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Fürstenberg

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Dierhagen

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Sturmfluten und Deichbau in Dierhagen

Sturmfluten haben das heutige Bild der Region maßgeblich mit geformt. Neue Verbindungen zwischen Bodden und Ostsee wurden geschaffen, andere versandeten und wurden Festland. Auch der Häuserbau wurde auf die Möglichkeit eventuell auftretender Sturmfluten ausgerichtet. Noch heute sind die alten Häuser in Dierhagen im unteren Bereich mit Steinen gemauert und erst ab circa 1 m Höhe begann die typische Fachwerk-/Lehmbauweise.
Die erste urkundlich belegte Sturmflut im Ostseebereich datiert auf das Jahr 1044. Selbstverständlich existieren keine weiterführenden Angaben über Dauer und Stärke der Verwüstung.

Die erste detaillierten Aufzeichnungen stammen von der Sturmflut 1304 über die alte Chroniken berichten:

"Anno 1304 ist ein großer Sturmwind gewesen, der an der Ostsee allenthalben Kirchtürme und Häuser eingeworfen. In solchem Sturmwind ist auch das Land zu Rügen vom Ruden abgerissen, also dass eine neue Schifffahrt an deselben Ort geworden, so heutigen Tages das neue Tief genannt." [1]

Insgesamt sollen sich im Bereich der S-lichen und W-lichen Ostsee 40 Sturmfluten zwischen 1320 und 1864 ereignet haben. Dabei wurde nicht nur die Ostseeküste in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Boddenseite hatte besonders bei starkem NO-Wind unter diversen Sturmfluten zu leiden. Die Flut von 1625 hat das Wasser auf der Boddenseite gut 3 Meter über Normal ansteigen lassen.
Bei der verheerenden Sturmflut Ende Februar/Anfang März 1747 blieben im Ort nur zwei Häuser vom Wasser verschont. Das Dorf glich einem See.

"Hausrat, Wagen und Ackergerät waren von der Flut fortgeführt und weit von den Hofstellen entfernt im Eise festgefroren. "Bande und Thore waren von denen Häusern weggerissen, und wenn sich nicht zuletzt vor das Dorf in der See ein hoher Wall von zusammengeschobenen Eysschobern gesetzt hätte, mögte kein Haus in Dierhagen auf der Stelle bestehen geblieben seyn.""[1]

Bei der Sturmflut von 1867 war die Ostsee an mehreren Stellen durchgebrochen, so auch N-lich von Dierhagen.

Ende 1872 hatten wochenlange W- und SW-Winde im Oktober das Wasser in die Ostsee hereingetrieben. Der Wasserspiegel der Ostsee war ungewöhnlich hoch, in Travemünde 4 m höher als in Kopenhagen. Die Bewohner unseres Landstriches wussten, dass ein Drehen des Windes auf NO verheerende Folgen haben würde. Bei Windstille war in der Nähe von Barhöft (an der Zufahrt zum Bodden) ein starker einlaufender Strom zu spüren. Dann, am 12. November drehte der Wind auf NNO und frischte auf Orkanstärke auf. Dierhagen war völlig unter Wasser gesetzt. Selbst im Hinterland von Ribnitz waren die Auswirkungen der Sturmflut zu spüren. Die Dünen zwischen Dierhagen und Wustrow, die seit 1750 urkundlich gepflegten Dünenakten lassen darauf schließen, dass diese Art des Küstenschutzes schon recht lange durchgeführt wurde, waren weitgehend zerstört. Die ehemalige Durchfahrt S-lich Wustrows war wieder durchbrochen. Der Plan, den Sturmfluten zukünftig durch die Wiederherstellung des Durchstichs Herr zu werden, wurde wegen zu hoher Kosten verworfen. Stattdessen genehmigte die Landesregierung das Geld für einen Deich zwischen Dierhagen und Wustrow, der 1875/76 fertig gestellt wurde. Dieser Deich hielt den Sturmfluten von 1904 und 1913 stand.


1952 wurde der Ort von einer weiteren schweren Sturmflut heimgesucht. Daraufhin wurde der vorhandene Seedeich verstärkt.
Auch nach 1952 ereigneten sich schwere Sturmfluten. Bis auf ein paar Meter Düne, die regelmäßig der Ostsee zum Opfer fallen, blieb Dierhagen aber von größeren Schäden verschont.

©Burkhard Schramm, Dierhagen 

hier gibt es mehr Sturmbilder

Der heutige Besitzer der Hafenkneipe ist da sicherlich anderer Meinung. Es ist aber zu bedenken, dass der Hafen jenseits des Deiches zum Bodden liegt.

  ©Burkhard Schramm, Dierhagen 

hier gibt es mehr Hafenbilder

[1] Geschichte der Stadt und des Klosters Ribnitz, S. 483, Dr. Kühl, Neubrandenburg, 1933

letzte Aktualisierung 6. Februar 2008