind die Sprache seiner Rasse
  • Die Eindrücke dringen in seinen Geist ein und formen ihn
  • Unbewusst nimmt es alles in sich auf und wechselt allmählich vom Unbewussten zum Bewussten
  • sobald wir das Bewusstsein erlangen, kostet uns jedes neue Wissen harte Arbeit und Mühe
  • Die Sprache in ihrer ganzen Komplexität tritt in seinem Geist auf und auch die Fähigkeit, seine Bewegungen je nach den Erfordernissen seines Leben zu steuern
  • Die Bewegungen, die das Kind erlernt, werden von der jeweiligen besonderen Entwicklungsperiode bestimmt
  • Durch Erfahrungen in der Umgebung überprüft es in der Form des Spiels (Arbeit) die Dinge und Eindrücke, die sein unbewusster Geist empfangen hat
  • Durch die Arbeit wird es bewusst und baut den Menschen auf
  • Das Kind wird durch das Werk seiner Hände und seiner Erfahrung zum Menschen
  • Die Hände sind Werkzeug der menschlichen Intelligenz
  • Das Kind tritt ins Leben ein und beginnt seine geheimnisvolle Arbeit, nach und nach prägt es seine Persönlichkeit, die sowohl seiner Zeit auch seiner Umwelt entspricht
  • Es baut seinen Geist auf, bis sich das Gedächtnis bildet, die Fähigkeit zu verstehen und zu denken
  • Somit erreicht es schließlich sein sechstes Lebensjahr
  • Erste Periode der menschlichen Entwicklung ist die wichtigste, weil sich der Charakter bildet
  • Das Kind wird in seinem späteren Leben nie mehr so viel und so unterschiedliche Dinge lernen, sich so differenziertes Wissen aneignen, scheinbar spielend im Vorbeigehen eine Sprache erwerben wie in den ersten sechs Lebensjahren

4. Das Kind als Baumeister des Menschen

  • Kind ist der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde
  • Stirbt die Mutter, so wächst das Kind dennoch heran und vollbringt den Aufbau des Menschen
    • Kenntnis der Sprache stammt nicht von der Mutter, sondern das Kind eignet sich die Sprache so wie die Angewohnheiten und Gebräuche der Menschen an, unter denen es lebt.
      • Kind formt von sich aus den zukünftigen Menschen, in dem es seine Umwelt absorbiert.
  • Ein Grundsatz Montessoris, der aus dem Verständnis "Kind als Baumeister des Menschen" abzuleiten wäre: "Sie müssen als Erwachsener dem Kind ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Entwicklungen optimal vollziehen können."
  • Nach Auffassung Montessoris kümmern sich die Erwachsenen (sie spricht von den Lehrerinnen) um viel zu viel
  • Erwachsener muss seine Rolle neu definieren- er ist Wegbegleiter oder im Wortlaut Montessoris- Fremdenführer für den Reisenden (Kind)
  • Erzieherisches Ziel für das frühe Kindesalter muss darin bestehen, der Entwicklung behilflich zu sein und nicht Bildung zu vermitteln. Deshalb müssen wir warten, bis sich die beobachtende Aktivität entfaltet, nachdem wir dem Kind das zur Entwicklung der Sinne geeignete Material vorgelegt haben. (S.77: Beispiel des roten Stammes (vom Baum))

 

5. Die Polarisation der Aufmerksamkeit

  • Kinder konzentrieren sich, versinken in eine Betrachtung, in tiefe Aufmerksamkeit
  • Aufmerksamkeit, wie es die Kinder zeigen, ist ein Phänomen
    • Sie scheinen ihre Umgebung zu verlassen, schalten ab und reagieren nicht, es sei denn die Mutter, der Vater oder die Erzieherin stören sie
    • Diese Störung wirkt wie ein Zerbrechen der Aufmerksamkeit und es dauert oft lange, bis das Kind wieder in eine Aktivität bzw. Beschäftigung zurückfindet
  • Die Organisation des psychischen Lebens beginnt mit dem Phänomen der Aufmerksamkeit
  • Wenn eine Polarisation der Aufmerksamkeit stattfand, begann sich das Kind vollständig zu verändern
    • Es wurde ruhiger, fast intelligenter und mitteilsamer
    • Es offenbarte außergewöhnliche innere Qualitäten
  • Nachdem das Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit stattgefunden hatte, schien sich in ähnlicher Weise alles Unorganisierte und Unbeständige im Bewusstsein des Kindes zu einer inneren Schöpfung zu organisieren
  • Das ließ an das Leben eines Menschen denken, das sich zwischen den Dingen in einem niederen chaotischen Zustand verlieren kann, bis eine besondere Sache es intensiv ansieht und fixiert, dann erlebt der Mensch die Offenbarung seiner selbst und er fühlt, dass er zu leben beginnt
  • Es zeigt sich als normaler Anfang des inneren Lebens der Kinder und begleitet ihre Entwicklung
  • Auf diese Weise offenbart sich die Seele des Kindes
  • Montessori fordert die "neue Lehrerin"
  • Nicht nur "neue" Erwachsene sind nötig, sonder auch eine "neue" Pädagogik
  • Die immer noch vorherrschende Angebots- und Aufforderungspädagogik muss abgelöst werden von einer Entwicklungspädagogik
  • Entwicklungspädagogik möglich durch
    • Die Vorbereitende Umgebung durch den Erwachsenen, Raum für eine gesunde Entwicklung
    • Sensible Perioden der Entwicklung des Kindes
    • Kind ist Baumeister seines Selbst
    • Keine Unterdrückung des Kindes
  • Kind hat eine Tendenz zur Vollkommenheit und das zeigt sich darin, dass es seine Tätigkeiten fortsetzt, wiederholt, bis es selbst mit dem Erreichten zufrieden ist
  • Das Kind bestätigt sich damit selbst, erfährt Selbstsicherheit und ist stolz auf seine Leistung
  • Der Erwachsene muss Respekt vor der "Lern- und Arbeitsleistung" des Kindes haben

6. Lernen mit der Drei-Stufen-Lektion

  • Umgebung des Erwachsenen erachtet sie als "keine lebensbringende Umwelt für das Kind, sondern eher als Anhäufung von Hindernissen, zwischen denen das Kind Abwehrkräfte entwickelt, zur verbildenden Anpassung genötigt wird und allerlei Subventionseinflüssen unterliegt"
  • Montessori hat frühzeitig entdeckt, dass Kinder mit ihren Sinnen sehr differenziert wahrnehmen. Die Verknüpfung zwischen Wahrnehmung und Sprache bedarf jedoch noch stärkerer Aufmerksamkeit.
  • Es ist zwar wünschenswert, die Erziehung der Sinne als Grundlage für geistige Vorstellungen zu betreiben, aber es ist zu gleicher Zeit auch sehr ratsam, die Sprache an diese Sinneswahrnehmungen zu knüpfen.
    • Zu diesem Zweck hat Montessori die Drei-Stufen, aus denen nach Séguin der Unterricht besteht, zur Anwendung bei den Kleinen vortrefflich gefunden.
      • 1. Stufe: Die Assoziation der Sinneswahrnehmung mit den Namen. Sie geben dem Kind zum Beispiel zwei Farben, rot und blau. Indem wir rot vorzeigen, sagen wir einfach: Dies ist rot- entsprechend bei blau. Dann legen wir die Spulen vor den Augen des Kindes auf den Tisch.
      • 2. Stufe: Erkennen des dem Namen entsprechenden Gegenstandes. Wir sagen zum Kind: "Gib mir rot- blau."
      • 3. Stufe: Erinnerung an den den Gegenstand bezeichnenden Namen. Man zeigt dem Kind den Gegenstand und fragt: "Was ist diese?2 Und es soll antworten: "rot."
    • Séguin besteht fest auf diesen Drei-Stufen und verlangt, dass man die Farben einige Zeit vor den Augen der Kinder liegen lasse.
    • Er rät, Farben nie einzeln, sondern immer zwei zugleich zu zeigen, da der Gegensatz das Farbengedächtnis unterstützt.
  • Bei normalen Kindern geht jedoch den Drei-Stufen Séguins noch eine voraus, welche die eigentliche Erziehung der Sinne enthält! Es handelt sich dabei um die Erwerbung eines feinen Unterscheidungsvermögens, das nur auf dem Weg der Selbsterziehung zu erlernen ist.
    • Beispiel: Montessori sitzt mit kleinem (noch nicht drei Jahre altem) Mädchen am Tisch
    • Auf dem Tisch lagen zwei Farbspulen in Paaren. Das heißt zwei rot, zwei blau, zwei gelb.
    • Auf der 1. Stufe legte ich eine der Spulen vor das Kind und forderte es auf, dazu die gleiche zu finden. Dies wiederholte Montessori für alle drei Farben und zeigte, wie sie sorgfältig paarweise anzuordnen seien.
    • Hierauf ging Montessori zu den Drei-Stufen Séguin über
    • Das Mädchen lernte die drei Farben kennen und den Namen einer jeden angeben
  • Montessori beauftragt Erwachsenen alle Materialien im Sinne der Drei-Stufen-Lektion einzuführen.
    • Drei-Stufen-Lektion und Material sind quasi untrennbar voneinander, dazu gehört außerdem noch die Sinneswahrnehmung.

7. Die Lektion der Stille

  • Nach Montessoris Ansicht fehlt die Stille im menschlichen Leben
  • "Lektion der Stille" oder "Lektion des Schweigens"
  • Man muss das Schweigen demonstrieren, um es kennenzulernen
  • Weil man die Stille nicht kennt, verwechselt man sie mit einer gewissen Verminderung von Geräuschen, die auch eine Verminderung von Unruhe bringt
  • Stille hat einen hohen inneren Wert und das die Menschen, die sich zu vervollkommnen suchen oder die mit Intelligenz auf ein sehr hohes Niveau gelangen wollen, diese Stille haben müssen
  • Je stiller wir sind, desto intensiver nehmen wir auf, desto besser können wir zuhören
  • Montessori spricht vom Lehren der Stille, von der Lektion
    • Stille muss aber zur Normalität werden, darf nicht "künstlich" sein
      • Das ist das Ziel, dass Montessori erreichen will
      • Der Weg oder ihr Weg dorthin ist ihre "Lektion der Stille"
  • Stille ist die Einstellung jeder Bewegung und nicht die Einstellung von Geräuschen, die über das normale, im Raum geduldete Geräusch hinausgehen
  • Ein Befehl würde nicht zur Stille führen
  • Es gibt mehrere Grade der Stille
  • Wo sich nichts, aber auch gar nichts bewegt, herrscht absolute Stille
  • In den Willen, die Unbeweglichkeit zu erreichen, lenken die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf alle Teile des Körpers
  • Während sie sich in diesem Bemühen versuchen, entsteht wirklich eine Stille, die anders ist als das, was man gewöhnlich darunter versteht
    • Es scheint, dass das Leben allmählich entschwindet, dass sich der Saal nach und nach leert, als befände sich keiner mehr darin
    • Die Kleinen sind von dieser Stille fasziniert, als hätten sie einen wirklichen Sieg errungen

8. Isolierung einer Eigenschaft im Material - Begrenzung des Materials

  • Jedes Material hat ganz verschiedene Eigenschaften: Gewicht, Rauheit, Farbe, Form, Maß, Klang usw.
    • Montessoris Prinzip ist, jeweils nur eine Eigenschaft herauszuheben, zu isolieren und so zu einer vertieften Wahrnehmung zu gelangen
  • Unter den vielen Eigenschaften des Gegenstandes ist eine einzige zu isolieren
    • Es müssen Gegenstände vorbereitet werden, die untereinander vollkommen gleich sind, mit Ausnahme der sich ändernden Eigenschaft.
      • Falls wir Gegenstände zurechtlegen wollen, die zum Beispiel zur Unterscheidung von Farben dienen, müssen sie gleich im Stoff, Form und Abmessungen sein und nur in der Farbe differieren.
    • Bei diesem Verfahren lässt sich eine große Klarheit bei der Differenzierung der Dinge erreichen, und es wird offenkundig, dass gerade Klarheit die Grundlage für das Interesse am "Unterscheiden" bildet.
    • Von der psychologischen Seite her ist bekannt, dass die Sinne soweit wie möglich isoliert werden müssen, will man einzelne Eigenschaften besser hervorheben.
    • Isolierungsprozess kann zweifacher Natur sein: Er kann sich auf den von jedem Umwelteinfluss isolierten Menschen beziehen (Mensch soll nichts sehen - so ist er im Dunkeln usw. S.107) und auf das Material, das eine einzige, graduell abgestufte Eigenschaft aufweist.
  • Führt man die Wahrnehmung der einzelnen Sinnesbereiche zusammen, so gelangt man zu einem ganzheitlichen Bild, zu ganzheitlicher Wahrnehmung, man lernt die Dinge als Ganzes kennen.
    • So hat eine Textilie eine bestimmte Form, eine bestimmte Farbe, eine bestimmte Struktur, einen besonderen Grad an Rauheit oder Glätte, ist grob- oder feingewebt usw.
    • Je mehr Sinneswahrnehmungen wir machen, desto konkreter und vollständiger wird demnach das Bild eines Materials in uns.
  • Genauso wichtig wie die Isolierung einer Eigenschaft eines Materials ist Montessori aber auch die Begrenzung des Materials in der Menge.
    • Material muss "mengenmäßig begrenzt" sein!
    • Wir glauben zu Unrecht, das "an Spielzeug reichste", das "an Hilfsmitteln reichste" Kind könne sich am besten entwickeln. Stattdessen beschwert die ungeordnete Vielzahl von Dingen die Seele mit neuem Chaos und bedrückt sie durch Entmutigung.
    • In der "Begrenzung" der Hilfsmittel, die das Kind dazu führen, Ordnung in seinen Geist zu bringen
  • Montessori meint, dass wir die "Neue Lehrerin"- den neuen Erwachsenen- brauchen, die davon überzeugt ist, dass im Wenigen mehr liegt, dass die Wahrnehmung geschult wird durch die Isolierung der Sinne
  • Kinder die noch klein sind, können die ganze Welt noch nicht erfassen - schlafen vor Müdigkeit ein, weil sie so viele Dinge gesehen haben
  • Mit "Sinnesübungen" können Kinder lernen, zu unterscheiden und zu klassifizieren
    • Denn Sinnesmaterial analysiert und stellt die Eigenschaften der Dinge dar: Dimensionen, Formen, Farben, Glätte oder Rauheit der Oberflächen, Gewicht, Temperatur, Geschmack, Töne ... Eigenschaften wie groß, lang, warm, schwer, rau, dick, wohlriechend ...
    • Eigenschaften der Gegenstände unterscheiden sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Quantität - können mehr oder weniger, hoch oder niedrig ... sein
    • Sinnesmaterial eignet sich dazu, all diese Dinge zu unterscheiden
  • Unsere Selbsterziehung muss vor der Erziehung des Kindes stehen, damit wir das Kind in seinem Aufbau nicht behindern.
  • Kind wendet sich den Gegenständen zu, die seinen Bedürfnissen entsprechen
    • Wenn es sie findet, entfaltet es seine Kräfte, macht Muskel- oder Sinnesübungen und ist dann zufrieden.
    • Wenn es sie nicht findet, ist es unruhig wie über unbefriedigte Bedürfnisse

9. Die neue Lehrerin

  • Montessori spricht von einer Lehrerin, meint aber alle Erwachsenen aus der Umgebung des Kindes
  • Montessori setzt strenge Maßstäbe an, denn wenn die Lehrerin nicht den Anforderungen ihrer Pädagogik entspricht, ihre Grundprinzipien verinnerlicht hat, dann kann ihre Arbeit nicht zum Erfolg führen
  • Montessori fordert:
    • Die Lehrerin muss schweigen, statt reden
    • Sie muss beobachten, statt unterrichten
    • Sie muss Demut, statt stolze Würde zeigen
  • Erwachsene beobachten, nehmen wahr, staunen und lernen vom Kind
  • Die Lehrerin beobachtet das "innere Leben des Menschen"
  • Montessori-Lehrerin muss ihr Vorstellungsvermögen wach halten, denn sie hat ein Kind vor sich, das sozusagen noch nicht existiert
  • Die Lehrerin muss ein Glauben haben, dass sich das Kind offenbaren wird durch die Arbeit
  • Sie müssen sich von jeder vorgefassten Meinung lösen, die das Niveau betrifft, auf dem sich die Kinder befinden können
  • Sie muss in der Vorstellung den Typ des Kindes sehen, der in einem geistigen Bereich lebt
  • Die Lehrerin muss daran glauben, dass das Kind, das sie vor sich hat, seine wahre Natur zeigen wird, wenn es seine Arbeit gefunden hat, die es anzieht
  • Es gibt drei Aspekte bei ihrem Verhalten:
    • Erstes Stadium:
      • Die Lehrerin wird zum Wächter und Aufseher der Umgebung
      • Sie konzentriert sich auf die Umgebung, weil von ihr die Genesung auf die Anziehungskraft, die den Willen der Kinder polarisieren wird, ausgehen soll
    • Zweites Stadium:
      • Die Lehrerin muss verführerisch sein, sie muss die Kinder anziehen
      • Die Lehrerin muss wie eine Flamme sein, deren Wärme aktiviert, lebendig macht und einlädt
      • Sie muss mit den Kindern arbeiten, indem sie alle ermutigt und alle anerkennt und eine einnehmende Fröhlichkeit an den Tag legt
    • Drittes Stadium:
      • Die Lehrerin darf nicht eingreifen
      • Das Kind konzentriert sich endlich auf eine Arbeit
      • Das Interesse des Kindes konzentriert sich nicht nur auf die Arbeit, sondern öfters auf den Wunsch, die Schwierigkeiten zu überwinden
      • Lob, Hilfe und auch nur ein Blick können genügen, um das Kind zu unterbrechen und die Aktivität zu zerstören
      • Das Prinzip, das der Lehrerin zum Erfolg hilft, ist Folgendes: Sobald die Konzentration beginnt, muss sie tun, als ob das Kind nicht existiere
      • Sie kann natürlich schauen, was das Kind tut, aber mit einem schnellen Blick, ohne dass sie es merken lässt
      • Erzieher, Mutter, Vater, Lehrer sind nicht überflüssig
      • Lehrerin hat dem Menschsein in einer wesentlichen Periode seiner Bildung geholfen
  • Wenn wir bessere Bedingungen für die Kinder herstellen wollen, so müssen wir an die Eltern denken
    • Erwachsene müssen besser sein - sie müssen weniger stolz sein, weniger an sich selbst denken, weniger diktatorisch sein
    • Kinder werden unterdrückt, wenn sie nicht die besondere Aktivität entfalten können, welche die Natur von der menschlichen Persönlichkeit verlangt, damit sie sich gut entwickeln
    • Ungeordnete seelische Bewegungen von Kindern ergeben sich aus zwei Quellen:
      • Geistige Unterernährung
      • Mangel an Aktivität
    • Die Kinder sind fähig, aus der Umgebung zu absorbieren
    • Werden sie von der Welt isoliert, so wird ihnen etwas Fundamentales fehlen
    • Wenn sie stillsitzen müssen und sich nicht bewegen, nicht berühren dürfen, so wird ihre natürliche Aktivität unterdrückt
    • Der Erwachsene hat eine lenkende und nicht eine lehrende Funktion
  • Jeder Erwachsene ist Repräsentant der Gesellschaft und muss dem Kind helfen, sich mit den Regeln vertraut zu machen
  • Mit der Aussage "Hilf mir, es selbst zu tun." weist es den Erwachsenen in seine erzieherischen Grenzen
  • Es sagt: "Bis hierher und nicht weiter. Enge mich nicht in meiner Selbsttätigkeit und Selbsterfahrung ein. Du kannst mir Brücken bauen, aber darüber gehen muss ich selbst."

10. Die Natur in der Erziehung

  • Kinder in unserer zivilisierten Gesellschaft sind von der Natur entfernt und haben nur wenig Gelegenheit, mit ihr in Berührung zu kommen
  • Montessori sieht die Berücksichtigung der Natur als ein wichtiges Erziehungsprinzip
  • Heute wird in Form von Kinderhygiene der Teil der Leibeserziehung gepflegt, der darin besteht, die Kinder in öffentlichen Anlagen etwas mehr mit der frischen Luft in Berührung zu bringen; sie einige Zeit Sonne und Wasser am Strand auszusetzen.
    • Auch einfachere und kürzere Kleider, Sandalen oder nackte Füße sind schüchterne Versuche zur Befreiung von übertriebenen Fesseln, welche die Kinder an das zivilisierte Leben binden
  • In Montessoris Vorstellungen hat sich die Natur nach und nach auf die Blumen und die für unsere Ernährung, unsere Arbeit oder unseren Schutz nützlichen Haustiere beschränkt.
  • "Natur flößt den meisten Menschen Angst ein"
    • Wenn Kinder jedoch mit Natur in Berührung kommen, dann zeigt sich ihre Kraft
      • Laufen z.B. kilometerweit
  • Das Gefühl der Kinder für die Natur wächst mit der Übung, wie alles andere.
  • Also muss das Kind Natur erleben können.
  • Der Umgang mit Natur lässt sich nicht über Lehrbücher vermitteln.
  • Erwachsene erkennen die Interessen der Kinder nicht ausreichend und gehen nicht auf diese ein
    • Kind ist fasziniert von Gemüsegarten - "ein Garten mit Sachen zum Essen"; Mutter erachtet dem Garten keiner Bewunderung wert
  • Kinder wünschen, große Arbeiten zu vollbringen und ihre Tätigkeit direkt mit den Erzeugnissen der Natur in Verbindung zu bringen
  • Montessori hat beobachtet, welche Tätigkeit Kind in der Natur gerne ausübt
    • Angenehmste Arbeit für das Kind ist nicht das Säen, sondern vielmehr das Ernten
    • Ernten steigert das Interesse für das Säen, und je mehr einer das Ernten erfährt, desto stärker empfindet er den verborgenen Reiz des Säens
  • Gerade durch die Tätigkeit bringen die Kinder die an Schönheit reichen Knospen ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit zum Aufbrechen
  • Also machen wir die Natur zu einem Erziehungsinhalt in unserem Leben und erheben wir die Naturbegegnung in unserem pädagogischen Handeln zu einem Grundprinzip!

Die Aufgabe der Eltern

  • Eltern sind die Wächter des Kindes, aber nicht seine Bauherren
  • Sie müssen das Kind pflegen und beschützen
  • Sind mit dem Kind eng verbunden
  • Eltern müssen Offenheit und Bereitschaft zeigen
  • Eltern müssen das Recht des Kindes anerkennen
  • Die Gesellschaft muss den Kindern die vollkommenste und weiseste Fürsorge geben
  • Kinder sind die Menschheit von Morgen
  • Montessori wandte sich aber nicht nur an die Eltern, sondern sie entwickelte auch Gebote für die Erzieher des jungen Kindes im "Kinderhaus" - und das sind dann "zwölf Gebote"
    • 1. Die Lehrer haben zunächst eine Pflicht materieller Ordnung: Minutiös die Umgebung zu prüfen dass sie sich sauber, glänzend, geordnet darstellt; die Folgen der Abnutzung durch den Gebrauch beheben, ausflicken, neu bemalen oder auch für anziehenden Schmuck sorgen.
    • 2. Der Lehrer muss den Gebrauch der Dinge lehren, ausführend zeigen, wie sich die Übungen des praktischen Lebens vollziehen: Und dies mit Anmut und Genauigkeit, damit alles in der Umgebung Befindliche von dem benutzt werden kann, der es wählt.
    • 3. Der Lehrer ist "aktiv" wenn er das Kind mit der Umgebung in Beziehung bringt: Er ist "passiv", wenn diese Beziehung erfolgt ist.
    • 4. Er muss die Kinder beobachten, damit ihre Kraft sich nicht vergebens verflüchtigt, wenn eines verborgene Geräusche sucht, oder eines der Hilfe bedarf.
    • 5. Er muss herbeieilen, wohin er gerufen wird.
    • 6. Er muss zuhören und antworten, wenn er dazu eingeladen wird.
    • 7. Er muss das Kind, das arbeitet, respektieren, ohne es zu unterbrechen.
    • 8. Er muss das Kind, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.
    • 9. Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das den anderen bei der Arbeit zusieht, ohne es zu stören, ohne es anzurufen, ohne es zur Arbeit zu zwingen.
    • 10. Er muss aber unermüdlich versuchen, demjenigen Kind Gegenstände anzubieten, das es schon einmal abgelehnt hat; das zu unterweisen, das noch nicht verstanden hat und Fehler macht. Und dies, indem er die Umgebung mit seinem Sorgen belebt, mit seinem bedachten Schweigen, mit seinem sanften Wort, mit der Gegenwart jemandes, der liebt.
    • 11. Der Lehrer will mit seiner Gegenwart das Kind spüren lassen, das sucht; sich verbergen dem, das gefunden hat.
    • 12. Der Lehrer erscheint dem Kind, das seine Arbeit vollendet und frei seine eigene Kraft erschöpft hat, und bietet ihm schweigend seine Seele an, wie einem geistigen Gegenstand.
letzte Aktualisierung 27. November 2010