Vergleich Wilhelm von Humboldt und Reinhold Bernhard Jachmann
Bezug auf folgende Texte:
Programm einer Nationalerziehung (Jachmann, 1812)
Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen (Humboldt, 1792)
Theorie der Bildung des Menschen (Humboldt, 1793)
Reinhold Bernhard Jachmann Kurzbiographie:
1767 in Königsberg geboren
1843 gestorben
Theologe und Pädagoge
Schüler des Philosophen Immanuel Kants
Leitete in der Nähe von Danzig das „Conradinum“, ein Internat für bürgerliche und adlige Kinder
Vertrat die radikalste Reformperspektive
Vergleich Jachmanns Theorien mit denen Humboldts
Maxime seiner Bildungstheorie
Freie Förderung aller geistigen Kräfte der Heranwachsenden
Keine Beeinflussung durch den Stand, Beruf, soziale Herkunft
Vgl. Humboldt
Humboldt wollte die Abstufung der Schulen nach dem Alter und nicht nach der sozialen Herkunft der Kinder
Allen Menschen soll ein freier Zugang zur Bildung eröffnet werden
Bildung ist naturrechtlich und theologisch abgeleitetes Menschenrecht
Programm in der ständischen Gesellschaft nicht zu vereinbaren
Auch aufgrund von ökonomischen Bedingungen
Vgl. Humboldt
Freiheit als Bedingung von möglichst umfassender und ausgewogener Bildung setzt nicht nur das Recht, sondern auch die ökonomische Möglichkeit zur bildenden Wechselwirkung von Ich und Welt voraus
Nicht alle Kinder konnten die Schule besuchen, aufgrund der ökonomischen Lage der Familien (Schulbesuch kostete Geld) und die Kinder waren eine wichtige Arbeitskraft
Forderung auf gleiche Bildungschancen
Dies setzt eine neue Gesellschaft voraus, in der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen sollte
Vgl. Humboldt
Freier Zugang aller Menschen zu möglichst vielen Aspekten von "Welt"
Alle Kinder sollen eine möglichst umfassende Allgemeinbildung erhalten
Humboldts Konzeption sollte allen Menschen einen freien Zugang zu Bildung eröffnen
Neue Nationalbildung war für die deutschen "Knaben und Jünglinge" konzipiert
Es war ihm aber auch selbstverständlich, dass auch Mädchen gebildet werden mussten
Vgl. Humboldt:
Bildungsidee war nicht für beide Geschlechter gedacht
Frauen waren im liberalen Bildungsdenken mit einbezogen, doch galt für sie ein anderer Bildungsentwurf
Jeder Mensch soll von Jugend auf an als ein Ebenbild Gottes behandelt werden
Erzieherische Anstalten sind so einzurichten, dass das Menschsein in ihnen vollkommen entwickelt und gebildet werde
Jachmann sieht in jedem Menschen einen "Stellvertreter der Menschheit", die als Gattung durch Erziehung vervollkommnet werden müsse
Vgl. Humboldt:
Jedes Individuum soll ein möglichst würdiger Repräsentant der eigenen Gattung werden
Die Verschiedenheit der Köpfe muss berücksichtigt werden (d.h. die Eigentümlichkeit der sich bildenden Individuen)
Die Verwirklichung des Ideals menschlicher Vollkommenheit ist nicht individuell, sondern nur gesellschaftlich möglich
Bildung ist kein rein individueller Vorgang, sondern ein gesellschaftlicher Prozess
Knabe muss seine Denk- und Handlungsweisen und Sprache mit anderen Völkern vergleichen
Dadurch wird er seiner Nationalität inne, begründet und veredelt diese
Vgl. Humboldt:
Bildung als Auseinandersetzung mit fremden Sprachen meint jeden Dialog mit anderen Menschen, indem sich ein Subjekt auf die fremde Weltansicht seines Gegenübers einlässt und auf diese Weise seine eigene Weltansicht erweitert oder überschreitet